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Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-Fazit: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-Fazit

  21.05.2005   0 Kommentare   5683 Klicks
Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-Fazit 0,0 0

Die Schlacht ist geschlagen, der Kriegsnebel verzieht sich. Alljährlich treffen sich große und kleinere Armeen am Orte Los Angeles, einzig und allein zu dem Zwecke, drei Tage lang die Schlacht um die Käufergunst zu schlagen. Dieses Aufeinandertreffen nennt sich Electronic Entertainment Expo und selten waren das Säbelgerassel und die Angriffstaktiken lauter und aggressiver als in diesem Jahr.

Der Nebel lichtet sich weiter und wir können einen Blick auf das Schlachtfeld werfen.

Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-FazitZuerst erkennen wir den großen amerikanischen Krieger. Ein großes X ziert seine Brust. Selbstbewusst steht er da, hat er doch quasi die gesamte PC-Welt bereits vor langer Zeit unterjocht. Man hört von einer nicht totzukriegenden Pinguin-Plage (Gattung Linux) und anderen Angriffen aus der Tierwelt, so etwa eines feuerroten Fuchses, doch sind dies kleinere Aufstände, die ihn nicht weiter sorgen. Ansonsten ist in der Welt des PCs sein einziges Problem eine hartnäckige Apfel-Allergie.

Der große amerikanische Krieger strotzt vor solchem Selbstbewusstsein, dass schon vor der großen Schlacht ein Hobbit seine Waffen präsentieren durfte. Sie ist aber auch mächtig, die neue Konstruktion. Ganz und gar erschlagen von den technischen Fakten und dem Aussehen der Spiele-Munition wird sie Millionen von Menschen in ihren Bann ziehen. Freilich auch deshalb, da sie sich auch noch mit alter Munition beladen lässt. Doch dafür werden die weltweiten Truppenübungsplätze in Zukunft weiter kostenpflichtig bleiben und der geneigte Kämpfer an der Seite des amerikanischen Kriegers wird seinen Obolus abdrücken müssen, um mit Gleichgesinnten Scharmützel auszufechten. Dies war früher bei der alten Konstruktion schon so und es ist doch schön, wenn auch etwas beim Alten bleibt. Und letztendlich mochte der amerikanische Krieger Worte wie Open Source noch nie.

Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-FazitDer Kriegsnebel verzieht sich… und… ja… man kann ihn erkennen. Auch der stolze Samurai aus dem fernen Osten steht noch da. Er verfügt seit seiner Erfindung des elektronischen Reiskochers über eine schier unermessliche Kriegskasse und hat schon viele Schlachten fernab der Konsolenwelt geschlagen. Er hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Er wartete ab, was der amerikanische Krieger anzubieten hat, um dann mit seiner von PS nur so strotzenden Waffe zu kontern. Kein Wunder, ist er doch auf diesem Schlachtfeld der Erfahrenere und hat seine Artillerie bereits in der dritten Generation modernisiert.

Auch hier gehen den Anhängern schier die Augen über. So silbern und schön glänzt die neue Waffe, so unglaublich und mächtig erscheint ihr Innenleben. Der Samurai ist sichtlich stolz darüber, was er den Heerscharen dargeboten hat. Fast möchte man übersehen, dass vieles der Munition nur eine neue Version bereits vorhandener ist (Gran Turismo, Tekken, Metal Gear Solid…).

Der Kriegsnebel zieht sich weiter zurück und man möchte sich einbilden, im Schatten hinter dem stolzen Samurai etwas gesehen zu haben. Aber eigentlich kann das gar nicht sein, hat der stolze Samurai doch in seiner Heimat alles unter Kontrolle. Oder doch nicht? Nein! Ein unbeugsamer Ninja hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Nun tritt er aus dem Schatten und wir können ihn erkennen. Ein Relikt aus längst vergangener Zeit, ein Big N, prangert auf seiner Brust. Würde er nicht seltsam anzusehende Tierwesen dressieren und in Arenen gegeneinander antreten lassen, würde er vielleicht nicht mehr auf diesem Schlachtfeld weilen. Pokemon nennt er sie und erfolgreich verkauft er sie.

Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-FazitDa steht er nun, der Ninja, der sich so gerne in Schweigen hüllt… und tatsächlich zieht auch er seine Waffe. Man hatte schon viele Sagen darüber gehört, eine wahre Revolution sollte sie sein. Doch nun, als wir endlich einen Blick darauf werfen dürfen, erscheint sie eher klein und unscheinbar. Gerne würden wir sie näher betrachten, doch ganz in der Tradition der Ninjas wird sie sofort wieder vor unseren Blicken verborgen. Immerhin ist er ein guter Geschichtenerzähler, der Schattenläufer mit dem Big N auf der Brust. Er erzählt uns von längst vergangener Software-Munition, die damit erneut zum Einsatz kommt. Er erzählt uns von seinen beiden Veteranen, Zelda und Mario, die erneut ihr Stelldichein geben. Er erzählt uns von einer innovativen Steuereinheit, die kabellos zur Revolution dazugehört. Doch zeigen will uns der Ninja dies alles nicht, er zieht sich lieber wieder in den Schatten zurück.

Die Luft wird klarer, der in Mengen aufgewirbelte Staub hat sich fast gelegt. Und da, hinter dem Rücken des amerikanischen Kriegers, sehen wir sie. Die treue Gemeinde der PC-Spieler. Gar große Augen machen sie und traurig sind ihre Blicke. Zeigen sie sich doch beeindruckt von den neuen Waffen des Kriegers und des Samurai. Doch keine Angst ihr Lieben. Auch ihr werdet alsbald so schöne Grafik auf Euren Bildschirmen erblicken können. Endlich wird Euer Griff in die Kriegskasse zur Verbesserung Eures Systems belohnt. Endlich werden die Spiele-Schmieden nicht mehr nur technisch veraltete Konsolenumsetzungen für Euch erstellen, zumindest nicht für die nächsten zwei Jahre. Gebt die Hoffnung also nicht auf.

Und sollte Euer System irgendwann einmal nicht mehr ausreichen, um der neuen Munition Herr zu werden, dann stehen schon die Zauberer und Alchemisten von ATI und Nvidia bereit, Euch zusammen mit dem blauköpfigen Volkstamm von Intel oder den AMD-Rebellen die dafür nötige Ausrüstung zu überlassen…. natürlich gegen einen kleinen Griff in Euren Rüstungsetat. Versteht sich ja von selbst.

Die klare Luft, der Shogun und Tetris...

Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-FazitDie Luft ist inzwischen sauber und rein, wir können das gesamte Schlachtfeld übersehen. Dort ist z.B. der vor wenigen Jahren gestürzte Shogun, der früher noch blaue Stacheltiere über seine eigenen Waffen laufen ließ. Doch streckte er diese, um nicht im Kampfe unterzugehen und ist nun sowohl dem amerikanischen Krieger als auch dem Samurai und dem Ninja zu Diensten. Ebenso handeln die Macher der elektronischen Künste, eine Vereinigung vieler kreativer Köpfe, die wächst und wächst, aber in vielen Bereichen trotzdem stagniert und jährlich fast identische Werke hervorbringt.

Doch darf man froh sein um diese holden Kämpfer an allen Fronten. Denn die Gruppe derjenigen, die sich für eine Partei entschieden, wird immer größer. So muss sich die Schar der Käufer ernsthaft fragen, ob der Rüstungsetat für all die neuen Systeme ausreicht. Hoffnung macht lediglich, dass der Amerikaner schon in diesem Jahr seine Waffe auf den Markt wirft, die Kämpfer aus dem Fernen Osten dagegen erst im nächsten. Zeit um den Etat aufzustocken, sollte man dies überhaupt wollen. Nicht Wenige werden sich der fast schon als Größenwahn zu bezeichnenden mehrfachen Aufrüstung verweigern.

Die Luft ist klar, die Armeen ziehen sich zurück. Ich stehe staunend und gleichzeitig doch ernüchtert am Rande des Schlachtfeldes und habe mir nun einen Überblick über alle Kriegsparteien verschafft. Doch bin ich schlauer? Nein. Ich habe viele schöne Bilder und Videos gesehen, ich bin durch technische Daten, Zahlen und Fakten traumatisiert, ich bin wissbegierig auf mehr. Doch meine Euphorie hält sich in Grenzen. Ich habe letztendlich nicht wirklich etwas gesehen, was ich nicht schon vorher gekannt oder geahnt hätte.

Dass die neuen Waffen der Parteien groß und mächtig sein werden, habe ich gewusst. Dass die Munitionen immer schöner und glänzender werden, habe ich erwartet. Dass Vieles davon schon einmal da war und nur eine neue Versionsnummer bekommt, habe ich befürchtet. Dass ich etwas Innovatives und noch nie Gesehenes erblicken könnte, habe ich gehofft. Doch wurde diese Hoffnung leider enttäuscht.

Kolumne: Battlefield Los Angeles - Das etwas andere E3-FazitIch frage mich, ob größere Rechenleistung und besseres Aussehen im Einklang mit mehr Spielspaß einhergehen. Ich frage mich, ob die neuen Gewänder der Waffen und der Munition nicht nur reines Blendwerk darstellen, um mir schon Bekanntes erneut anzupreisen. Ich frage mich, ob ich zuviel erwarte und meine Hoffnungen gar nicht erfüllt werden konnten. Und ich frage mich, ob ich mich trotz meiner Zweifel wirklich dem Neuen entziehen werden kann. Letzteres wohl eher nein. Und während all diese Fragen in meinem Kopf schwirren, ziehe ich ein kleines, altes Stück Hardware aus meinem Beutel und sinniere über sie bei einer kurzweiligen Runde Tetris.

Kommentare

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Darks
von Darks | 29.11.2006, 11:34 Uhr
die einzig warkrieg ist der im schlussverkauf schlimmer als andere du hast das super geschrieben schon mal drüber nach gedacht autor zu werden
PapstBenedikt
von PapstBenedikt | 26.06.2006, 19:12 Uhr
Höllisch gut geschrieben! So wird ein langweiliges Thema interessant!:) Respekt Matthias!8o
MysticMagican
von MysticMagican | 20.05.2006, 22:15 Uhr
*Beifallklatsch* Sehr gut geschrieben... So ringt einem ein eigentlich relativ trockenes Thema doch das eine oder andere Schmunzeln ab... Weiter so! :D
JR_germany06
von JR_germany06 | 08.04.2006, 12:48 Uhr
einfach geniale... ähh... eine einfach geniale interpretation von einem Bericht über E3:)
Taoist
von Taoist | 22.05.2005, 13:44 Uhr
Zitat Matthias: "Ich frage mich, ob größere Rechenleistung und besseres Aussehen im Einklang mit mehr Spielspaß einhergehen." Doch doch, passiert mir häufig das ich in einem Spiel einfach nur umherlaufe und mir die schöne Grafik ansehe, und das macht ab und an sogar Spass...natürlich nur wenn man sich begeistern kann für schöne Grafiken ;) Grafik = Spielspass = Ja Aber selbstverständlich nicht nur, aber es "steigert" mein persönlichen Spielspass schon :p
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