
Als Anfang der (19)90er die ersten Folgen von Star Trek: The Next Generation im ZDF anliefen, war ich recht schnell furchtbar neidisch auf Captain Picard und die Crew seiner Enterprise D. Nicht wegen dem Replikator, der quasi aus der Luft eine schmackhafte Protein-Mahlzeit zauberte. Das können Pizzadienste und der Fast Food-Laden um die Ecke auch! Und auch nicht auf das Beamen, was meiner Meinung nach nur im ersten Moment recht praktisch erscheint, um sich beispielsweise nachmittags kurz mal unter der hawaiianischen Sonne brutzeln zu lassen. Schließlich würde dies dann wohl jeder machen, so dass man sich schon zielgenau auf den letzten freien Platz am völlig überlaufenen Waikiki Beach beamen müsste, um nicht versehentlich direkt auf einer dick eingecremten, übergewichtigen deutschen Rentnerin zu landen. Wuah, allein der Gedanke! Nein, das muss nicht sein. Was ich aber wirklich sehr gerne hätte und worum ich Picard & Co. tatsächlich glühend beneide ist das Holodeck!
Was? Noch nie davon gehört? Na dann erkläre ich erst einmal kurz, was ein Holodeck überhaupt ist: Dabei handelt es sich um einen großen Raum, in dem man mittels Holografie-Technologie komplett in eine virtuelle dreidimensionale Welt eintauchen kann. Dabei wird man nicht nur visuell und akustisch völlig in das Geschehen einbezogen, sondern dank einer Kombination der oben beschriebenen Replikatoren- und Beam-Technologien wird außerdem auch Materie erzeugt und bewegt. Sprich, man kann die Personen und Gegenstände in dieser Simulation sogar berühren! Ich möchte an dieser Stelle erst gar nicht ausführen, auf welche Gedanken mich dies als pubertierender Teenager gebracht hat, schließlich soll der Artikel nicht gleich zum Präzedenzfall für die kürzlich von Politikern geforderte Altersfreigabe für Internetseiten werden. Aber seid doch mal ehrlich: Bei der Vorstellung, selbst mitten in das Geschehen eines virtuellen Abenteuers eintauchen zu können, sehen doch sämtliche Computer- und Videospiele unserer heutigen Zeit gnadenlos alt aus!

Leider muss ich mich derzeit trotzdem damit abfinden, dass es so etwas wie ein Holodeck einfach noch nicht gibt. Aber ich bin guter Dinge, noch zu meinen Lebzeiten selbst eines besuchen zu können, denn wenn man sich die technische Entwicklung der letzten Jahre ansieht, gehen wir mit großen Schritten darauf zu. Da wäre zum einen das derzeit große Ding: Das 3D-Fernsehen! Okay, wir stehen auch hier noch ganz am Anfang und man benötigt zwangsweise die sogenannten Shutter-Brillen, um den Augen vorzugaukeln, dass die auf dem TV-Bildschirm verschwommenen Doppelbilder nur eine einzige Aufnahme seien (Stereoscopic 3D). Allerdings sind auch schon autostereoskopische Bildschirme in Entwicklung, die an der Oberfläche aus winzigen Prismen-Linsen bestehen, durch die jeder Bildpunkt speziell dem linken oder rechten Auge zugeordnet werden kann. Wenn man diese Technik nun noch weiter verfeinert, sie komplett auf alle sechs Seiten eines Raumes umlegt und diese sechs Projektionsflächen miteinander synchronisiert, dann sollte sich daraus doch schon einmal eine sehr ansehnliche dreidimensionale Umgebung erzeugen lassen!

Dreidimensionales Sehen ist aber natürlich nur das eine, denn schließlich möchte ich mit dieser Umgebung auch interagieren. Aber da sehe ich keine ernsthaften Probleme, denn bereits eine PS2 samt Eyetoy-Cam zeigt uns den Lösungsweg. Und mit dem kommenden Project Natal für die Xbox 360 sowie der stetigen Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz und immer realistischer anzusehender HighEnd-Grafiken kommen wir der Lösung Schritt für Schritt näher. Sehr viel schwieriger wird es da mit dem Schmecken und Berühren. Während man den Geruchssinn mit Duftstoffen noch relativ problemlos in das virtuelle Abenteuer mit einbeziehen könnte, bin ich mir nicht ganz sicher, wie dies mit dem Tast- oder sogar mit dem Geschmackssinn funktionieren soll. Und darauf möchte ich auf keinen Fall verzichten, denn wenn ich schon von einer Horde jungfräulicher Amazonen-Kriegerinnen gefangen genommen werde, um den Fortbestand ihres Stammes zu sichern, dann möchte ich… halt, ich merke, ich schweife ein wenig vom Thema ab. Auf alle Fälle hoffe ich doch sehr, dass sich die Damen und Herren Techniker und Ingenieure bei Sony, Samsung, Siemens oder von mir aus auch Krupps, Rowenta oder Vorwerk dazu Gedanken machen. Vielleicht kann man ja eine Art „hartes Licht“ entwickeln, das sich in eine beliebige Form fester Materie verdichten lässt. Etwa in einen Tisch, einen Stuhl, ein Bett, oder, nur weil es mir gerade zufällig in den Sinn kommt, eine Amazone!? Das wäre doch eine gute Evolutionsstufe für Philips und seine „Ambilight“-Funzeleien.

Nur äußerst ungern würde ich alternativ beispielsweise auf einen Ganzkörperanzug zurückgreifen müssen, wie man sie unter anderem beim Motion Capturing für Games oder hässliche, kleine Gnome in Fantasyfilmen (ich sage nur: „Mein Schatz!“) verwendet. Zwar könnte man sie sicherlich so umpolen, dass die Sensoren des Anzugs leichte Stromstöße abgeben und somit Arme, Beine und andere Körperteile reizen, aber würde dies der Realität gleichkommen? Könnte man damit die Oberflächen von Holz, Stein oder Haut glaubwürdig simulieren? Und was ist mit dem Geschmackssinn? Einen Stromknebel würde ich garantiert nicht in den Mund nehmen! Anderseits fällt mir dabei der Film „Der Rasenmähermann“ ein, in dem Pierce Brosnan solch einen Strampelanzug inklusive 3D-Brille trägt und damit in virtuelle Welten eintaucht! Wäre dies etwa doch eine Alternative? Naja, ich weiß nicht recht. Wenn ich mir vorstelle, ich renne in solch einem Aufzug auf der Flucht vor den virtuellen außerirdischen Hirnsaugern durch meine Wohnung, stolpere dabei über den äußerst realen Glastisch im Wohnzimmer und schlage mir im Fallen sämtliche Zähne an der ebenfalls äußerst realen Kante meiner Buchenholz-Kommode aus, dann ist mir dies insgesamt ein etwas zu aufreibendes Erlebnis.

Womit ich auch schon auf das nächste Problem gestoßen bin. Wie bewegt sich die Enterprise-Besatzung auf dem Holodeck? Die laufen in der Serie teils durch riesige Landschaften und rennen doch nie gegen die Wände des Raumes? Wie hebt man die räumliche Begrenzung auf? Bewegliche Böden? Naja, klappt aber auch nur, wenn sich alle Spieler in dieselbe Richtung bewegen! Und wer baut mir solch einen Boden in meine Wohnung bzw. wie erkläre ich dies meinem Vermieter? Vielleicht wäre es aber auch eine echte Marktlücke, wenn man eine große Lagerhalle anmietet und sie in ein Dutzend Holoräume aufteilt. Quasi ein Mietlager für die virtuellen Träume! Eine Holo-Halle! Dann könnte man für jeden Spieler noch ein in alle Richtungen bewegliches Laufband entwickeln, womit mehrere Personen dasselbe Abenteuer erleben könnten! Klingt gut! Das werde ich auf alle Fälle im Hinterkopf behalten. Vielleicht sollte ich darüber mal mit meinem Anlageberater sprechen. Damit kann man in einer fernen Zukunft sicherlich einen Haufen Euro machen – vorausgesetzt, den Euro gibt es dann überhaupt noch.
Aber ich schweife schon wieder ab, denn momentan hilft mir dies nicht wirklich weiter. Oh weh, ich sehe schon, es gibt noch eine ganze Menge zu beachten, bevor solch ein Holodeck tatsächlich realisierbar ist. Trotzdem: Ich möchte nach wie vor daran glauben, dass ich irgendwann einmal in meinen Leben in einem Holoraum stehe. Ganz bestimmt! Daran geht nichts vorbei, schließlich warten dort jetzt schon rund zwei Dutzend durchtrainierter Amazonen-Kriegerinnen auf den Retter ihres kulturellen Fortbestands. Und einer muss den Job ja übernehmen…