Cleveres als gedacht
Autor Christos Gage hatte sicherlich keine leichte Aufgabe damit, die Story aus Dante's Inferno in einen Comic zu packen. Inhaltlich ist der Comic fast identisch mit dem Spiel: Wir begleiten Dante zuerst im Kreuzzug und anschließend wie er sich durch die Kreise der Hölle kämpft, um seine geliebte Beatrice zu retten. Gage fokussiert in "seiner" Story jedoch nicht die blutigen Kämpfe aus dem Spiel, sondern geht mehr auf die Beziehung zwischen Dante und Beatrice ein. Insgesamt konzentriert sich der Autor mehr auf den weiblichen Hauptcharakter und bringt deren Sichtweise auf das Geschehen gut an den Leser. Christos Gage hat bewiesen, dass man einen storytechnisch guten Comic zum Spiel machen kann, obwohl er inhaltlich fast identisch zur virtuellen Vorlage ist und trotzdem, dank einer cleveren Erzählweise, den Leser sowie die Fans von Dante's Inferno gut unterhalten vermag.
Quälend
Bei Comics ist es meistens so, dass es einen Künstler gibt, der das Cover gestaltet, und einen, der den eigentlichen Comic zeichnet. Diego Latorre hat in diesem Band beides gemacht, wodurch Dante's Inferno einer der wenigen Comicbände auf dem Markt ist, bei dem man vom Cover auf den zeichnerischen Stil und Inhalt des Comics schließen kann. Das Cover der ersten US-Ausgabe, welches Panini Comics auch für den deutschen Sammelband gewählt hat, ist düster wie verstörend und gibt einen guten Vorgeschmack auf den künstlerischen Inhalt. Auf den ersten Seiten des Bandes war ich fasziniert von Latorress Stil und seinen kunstvollen Zeichnungen. Aber mit fortschreitender Lesedauer wich die Faszination der Frustration. Ein Comic funktioniert durch die Verwendung von Paneln und Sequenzen, welche das Auge des Leser führen sollen, genauso wie zum Beispiel die zeichnerische Darstellung von Bewegungen. All das fehlt im Comic zu Dante's Inferno. Sicherlich ist jede Zeichnung von Latorre für sich betrachtet ein kleines Kunstwerk, doch diese Aneinanderreihung von Gemälden auf 148 Seiten verfehlt seine Wirkung komplett. Selbst ich als großer Comic Fan habe mir sehr schwer damit getan, den Band bis zum Ende zu lesen. Es kommt keine Stimmung auf und es wird obendrein sehr schnell eintönig sowie langweilig.
Fazit
Leider ist Dante's Inferno wieder ein Beispiel dafür, wie ein Comic zum Spiel nicht aussehen sollte. Im Gegensatz zu Micky Epic, wo die Story genau den Spielverlauf widergespiegelt und dafür die Zeichnungen in Ordnung sind, präsentiert sich Dante's Inferno mit einer inhaltlich recht cleveren Verarbeitung der Vorlage, scheitert allerdings an der Darstellung. Natürlich ist der Zeichenstil immer Geschmackssache - doch ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand den kompletten Band liest ohne dabei gelangweilt zu sein. Meiner Meinung nach liegt die Stärke von Zeichner Diego Latorre in den Covern oder bei Momentaufnahmen, aber nicht im Ausarbeiten einer kompletten Geschichte.
Dante's Inferno von Christos Gage und Diego Latorre mit 148 Seiten im Hardcover ist bei Panini Comics erschienen. Preis: 16,95 Euro.
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