Als der gute, alte Meeresteiler Moses mit dem jüdischen Volk 40 Jahre lang ohne Plan und wohl auch ohne Navigationssystem durch die Wüste irrte, kraxelte er eines Tages ein wenig auf dem Berg Sinai herum. Mehr oder weniger zufällig fand er dort Steintafeln, auf denen Gott seine Zehn Gebote eingemeißelt hatte. Den Heiden unter Euch sei gesagt, dass dies so etwas wie Gottes „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ für eine erfolgreiche Frömmigkeit sind. Moses nahm die Steintafel mit und prügelte sein Volk damit vom Götzenbild des Goldenen Kalbs weg, welches die Juden während seiner Bergtour erschaffen hatten. Seitdem befolgen alle frommen Juden und Christen die Zehn Gebote, was auch und vor allem für den ersten Punkt gilt, der da lautet:
„Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“
Und wenn man sich etwas in der Spielerszene umschaut, scheint diese Regel auch für viele Videospiel-Fans zu gelten. Das können wir dieser Tage wieder verstärkt erleben, schließlich haben innerhalb kurzer Zeit alle drei Big Player im Konsolengeschäft ihre neuen, anbetungswürdigen Spielsysteme auf den Markt geworfen bzw. werden es bald tun. Dazu kommt noch die Fraktion der eingefleischten PC-Spieler, die ebenfalls für sich beansprucht, die wirklich wahre und einzig zählende Spiele-Plattform gefunden zu haben. Vielgötterei ist also bei vielen verpönt.

Recht interessant ist es dann, wie die jeweilige Religions-… ähm Spielergemeinschaft ihren Favoriten auf Gedeih und Verderb verteidigt. Dies erinnert mich an meine unschuldige Kindheit, in der man sich mit seinen Freunden nicht für blutige Metzelspielereien vor dem TV traf, sondern eine Runde „Autoquartett“ spielte. Dazu nutzt man noch heute hübsche Spielkarten mit Bildern und technischen Daten verschiedener Automobile darauf, die es alternativ auch mit Flugzeugen, Panzern, Fußballern oder auch Biersorten gibt. Um zu gewinnen, musste man die Karten aller Mitspieler einheimsen und zählte dazu von seiner obersten Karte einen beliebigen technischen Wert auf, der (hoffentlich) höher war als bei den Karten der Kontrahenten. Und genauso verteidigt die jeweilige Fraktion das tolle BlueRay-Laufwerk, die große Spielauswahl, den günstigen Preis oder die problemlose Aufrüstbarkeit. Spricht man die gleiche Gruppe aber auf einen fehlenden Rumble-Effekt, die lästigen Probleme mit der Installation, die eingeschränkte Nutzbarkeit der Steuerung oder die fehlenden Innovationen an, dann wird dies mit einem „Nicht so wichtig abgetan“. Hauptsache, man muss keine Schwäche zugeben!
Alternativ macht man sich erst gar nicht die Mühe, irgendwelche stichhaltigen Argumente zu suchen. Wieso auch? Glauben ist schließlich mehr als Wissen und bei einer sachlichen Diskussion besteht stets die Gefahr, dass man von den Argumenten der Gegenpartei überrollt wird und tatsächlich eine Niederlage einstecken muss. Dies käme dann schon fast einer Gotteslästerung gleich und daher ist es einfacher, sinnfrei und ohne stichhaltige Argumente auf die blasphemischen Volltrottel einzuprügeln, die einfach keine Einsicht zeigen wollen. Nach Beispielen dafür muss man gar nicht lange suchen, ein Blick in wohl fast jedes Spiele-Forum im großen weiten Netz aller Netze genügt. Da hauen sich die Foren-Teilnehmer in grammatikalisch nicht immer ganz einwandfreier Form Ausdrücke, Verunglimpfungen und Beleidigungen um die Ohren, dass selbst ein englischer Hafenarbeiter erröten und jede Mutter die Erziehung ihrer böswillig argumentierenden Zöglinge als gescheitert ansehen würde.
Da fragt man sich schon, woher dieser hitzige Fanatismus kommt. Irgendwann muss ja jeder Fan einmal seine Erleuchtung gehabt haben, um alle anderen Plattformen als falsche Götzen abkanzeln zu können. Schätzungsweise haben sich die wenigsten aus wirklich freiem Willen, sondern dank der Macht der Suggestion entschieden. Seien es die Eltern, die den ersten Gameboy nach Hause brachten, seien es die Mitschüler, die bestimmen, was cool ist oder sei es auch einfach nur die Werbung – irgendjemand hat wohl das Fühlen, Denken und Handeln des zukünftigen Freaks beeinflusst und ihn zu der Meinung kommen lassen, dass nur eine Sache toll ist und alles andere doof. Grob gesagt könnte man also vermuten, dass die meisten Fans kleine Schafe sind, die irgendwann mal vom Glanz des jeweiligen Goldenen Kalbs geblendet wurden und ihm seitdem blind und bedingungslos folgen.

Man mag es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich auch Spieler, die nicht nur einen Altar aufgebaut haben, sondern gleich mehrere Spielsysteme nutzen. Gegen diese Vielgötterei ist ja grundsätzlich nichts einwenden, doch irgendwie scheinen diese Typen nur Langweiler zu sein. Ständig mischen sie sich mit ihren Kommentaren ein und vertreten die Meinung, dass jedes System seine Vorteile hat, dass man allen eine Chance geben solle und dass diese Beschimpfungen doch nicht sein müssten. Wahrscheinlich sind diese Blumenkinder bereits erwachsene Selbstverdiener oder die versnobten Kinder von Eltern, die Liebe mit Geld verwechseln. Als Freak muss man diese Typen wohl grundsätzlich hassen, denn wie soll man auf diese harmonischen Gedanken reagieren? Denn egal, wie man diesen pazifistischen Pöbel auch angreift („Ich bin froh, nur eine und nicht mehrere Konsolen zu haben!“, „Ich würde das Ding nicht mal geschenkt nehmen!“), es hört sich immer etwas armselig, defensiv und von Neid getränkt an.
Wahrscheinlich sollte ich deswegen an dieser Stelle nun dazu aufrufen, dass die Freaks ihre Monogamie aufgeben oder zumindest nicht so fanatisch reagieren. Doch irgendwie hab ich gar keine Lust dazu. Denn es spricht schließlich nichts gegen eine hübsch-aggressive Streitkultur, sei es zum Frustabbau oder zur Belustigung anderer. Irgendwann muss man mal Logik und Fairness weg- und einfach die Sau rauslassen. Und deswegen rufe ich dazu auf, dass Spießer lieber Bausparverträge abschließen und es hier frei nach dem Motto „Stinke, wem Gestank gegeben“ weitergeht. Also ihr Freaks, stänkert ruhig weitern an der verhassten Konkurrenz herum. Denn es wäre doch stinklangweilig, wenn in Foren nur noch Kommentare stehen würden wie: „Schade, dass das Spiel nicht für die PC kommt. Aber ich freue mich für alle Xbox 360-Spieler.“ oder „Toll, dass das Game auf der PS3 sehr viel schöner ist als auf meiner Xbox 360.“ Oder? Außerdem will ich mich als versnobter Multiplayer weiter über Euch amüsieren…. und mal ehrlich: Letztendlich weiß eh jeder insgeheim, dass die beste Konsole aller Zeiten noch immer die Sega Dreamcast ist!! Basta!