Ich muss vorab gestehen, dass ich vielen Spielegenres bisher eher ablehnend gegenübergestanden habe. Oder besser: Ich habe ihre Existenz ignoriert oder sie mit fiesen Vorurteilen belegt. Soweit die Vorgeschichte – und nun sah ich mich also am Wochenende mit Call of Duty: Modern Warfare 3, meiner Konsole und jeder Menge Zeit konfrontiert. Und was soll ich sagen – ich verstehe seither die Welt nicht mehr! Es gibt einfach kein Spielegenre, das von der Gesellschaft so derart verkannt wird, wie es bei Ego-Shootern der Fall ist. Und dann noch von Frauen völlig zu Unrecht als Männerdomäne abgestempelt wird. Warum? Ich erkläre es kurz und bündig, basierend auf meinen Erfahrungen mit Call of Duty.
Wer behauptet, Ego-Shooter würden einen verblöden lassen – der lügt. Im Gegenteil: Sie bilden ungemein. Wer kriegt schon in so kurzer Zeit so viele geschichtliche Fakten geboten wie in Ego-Shootern? Nehmen wir die Story in MW3: Sie bringt prägnant, kurz und bündig vorab auf den Punkt, was ich schon immer zur Geschichte wissen wollte. Was interessieren mich auch vielschichtige, komplexe oder gar tiefgehende Prozesse der Vergangenheit? MW3 hat verstanden, mir innerhalb weniger Sekunden klarzumachen, dass Gut gegen Böse keinesfalls an Aktualität verloren hat. Früher brauchte man langweilige Märchenbücher und viel Zeit, um der künftigen Generation einen Einblick in die Geschichte zu vermitteln – die werde ich jetzt zugunsten von MW3 aus dem Regal entfernen.
Bessere Noten durch Ego-Shooter? Zumindest in Geographie oder Physik kein Ding der Unmöglichkeit! Hier lernt man eine Menge interessanter und relevanter Daten und Fakten. Ich werde jedenfalls dank des tollen und spektakulären Turm-Einsturzes nicht mehr vergessen, dass es sich bei Paris um die Hauptstadt Spaniens handelt. Und ein vielschichtiges Wissen um AK-47, FAD und MK-14 kann vor allem für die berufliche Zukunft nicht schaden.
Shooter sind nicht sozialverträglich oder familienfreundlich? Der größte Unsinn! Wo findet man das sonst noch in der Gesellschaft...Generationen vereint auf dem Sofa! Während der pubertierende Bruder hier endlich einmal Anerkennung findet, kann Opa sogar noch geschichtliches und hochgradig individuelles Hintergrundwissen mitteilen. Und wer behauptet, das Ballern würde einsam machen – der werfe doch mal einen Blick auf die Multiplayer-Optionen.
Wer einmal im Fernsehen einen Bericht über die Einschulungstests bei Kindern gesehen hat, wird die Problematik kennen: Da drängen junge Menschen in die Grundschule, die vielfach weder Fahrradfahren noch einen Meter weit springen können, vom Laufen einmal ganz abgesehen. Überengagierte Eltern halten sie zusätzlich von der Ausbildung motorischer Fähigkeiten fern, indem das stundenlange Spielen am PC oder der Konsole meist über Jahre untersagt wird. Das Erlernen fremder Sprachen – im Falle von CoD zum Beispiel durch Yuri oder den Bösewicht Makarov gesichert – wird diesen Kindern zusätzlich erschwert. Vorbilder wie Price oder Soap, die den Lebensweg der Kleinen positiv gestalten und wohlwollend in Richtung Gehorsam und Disziplin lenken könnten, werden hier ohne Rücksicht auf die neue Generation ausgeblendet.
Call of Duty ist brutal – das ist nichts für Frauen! Ein gängiges Vorurteil, das sich wiederum leicht widerlegen lässt. Gerade dieser Ego-Shooter fordert explizit weibliche Stärken heraus. Ständig muss mit dem Nebenmann kommuniziert, auf komplexe Befehle wie „Yuri, hier rüber“ oder „Frost, warte hier“ angemessen reagiert werden. Multi-Tasking ist hier nicht nervig, sondern bedeutet einen Mehrwert an Lebensjahren. MW3 skizziert eine Gesellschaft, wie sie meiner Meinung nach wirklich sein sollte: Im tiefsten Innern sozial und auf Teamplay ausgerichtet!
Mein Fazit zu Modern Warfare 3: Der kundige Leser wird meine tiefgreifende emotionale Bindung zum Spiel bereits nach den ersten Sätzen entdeckt haben. In den neun Stunden, die ich – wohlgemerkt als Anfänger – für den Kampagnenmodus benötigt habe, haben sich mir ungeahnte Möglichkeiten dieses Genres eröffnet und erschlossen. Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf mein eigentliches Anliegen zurückkommen: Gerade Frauen sollten Ego-Shooter nicht länger als dämliche und langweilige Beschäftigung abtun, bei der es nichts zu lernen gibt und obendrein noch Menschen getötet werden. Vielmehr sollten sie diese Games als Ressource begreifen. Eine Ressource für ein gemeinschaftliches Miteinander, für mehr Kommunikation und soziales Verhalten, für Toleranz und Zusammenhalt – vor allem in der eigenen Familie.