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Die besten Spielideen: Wer ist der Innovativste im Computerland?

Vertraute Bekannte sind schön und gut, doch ab und an möchte jeder von uns etwas Neues sehen. Eine neue Spielidee hilft entsprechend Wunder, wenn es um frischen Spielspaß geht – doch genauso schwierig ist es herauszuklamüsern, was wirklich neu und was eigentlich aufgewärmt ist…

  02.09.2011   11 Kommentare   2217 Klicks
Die besten Spielideen 0,0 0

Disclaimer: Dieses Special ist ein Minenfeld, auf das ich mich begebe. Die Idee eine Top 30 der besten Spielideen aller Zeiten auszutüfteln, ist aus vielerlei Hinsicht problematisch. Zum einen ist eine Klassifizierung immer subjektiv geprägt: Warum steht A vor B, wieso ist C drin und wieso fehlt D? Zudem geht es beim Thema “Spielidee“ um Innovationen und es ist teilweise sehr schwierig herauszufinden, welche Spiele wirklich innovativ waren. Nehmt beispielsweise Portal: Das Ding ist ein elitärer Klassiker, den viele als etwas grundlegend Neues bezeichnen. Dabei basiert er auf einem zwei Jahre alten Freewareprogramm namens Nabacular Drop.

Um dieses Problem ein wenig abzumildern, zähle ich im Folgenden nicht nur einzelne Spiele auf, sondern auch das eine oder andere Pärchen. Beide erwähnten Titel haben ihren eigenen Teil zur bahnbrechenden Spielidee und/oder deren Erfolg beigetragen.

Der nächste Punkt, den ich vorsorglich erklären sollte: Mir fiel es ein wenig schwer, den einen oder anderen Genreneuling zu erwähnen. Sollte man Computer Space nennen, weil es das erste Actionspiel überhaupt war? Gehört ein Donkey Kong in diese Liste, als erstes Jump’n’Run seiner Art? Und was mache ich mit Guitar Freaks, dem Guitar Hero/Rock Band Vorläufer? War da nicht Beatmania rein von der Grundidee her älter? Kennt hier wer den PC-Geheimtipp Quest for Fame? Oder wieso nicht gleich Senso nehmen, die eigentliche Mutter aller elektronischen Musikspiele?

Ebenfalls außen vor gelassen habe ich die Welt der MMORPGs, wie Ultima Online oder Meridian 59 – das sind meines Erachtens mehr ausgetüftelte Onlinekonzepte anstatt wirklich grundlegend neuer Spielideen. Der Vollständigkeit halber seien noch zwei Bullfrog-Klassiker erwähnt, die den Sprung in die Liste ganz knapp verpasst: Magic Carpet bietet eine lustige Teppichflugidee, während Theme Park vielleicht auch nur eine Wirtschafts-/Aufbausimulation wie so viele andere ist, aber eben eine mit einem originell-spaßigen Setting.

Ansonsten stelle ich mich auf ganz viel Kopf abreißen und Schreie der Form “Das ist doch gar nicht innovativ, Blablablub kam doch schon fünfzig Jahre vorher auf meinem programmierbaren Taschenrechner raus!!“ ein. Vorhang auf für die meiner Meinung nach dreißig besten und ausgefeiltesten Ideen der Computer-/Videospielgeschichte:

Sonderplatz: Minecraft (PC)

O.k., ich hab gleich gelogen: Ich präsentiere euch streng genommen 31 Superideen. Einen Sonderpreis erhält nämlich Minecraft, für seine leichtfüßige Symbiose aus Abenteuerspiel und Legobaukasten. Es gibt jedoch zwei Gründe, weshalb ich es (noch) nicht offiziell in dieser Liste platzieren möchte: Zum einen bin ich mir nicht wirklich sicher, ob das hier ein Spiel und nicht eher ein simpler, riesiger Leveleditor ist.

Lass ich den Grund mal beiseite, denn letztlich macht das Konzept einen Heidenspaß, so ist der zweite schwerwiegender: Es gibt keine finale Version von Minecraft. Bei vielen der Doppelplatzierungen, die ich im Rahmen des Specials mache, ist die erste eine frühe Free- oder Shareware-Variante und die letzte das fertige Produkt, das zu Ruhm und Reichtum gelangte. Im Falle von Minecraft möchte ich ebenfalls noch so lange abwarten, bis es mehr als eine Beta gibt.

30.Sakura Taisen (1996, Saturn)

Wir starten (nun wirklich!) mit einer echten Obskurität: Sakura Taisen, besser bekannt unter dem Namen Sakura Wars, ist zum einen ein Mech-Strategie-Rollenspiel und zum anderen eine… Dating-Simulation! Kein Witz: Ihr seid Befehlshaber einer kleinen Armee, die nur aus Frauen besteht. Damit diese im Kampf optimal einsatzbereit ist, müsst ihr zwischen den Schlachten viele Soap-getränkte Gespräche führen  und dabei die richtigen Worte finden.

Die Gemeinheit: Bei jeder Dialogwahl drängt euch ein Zeitlimit zu einer mal mehr oder weniger schnellen Entscheidung. Die Mischung ist einerseits sehr faszinierend, andererseits aber auch extrem japanophil. Wohl auch deshalb gibt es bislang nur den fünften Teil in Amerika/Europa – für alle anderen existieren immerhin vollständig übersetzte Transcripts im Internet.

29.Katamari Damacy (2004, PlayStation 2)

Erneut ein freakiger Titel, aber zumindest einer, der abseits von Japan nicht ganz so unbekannt ist. Ihr seid ein Prinz und sollt einen Katamari erstellen. Dies ist eine zunächst winzig kleine Kugel, die bei Berührung Objekte aufsammelt, diese zu ihrem Bestandteil macht und somit stetig wächst. Der Haken: Das einzusammelnde Objekt muss kleiner sein als die derzeitige Größe des Katamari. Das Originelle an der Idee ist die fließende Veränderung der Spielwelt: Anfangs sammelt ihr noch handliche Dinge wie z.B. Gläser oder Gabeln, doch schnell packt ihr Stühle, Tische, Türen, Wände, Häuser, Brücken, etc. ein.

28.Flower (2009, PlayStation 3)

Das brillante an der Idee zu Flower ist die ”Spielfigur”, die ihr steuert: den Wind. Mit diesem weht ihr über Wiesen, sammelt Blütenblätter und zerstört mit der Kraft der Natur die böse Welt der von Menschen geschaffenen Technologie. Ihr könnt nicht sterben, aber dafür träumen ohne Ende. Die Sixaxis-Steuerung sorgt dabei für die Extra Portion Unbeschwerlichkeit.

27.Fire Emblem (1990, Famicom)

Fire Emblem hat eines der (relativ) jüngsten wie geläufigen Kombinationsgenres geschaffen, nämlich das der Strategie-Rollenspiele. Intelligent Systems nahm das hauseigene Advance Wars, ein gut verdauliches rundenbasierendes Strategiespiel, und packte es in ein Fantasy-Setting. Dies erinnert von der Art sowie von der Geschichte her mehr an Final Fantasy & Co., zudem eure Einheiten Rollenspielwerte besitzen und Erfahrungspunkte sammeln.

26.Elite (1984, BBC Micro)

Das Urgestein des komplexen Genre-Mix: Elite vermischt Weltraumaction, Handeln, Erforschen und Abenteuer zu einem Gesamtpaket. Mach was du willst, sei wer du möchtest – so viel Open World gab es nie zuvor. Wollt ihr lieber die Gegend als Pirat unsicher machen? Euch als Händler eine goldene Nase verdienen? Oder als Kopfgeldjäger für Recht und Ordnung sorgen? Es ist euch überlassen – und dieser Grundgedanke macht(e) Elite zu etwas Einmaligem.

25.Breakout (1976, Arcade)

Pong war streng genommen ein simples, elektronisches Tennis. Breakout wäre dann eine Mischung aus Squash für einen Spieler sowie einer alltäglichen Wurfbude auf einem Rummelplatz. Ihr müsst eine Steinmauer Stück für Stück abräumen, wofür euch ein Ball und ein Schläger zur Verfügung stehen. Ersterer bewegt sich automatisch auf und ab, während ihr mit letzterem Sorge tragt, dass er nicht aus dem Bildschirmrand kullert. Fertig ist die erste brillante Spielidee aller Zeiten, die ohne Computertechnologie nur schwer in der gleichen Faszination realisierbar wäre.

24.Artillery Duel / Worms (1983, Atari VCS 2600 / 1995, Amiga)

Das Konzept von Artillery Duel ist megasimpel: Auf einer zufallsgenerierten Landschaft stehen zwei Kanonen für insgesamt zwei Spieler parat. Diese sind fest installiert, weshalb ihr nur den Drehwinkel sowie die Schussstärke einstellen dürft. Aufgabe ist es, den Gegner zu treffen und dabei die stetig variierende Windrichtung zu beachten.

Gute zwölf Jahre später griff Team 17 diese Idee auf und formte daraus mit Worms eines der besten wie zugleich leichtverständlichsten Action-Strategiespiele. Anstatt fest installierter Kanonen steuert jeder Spieler vier Würmer. Diese können nicht nur laufen, sondern besitzen obendrein einen ganzen Sack voller unterschiedlicher Waffen, vom Raketenwerfer bis zum explodierenden Flugschaf(!).

23.Scribblenauts (2009, Nintendo DS)

Trotz aller Kinderkrankenheiten: Die Grundiee von Scribblenauts ist genial. Ihr bekommt verschiedene Aufgaben vorgesetzt, die ihr auf eine beliebige Art und Weise lösen dürft. Dazu tippt ihr einfach ein Wort ein und *puff* schon taucht das entsprechende Objekt auf dem Bildschirm auf. Um die Spitze eines Baums zu erreichen, könnt ihr also eine Leiter davorstellen, per Jetpack hinauffliegen oder ganz frech via Säge den Holzfäller spielen. Freilich ist die Worterkennung am gegebenen Parser gebunden, doch zum einen ist dieser erstaunlich umfangreich und zum anderen kratzt dies nicht im Geringsten an der Faszination der eigentlichen Idee.

22.Akalabeth / Ultima (1979-1980, Apple II)

Rollenspiele waren schon in den 70er Jahren beliebt, jedoch nicht am Computer, sondern am runden Tisch mit einem halben Dutzend Spielern plus Spielleiter. Richard Garriott dachte sich: “Das muss doch auch alleine funktionieren.“, und erfand Akalabeth, den Urvater aller RPGs dieser Welt. Dort könnt ihr zwar nur auf einer extrem grob gestalteten Oberwelt herum latschen sowie in hässlichen Dungeons Monster meucheln, aber dies reichte für einen soliden Grundstein der berühmten Ultima-Serie, ebenfalls ein Baby von Garriott. Diese addierte dann so etwas wie eine Geschichte und ein Spieldesign hinzu, weshalb der erste Teil ehrenhalber erwähnt sein sollte.

21.Little Computer People (1985, Commodore 64)

Little Computer People ist dermaßen außergewöhnlich, dass man sich eigentlich schon darüber streiten kann, ob es sich überhaupt um ein Spiel handelt. Auf dem Bildschirm seht ihr die Seitenansicht eines Hauses, in dem ein kleines Männchen wohnt. Dieses erledigt allerlei triviale Dinge, die den alltäglichen Tätigkeiten eines  “normalen“ Menschens nachempfunden sind: Es schaut Fernsehen, es putzt sich die Zähne, es geht zu Bett, es isst, usw. Ein wirkliches Spielziel gibt es nicht. Eure Aufgabe besteht rein im Zuschauen und im Vergeben von Befehlen (z.B. dass das Männchen eine Schallplatte auflegen und für euch tanzen soll), die allerdings nicht zwangsläufig ausgeführt werden. Völlig verrückt, aber gleichermaßen faszinierend.

20.Pushover (1992, Amiga)

Von all den in diesem Special vorgestellten Spielen dürfte Pushover für das meiste Kopf kratzen sorgen: Ihr steuert eine Ameise von Bild zu Bild und sollt mehrere Reihen von Dominosteinen umschmeißen. Diese liegen wie in einem klassischen Jump’n’Run auf diversen Plattformen verteilt, die wiederum mit Leitern verbunden sind. Die Ameise kann nun einzelne Steine nehmen und an eine andere Stelle platzieren. Viele von ihnen besitzen sonderbare Eigenschaften, z.B. dass sie nach Anstupsen zur Decke schweben und dort umfallen. Diese Idee resultierte zu einem der besten Denkspiele, die heutzutage wirklich kein Schwein mehr kennt.

19.Sentinel, The (1986, BBC Micro)

Der Gewinner in der Kategorie “Gleichermaßen abstrakt wie simpel“ ist The Sentinel: Ihr steht inmitten einer fremdartigen wie hügeligen 3D-Landschaft, auf dessen höchster Punkt der Sentinel thront. Dieser dreht sich alle paar Sekunden um ein paar Grad und ändert damit stetig sein Sichtfeld. Sollte er darin etwas anderes als Bäume sehen (euch eingeschlossen), dann saugt er alle Energien aus dem Fremdkörper. Ihr müsst nun Stück für Stück die Landschaft empor klettern, bis ihr selbst über dem Sentinel steht und diesen zerstören könnt.

Das Gemeine daran: Ihr könnt euch nicht bewegen, sondern nur weitere Körper projizieren und zwischen diesen hin- und her teleportieren. Dies wiederum funktioniert nur, wenn ihr den Boden des Zielortes sehen oder einen Stein anpeilen könnt. Auch diese lassen sich materialisieren, was jedoch Energie kostet – und diese saugt ihr aus den vom Sentinel ach so geliebten Bäumen. Kapiert? Nein? Macht nix… geil wie einmalig ist die Idee trotzdem.

18.Crush (2007, PlayStation Portable)

Crush ist ein Puzzlespiel, in dem ihr stetig zwischen 2D und 3D wechseln müsst. Folgendes Beispiel: Ihr marschiert auf einer Polygonplattform bis zum Abgrund und seht im Hintergrund einen Ausgang. Eigentlich gäbe es keine Möglichkeit, ohne Fluggerät dorthin zu gelangen – doch zum Glück könnt ihr die Spielwelt in Crush jederzeit von drei auf zwei Dimensionen reduzieren. So gibt es nämlich kein vorne und kein hinten mehr, weshalb eure Plattform nun nahtlos mit der des Ausgangs verbunden ist. Trickreich wird das Spiel allein deshalb, weil ihr die Welt aus fünf verschiedenen Blickwinkeln zusammenstauchen könnt und so völlig unterschiedliche 2D-Ebenen zustande kommen.

17.King’s Quest (1984, PC)

Vor King’s Quest gab es nur Textadventures, die allenfalls mit statischen Grafiken geschmückt waren. Dann kam jedoch Sierra und veränderte ein Genre auf Lebenszeit: Anstatt sich auf schnöde Textbeschreibungen zu verlassen, stolziert ihr hier wie in einem Actionspiel mit einer Spielfigur durch allerlei Räume, Höhlen und Landschaften. Zwar müsst ihr weiterhin via Tastatur Befehle eintippen, doch trotzdem war mit King’s Quest der mit Abstand wichtigste Stein zum Point’n’Click-Genre gelegt.

16.Puzzle Bobble (1994, Arcade)

Ein ganz berühmtes Denkspiel (das ich der Spannung halber noch nicht beim Namen nennen möchte) hat für unzählige Nachahmer und Abarten gesorgt. Der in meinen Augen bedeutendste ist Puzzle Bobble, teilweise auch bekannt unter dem Namen Bust-A-Move. Auf dem Bildschirm seht ihr zahlreiche bunte Blasen, die verpuffen sobald sich mindestens drei gleichfarbige berühren. Ihr steuert am unteren Rand eine Kanone, mit denen ihr zusätzliche Blasen verschießt. Das Trickreiche dabei: Die Kanone ist fest in der Mitte platziert und lässt sich nur links- oder rechtsherum drehen. Dies sorgt für ein eigenständiges Spielgefühl, welches sich von anderen Denkspielen dieser Art unterscheidet und eine gehörige Portion Geschicklichkeit addiert.

15.SimCity (1989, Amiga)

Bereits vor SimCity gab es Spiele, in denen ihr ein Gelände bebauen durftet oder ein kleines Reich verwalten musstet. Doch erst Will Wrights legendärer Klassiker verknüpfte diese beiden Simulationselemente und machte euch zum virtuellen Bürgermeister einer eigenen Stadt. Mit ein Grund für den Erfolg der Idee ist die Einsteigerfreundlichkeit, dank der ihr ganz leicht Häuserzonen verteilt, Straßen zieht oder Industriegebiete bestimmt. Nebenbei erwähnt war der Prototyp von SimCity bereits 1985 fertig, allerdings handelte es sich hierbei um eine technisch schwache C64-Version. Erst 1989 erblickten die tadellosen Amiga- sowie Macintosh-Umsetzungen das Licht der Verkaufsregale.

14.Pac-Man (1980, Arcade)

Der Anfang aller Sucht- und Sammelspiele: Dank Pac-Man gibt es bis heute unzählige Labyrinthspiele, in denen ihr irgendwelche Pillen sammelt und euch vor dumpfen Gegnern in acht nehmen müsst. Auch forcierte die schlichte Idee den Hi-Score-Wahn: Der Traum einer noch höheren Punktzahl sorgte letztlich für einen enorm starken Wiederspielwert.

13.Archon (1983, Atari 8-bit)

Inspiriert von der Schachspielszene aus Star Wars bastelte Entwickler Free Fall Associates ein Computerspiel, das auf den ersten Blick keine große Besonderheit gegenüber dem Originalbrettspiel darstellt. Doch sobald ein Spieler mit seiner Figur zu der eines Gegners zieht, ist diese nicht automatisch geschlagen. Stattdessen wechselt Archon zu einem Kampfbildschirm, wo der Sieg in Actionmanier ausgetragen wird.

Weil jede Figur eine eigene Waffentechnik besitzt und einige wenige gar der Magie verschrien sind, wird Abwechslung groß geschrieben. Kurz: Ein zeitloser Klassiker, der seither verzweifelt von so vielen Nachahmern gejagt und doch bislang von keinem in seiner Güteklasse erreicht wurde.

12.The Incredible Machine (1992-93, PC)

Physik ist langweilig, aber Kettenreaktionen sind toll: The Incredible Machine ist der ultimative Spielplatz für Tüftler, deren eigene Wohnung nicht genügend Platz und/oder Ressourcen für solch Experimente bietet. Neben dem allumfassenden Baukasten gibt es zahlreiche Levels, in denen ihr halbfertige Maschinen vervollständigen müsst, um wiederum das vom Spiel angegebene Ziel zu erreichen. Ergo findet ihr hier Elemente aus Lemmings sowie Pushover, doch orientiert sich die Grundidee eher an einem klassischen Physikset oder Chemiebaukasten.

11.Adventure (1979, Atari VCS 2600)

Es ist unglaublich kurz und auch unglaublich hässlich – aber trotzdem gehört Adventure zu den wichtigsten Videospielen der Menschheitsgeschichte. Ihr steuert einen Block durch eine kleine Spielwelt, findet ein paar Objekte wie Schlüssel oder Speer, müsst mit dem einen Türen öffnen und mit dem anderen Drachen besiegen. Das gesamte Programm läuft in Echtzeit ab, weshalb Adventure schlicht und ergreifend das erste Action/Adventure überhaupt ist. Punkt.

10.Alter Ego / The Sims (1985, Apple II / 2000, PC)

Bevor The Sims erschien wurde es häufig als Nachfolger im Geiste von Little Computer People bezeichnet. Aber eigentlich hatte Will “SimCity“ Wright etwas völlig Anderes geschaffen: die ultimative Soap-Simulation. Vordergründig baut ihr ein eigenes Heim und bezieht es mit unzähligen Möbelstücken, doch letztlich geht es ums Verkuppeln, um das Gründen einer Familie und um das Leben eines virtuellen Lebens.

Deshalb zähle ich eher Alter Ego als geistigen Vorvater der Spielidee, gleichwohl es sich hierbei um ein völlig anderes Genre handelt (Textadventure, um genau zu sein). Auch dort möchte man euch die maximale Freiheit vorgaukeln, wobei dies aufgrund der limitierten technischen Möglichkeiten bei weitem nicht die Größe von The Sims erreicht und deshalb in einem ganz anderen Spielgefühl resultiert. Ergo summ erwähne ich beide vereint auf einem Platz.

 9. The Pit / Boulder Dash (1982, Arcade / 1984, Commodore 64)

Es gibt ewig viele Geschicklichkeitsspiele mit Denkspielelementen, aber Boulder Dash ist eines der ersten und eines der besten. Mit einem kleinen Männchen buddelt ihr euch durch mehrere Levels, um Diamanten zu sammeln. Soweit nichts besonderes, werdet ihr dabei von zahlreichen Steinen und wabbernden Gegnern behindert. Erstere töten euch, sobald sie euch aufgrund der Schwerkraft auf den Kopf fallen, letztere machen euch einfach bei der ersten Berührung platt.

Die Idee ist schlicht, jedoch ermöglicht sie richtig vertrackte Levels, die euren Kopf zum Rauchen zwingen. Nun gibt es einen recht unbekannten Vorläufer namens The Pit, der abseits von japanischen Spielhallen kaum jemand gesichtet hat, und der einen Großteil der Boulder-Dash-Elemente bereits zwei Jahre zuvor intus hatte. Der Titel ist arg obskur, grafisch selbst für seine Zeit hässlich und von der Umsetzung her kein Spielspaßgarant. Aber weil es in diesem Special um den Aspekt der Spielidee geht, gehört The Pit ehrenhalber erwähnt.

8. Narbacular Drop / Portal (2005, PC / 2007, PC)

Es ist mit himmelweitem Abstand die beste Spielidee des letzten Jahrzehnts und jeder von euch kennt sie: Anstatt wie in einem Standard-Ego-Shooter schwer bewaffnet durch die Gegend zu marschieren, besitzt ihr einzig und allein eine Portalkanone. Damit projiziert ihr auf zwei beliebige Wand-, Decken- und/oder Bodenflächen zwei Portale, die eine nahtlose Verbindung zwischen den beiden Punkten erzeugen.

Narbacular Drop ist ein Freeware-Experiment von Kim Swift, das erstmals diese brillante Idee demonstrierte. Zwei Jahre später veröffentlichte das gleiche Team mithilfe des mächtigen Entwicklers Valve das legendäre Portal – und ein neuer Teil der Geschichte war geboren.

7. M.U.L.E. (1983, Atari 8-bit)

Wirtschaftssimulationen gelten als trocken und Einsteiger unfreundlich. Umso erstaunlicher, dass eine der besten Genrevertreter, der vom Feeling her mehr einem unbeschwerten Brettspiel gleicht, fast dreißig Jahre alt ist. In M.U.L.E. bevölkern vier Spieler den Planeten Irata, um Rohstoffe bis Nahrungsmittel zu scheffeln und am Ende mit dem größten Besitz als Sieger hervorzutreten. Das geniale an der Idee zu M.U.L.E. ist die Multiplayertauglichkeit: Größtenteils agieren die vier Kontrahenten gleichzeitig, egal ob sie von menschlichen Spielern oder vom Computer gesteuert werden. Allein die Auktionsrunden, in denen ihr problemlos Dinge kauft oder verkauft, gilt als Sinnbild der intelligenten Benutzerführung.

6. Colossal Cave Adventure / Zork (1976, PDP-10 / 1980, PC)

Noch so ein geteilter Platz: Colossal Cave Adventure war das erste (Text-)Adventure überhaupt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst vier Jahre später nahm Infocom den Grundriss des Spiels und veröffentlichte mit Zork den ersten kommerziellen Vertreter seiner Zunft. Plötzlich gab es da etwas, wo es nicht nur aufs Schießen, Zielen und/oder Ausweichen ankam, sondern man aktiv lesen und rätseln musste. Zudem dürfte Zork das erste offiziell erhältliche Spiel sein, bei dem es so etwas wie eine Story und eine Erzählstruktur gab – auch wenn es letztlich auf eine schnöde Schatzsuche hinausläuft.

5. Sokoban (1982, FM-7 / 1988, PC)

Sokoban sieht von weitem aus wie ein Labyrinth/Pac-Man-Spiel, doch dahinter steckt kein Quäntchen Geschicklichkeit. Dafür müsst ihr einfach nur clever überlegen, nämlich wie ihr eine unsortierte Menge an Kisten auf ihren vorbestimmten Platz bugsiert. Das heikle daran: Die Kisten lassen sich nur schieben, nicht jedoch ziehen. Demnach müsst ihr weit um voraus planen, damit ihr nicht irgendwann dazu gezwungen seid, eine Kiste unverrückbar in eine Ecke drücken zu müssen.

Auch wenn das Konzept heutzutage ausgelutscht ist und bereits zu seiner Zeit nur den geduldigen Tüftler ansprach, so ist die Grundidee absolut brillant. Die Urversion von Thinking Rabbit erschien bereits 1982 für diverse japanische Systeme, erst acht Jahre später brachte Spectrum Holobyte ein Sokoban in die westliche Welt.

4. Mah-Jongg Solitaire / Shanghai (1981, PLATO / 1986, Amiga)

Ich habe wirklich Jahrelang geforscht und schaue selbst heute immer noch ab und an nach, ob der folgende Fakt in der Tat der Wahrheit entspricht: das Mah-Jongg Solitaire erstmals von einem Amerikaner zu einem Computerspiel umfunktioniert wurde. Immerhin behauptet Brodie Lockard, dass ein uraltes japanisches Brettspiel namens “The Turtle“ als Inspirationsquelle diente.

Im Prinzip geht es einzig darum, einen Haufen Mah-Jongg-Steine abzubauen. Dazu dürft ihr nur gleiche Paare abnehmen, die am linken oder am rechten Rand frei liegen und auch nicht von darüber befindlichen Steinen verdeckt werden. Diese eigentlich total schlichte Idee gebührt allein deshalb ein so hoher Platz in dieser Liste, weil sie das Solitärspiel Computer tauglich machte. Schließlich spielt es sich aufgrund der hohen Steinanzahl (144 im Gesamten) virtuell bedeutend komfortabler, als wenn ihr mit realen Mah-Jongg-Steinen hantieren müsstet.

1986 erschien mit Shanghai die erste kommerzielle Version des Klassikers, die auf dem Amiga dank der erstaunlich plastischen Grafik zu einem der besten Programme für den legendären Computer avancierte. Heutzutage gibt es unzählige Klone, die größtenteils den irreführenden Titel Mah-Jongg tragen. Denn so heißt streng genommen ein in Asien sehr beliebtes Gesellschaftsspiel für bis zu vier Spieler, für das die Spielsteine eigentlich auch erfunden wurden.

3. Populous (1989, Amiga)

Endlich ein Gott sein – Peter Molyneux ermöglichte uns diesen Traum dank Populous. Gleichzeitig schuf er eines der innovativsten und Einsteiger freundlichsten Strategiespiele aller Zeiten. Anstatt das hier zwei Kontrahenten mit ihren Armeen aufeinander losgehen, könnt ihr aktiv “nur“ die Landschaft manipulieren. Ebnet das Land ein, um Platz für eure Bevölkerung zu schaffen. Setzt den Papal Magnet, um euer Volk zu lenken. Hetzt dem Gegner ein Erdbeben, einen Sumpf oder gar einen Vulkan an den Hals, um ihn zu schwächen.

Am Ende steht das Armageddon, bei dem alle Kräfte mobilisiert werden und das in einem finalen Schlagabtausch den Sieger ermittelt. Die außerordentlich starke Präsentation half obendrein beim Sammeln der GOTY-Preise. Doch die wahre Stärke von Populous ist und bleibt die kongeniale Spielidee.

2. Lemmings (1991, Amiga)

Bis heute bin ich mir uneins darüber, was anno 1991 zu mehr Sprachlosigkeit führte: Die fabulöse Idee von Lemmings oder die Tatsache, dass sie ausgerechnet aus dem Hause Psygnosis kam, wo zuvor nur “dumpfe“ Actiontitel das Haus verließen. Ihr sollt bis zu hundert kleine Lemminge zum Ausgang dirigieren. Die sind leider strunz dumm, weshalb sie ohne eure Befehle nur von einer Wand zur nächsten und wieder zurück laufen. Als Ausgleich steht euch ein Kontingent an Jobs zur Verfügung, die ihr einzelnen Lemmingen aufdrücken könnt. So sind sie in der Lage, beispielsweise Brücken zu bauen oder einen Tunnel zu graben.

Allein diese indirekte Art der Steuerung macht(e) Lemmings zu etwas Besonderem. Zuvor gab es zwar bereits Titel wie Whistler’s Brother oder Magic Bytes Pink Panther, in denen ihr mit einer direkt steuerbaren Figur indirekt den Weg einer anderen ebnen musstet. Doch das Beherbergen von Dutzenden von kleinen Pixellemmingen unterscheidet sich dramatisch von diesen Vorläufern. Auch setzte Psygnosis die Grundidee nahezu perfekt in ein tolles Konzept um (siehe die durchdachten Berufsgruppen) und addierte mit die cleversten Levels, die je in einem Denk/Geschicklichkeitsspiel zu sehen waren.

1.Tetris (1984, Elektronika-60 / 1990, GameBoy)

Wenn es irgendeine absolute Nummer Eins in irgendeinem Bereich bezüglich irgendeiner Videospielthematik gibt, dann ist es Tetris mit seiner besten Spielidee aller Zeiten. Keine andere ist dermaßen simpel und zugleich dermaßen genial. Sie vertraut nicht im Geringsten auf das sonst so beliebte Thema “Action“ und hält sich selbst im Aspekt der Geschicklichkeit zurück. Hier geht es primär ums Denken und dies unter einem immer schwerer wiegenden Zeitdruck. Es gab auch kein Nicht-Computer basierendes Brettspiel, dass einen irgendwie an Tetris erinnern könnte – einzig vielleicht das leidliche Vollstopfen des Einkaufswagens, wenn ihr möglichst viel auf engstem Raum zusammenpressen müsst, ist im kleinsten aller Ansätze vergleichbar. Und in dem Fall verschwindet der Einkauf auch nicht, wenn ihr eine Reihe ausgefüllt habt – zum Glück.

Tetris hat einen enorm langen Weg hinter sich: In der ersten Version von 1984 war das Spiel nur für das russische Elektronika-60-System zugänglich und mangels Copyright-Richtlinien frei kopierbar. Erst 1986/1987 sicherte sich Spectrum Holobyte (die allgemeinen einen Riecher für fremdländische Ideen hatten, siehe Sokoban) die Rechte für Europa sowie Amerika. Es gab wohlwollende Kritiken, jedoch noch keinen frenetischen Jubel. Der stellte sich erst mit der GameBoy-Version von Bullet Proof ein: Tetris hatte als Spiel zum Mitnehmen seine ultimative Bestimmung gefunden, zudem das Timing, die Steuerung und der Multiplayer-Modus für eine der bis heute perfektesten Umsetzungen im programmiertechnischen Sinne sorgten.

In den 80er Jahren herrschte noch die Angst in den Köpfen, irgendwann würden die Russen kommen. Sie kamen und eroberten uns in der Tat – doch in einer Form, wie sie selbst Nostradamus nur schwer hätte deuten können…

Kommentare

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ScarfaceTony
von ScarfaceTony | 15.10.2011, 15:22 Uhr
die Stimme in meinem Kopf summt noch immer die Melodie von Tetris
Freud
von Freud | 12.10.2011, 19:17 Uhr
Schoener Artikel. Das Sentinel macht mich aber schon neugierig. Schon oft gehoert, doch nie gespielt. Hoert sich nach vielen Knoten im Hirn an.
und was heisst hier keiner kennt Pushover. Wie kann man die (teilweise) ratlos-genervte Ameise nur vergessen smile.gif
Metal_Bastinho
von Metal_Bastinho | 12.10.2011, 17:31 Uhr
Tetris war die bis heute beste Spielidee?
Ich hasse Tetris biggrin.gif

Das Tetris sogar heute noch, nach knapp 27 Jahren, so gehyped wird, ist mir unverständlich :/

3 Antworten:

19meiky84
von 19meiky84 | 12.10.2011, 18:00 Uhr
Ich finde es auch derbe übertrieben wink.gif
Freud
von Freud | 12.10.2011, 19:15 Uhr
Naja geklaut haben sie ja eigentlich nicht, haben die Erfinder/Entwickler ja gleich mitgenommen ^^

Edit: Verdammt das sollte eigentlich bei BuzzWoll drunter... aber wie ich sehe hat da Bomberpilot meine Meinung schon vertreten ^^
Bomberpilot
von Bomberpilot | 15.10.2011, 19:23 Uhr
@Freud "gefällt mir"
BuzzWoll
von BuzzWoll | 11.10.2011, 15:16 Uhr
Naja das kennen wir ja von Valve, dass die irgendwas klauen und dann in ihr spiel einbauen...

trotzdem sind sie meiner Meinung nach eines der besten Entwickler Studios überhaupt

3 Antworten:

19meiky84
von 19meiky84 | 12.10.2011, 04:49 Uhr
Kann ich zustimmen.....Valve gehört echt zu den Besten. Da kann man ja mal ein Auge zudrücken^^
Bomberpilot
von Bomberpilot | 12.10.2011, 12:43 Uhr
Die haben doch nichts geklaut?! Sie haben diese Typenmit ihrer Idee gesehn und dann eingestellt, wie es Valve oft macht.. Auch mit guten Moddern!
Valve klaut nichts.... wink.gif
19meiky84
von 19meiky84 | 12.10.2011, 16:21 Uhr
Nun gut =)
19meiky84
von 19meiky84 | 10.10.2011, 15:50 Uhr
Krass, einfach nur krass =) Tetris war schon immer ein guter Klassiker aber Platz 1? Auf jeden Fall ist dieser Artikel hier echt lobenswert und super zusammen gefasst wink.gif
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