
Wie vielleicht der eine oder andere von Euch bereits aus dem Forum weiß, lebe ich nicht nur mit meiner Freundin zusammen, sondern haben wir noch zwei weitere, tierische Mitbewohner. Die lieben Kater Rhamses und Penny-Wise. Die beiden sind wunderschöne Rassekatzen (Somalia und Maine Coon) und das Zusammenleben mit ihnen verläuft meistens äußerst harmonisch und friedlich. Denn ich bin ein ausgeglichener Mensch und kann deshalb so einigermaßen gut damit leben, wenn ich frühmorgens aufstehe und ab und an noch halbverschlafen barfuss in kalte Katzenkotze trete. Schließlich ist dies ein natürlicher Verdauungsvorgang bei den Tierchen und sie können ja nix dafür, dass sie immer wieder Haarknäuel hochwürgen. Es ist auch gar nicht so schlimm, wenn einer der Jungs nachts vor unserer geschlossenen Schlafzimmertür eine kleine Nachtmusik anstimmt. Denn obwohl ich über einen sehr leichten Schlaf verfüge, bin ich doch der Meinung, dass auch Tiere ihre künstlerische Ader ausleben müssen. Richtig süß ist es auch, dass der Somali Rhamses entweder auf mein Haarshampoo, mein Haargel oder auf die Kombination aus beidem steht und immer wieder mal die Gelegenheit nutzt, sich von der Couchlehne aus von hinten anzuschleichen und mir die Haare abzuschlecken. Es piekst zwar etwas, wenn er dabei meinen Kopf mit seinen Krallen zu sich ziehen möchte, aber dafür habe ich mir einmal mehr die Haarwäsche erspart. Und was macht es schon, dass unser Teppich eine halbe Stunde nach dem Saugen schon wieder übersät ist von Katzenhaaren? Denn wer kann was dafür, dass sie Halblanghaarkatzen sind und sich deswegen ständig im Raum verteilen? Wie gesagt, das Zusammenleben verläuft zumeist äußerst harmonisch.

Manchmal erscheint es aber wirklich so, dass Katzen im Allgemeinen oder unsere beiden Exemplare im Speziellen etwas gegen Technik haben. Insbesondere Computer- und Videospieltechnik scheint ihnen ein Dorn im Auge zu sein. Und allein darin sehe ich schon einen Beweis dafür, dass Katzen in Wirklichkeit intelligente Wesen sind. Denn während Penny-Wise sich meine Wenigkeit für seine Attentate ausgesucht hat, muss meine Freundin meist mit den Attacken von Rhamses leben. Es ist schon wirklich erstaunlich: Kaum nimmt sie an ihrem Schreibtisch Platz, um im Internet etwas nachzusehen, springt der eben noch komatös vor sich hin dösende Rhamses putzmunter auf den Schreibtisch und baut sich genau vor dem Bildschirm auf. Die Versuche, den Kater nach unten zu drücken und ihn so zum Sitzen zu bewegen, verlaufen quasi ohne Erfolg. Stattdessen duckt er sich unter ihrer Hand hinweg und schmust mit seinem kleinen Kopf in das Gesicht meiner Freundin. Alternativ jagt er auch ganz gerne mal den Mausanzeiger auf dem Bildschirm - was ja auch einen gewissen Charme versprüht, der allerdings beim hundertsten Mal etwas nachlässt. Würde meine Freundin vielleicht tatsächlich einmal sauer werden, schaut Rhamses sie mit leicht schräg gelegtem Kopf an und lässt einen kleinen süßen Maunzer aus seiner Kehle entweichen… wer kann bei solch einer ausgeklügelten Taktik schon wirklich böse mit dem Tier sein? Geht meine Freundin dann irgendwann vom Schreibtisch weg und setzt sich auf die Couch, um etwa eine Runde mit ihrem Nintendo DS zu spielen, folgt ihr Rhamses fröhlich, nur um sich zwischen ihr Gesicht und den Handheld zu zwängen. Ab und an kreist er auch um sie herum, d. h. er steigt an ihrer rechten Schulter hoch, läuft die Couch hinten entlang und klettert an der linken Schulter wieder herunter. So artet fast jede Spielsession in ein wahres Handicap-Match aus. Dies kann man natürlich positiv sehen …dadurch spielt man schließlich auf einer höheren Ebene als dem höchsten Schwierigkeitsgrad.

Wie erwähnt, hat Penny-Wise dagegen mich als Zielobjekt ausgewählt. Er ist ein Maine Coon, eine der größten Katzenrassen überhaupt. Unser Penny-Wise verfügt daher über ein Kampfgewicht von 6 Kilo und über eine Krallenlänge von 2 cm. Beide Zahlen mögen nicht nach viel klingen, aber dieser Meinung sind wohl nur Menschen, denen so ein Gewicht noch nie aus zwei Metern Höhe in den Schoß gefallen ist und dabei besagte Krallen auch noch in den Oberschenkel gejagt wurden. Ich möchte nun aber wirklich nicht behaupten, dass Penny-Wise bösartig wäre. Ganz im Gegenteil, er ist eine totale Blumenseele, die uns nie absichtlich wehtun würde. Er ist lediglich ab und an etwas schreckhaft und wenn er wo abrutscht oder ein lautes Geräusch ihn erschreckt, dann fährt er eben seine Krallen aus. Und dies ist leider nie wirklich angenehm.

Im Gegenteil. Wie unangenehm dies sein kann, verdeutlicht vielleicht folgendes Beispiel: Ich für meine Person gehöre zur Fraktion der Nacktschläfer (entschuldigt, wenn dies mehr Information über meine Person ist, als ihr je haben wolltet) und so kommt es eben auch vor, dass ich am Morgen im Adamskostüm durch die Wohnung wandele. Manchmal setzte ich mich dann einfach direkt so vor meinen Schreibtisch, um schon einmal meinen Laptop anzuschalten oder auch gleich nach dringend erwarteten E-Mails zu schauen. Nun ist Penny-Wise zumeist überaus erfreut, wenn er morgens einen seiner geliebten Menschen zu sehen bekommt. Er ist dann besonders anschmiegsam und versucht gleich, einem auf den Schoß zu springen. Er schleicht sich dabei so leise an, dass er mir normalerweise gar nicht auffällt. Und springt er dann hoch, kommt es schon einmal vor, dass er auf meiner nackten Haut ausrutscht oder die an den Laptop angeschlossene Surround-Anlage gerade in diesem Moment die Windows Startmelodie erschallen lässt. Wie dann diese Kombination aus erschrecktem Kater mit langen Krallen und meiner unbekleideten Wenigkeit (damit meine ich meine Person und nicht, was vielleicht der eine oder andere von Euch denkt) enden kann, möchte ich dann hier doch nicht weiter ausführen….

Doch ganz von Schuld möchte ich den lieben Penny-Wise auch nicht freisprechen. Manche seiner Verhaltensweisen deuten eindeutig auf ausgeklügelte Methoden hin. Wie bereits erwähnt, arbeite ich zumeist an einem Laptop. Und um manchen Schmuseattacken zu entgehen, ziehe ich immer öfter schon freiwillig von meinem Schreibtisch zum Wohnzimmer-Glastisch um und sitze dann statt auf dem ergonomischen Bürostuhl eben am Boden. Wenn dann der Kater statt meiner auf dem Stuhl Platz nimmt, scheint er schon einen gewissen überheblichen Gesichtsausdruck aufzulegen. Außerdem liebt er es auch, sich mit seiner ganzen Kraft und seinem ganzen Gewicht gegen meinen Handrücken zu drücken – meistens wenn ich etwa ein Gamepad oder ein Handheld in der Hand halte. Und genauso gerne hüpft er auf den TV-Tisch, wenn ich gerade im Kampf mit einem Endboss steckte… auch hier kann man dann wahrlich von Hardcore-Handicap-Games sprechen. Wenn ich nun noch erzähle, dass der Kater sogar über Elektrizität Bescheid weiß, wird mir dies sowieso keiner glauben. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass ich ihn einmal nachhaltig davon abgehalten habe, auf meinen Schoß zu springen – was mir heute noch ein schlechtes Gewissen bereitet, da ich in diesem Moment nicht einmal nackt vor dem Laptop saß (auch dies kommt vor). Penny-Wise verzog sich schmollend hinter meinen Laptop und ich dachte, ich hätte einen Sieg errungen. Aber mein Gefühl des Triumphs verflog in dem Moment, als sich gut 90 Minuten später mein Laptop mitten unterm Spielen ausschaltete. Zuerst war ich verwundert, doch stellte ich schnell fest, dass das Stromkabel meines Laptops nicht mehr eingesteckt war und der Akku sich nach und nach verbraucht hatte. Und ich war es bestimmt nicht, der das Kabel ausgesteckt hatte….

Was will ich Euch letztendlich damit sagen? Vielleicht einfach, dass wir alle unsere Haustiere respektieren sollten. Sie sind keine Gegenstände, die immer so reagieren, wie wir es gerne hätten. Wir Menschen sind es, die sich die Tiere ins traute Heim holen und haben damit nicht nur die Freude am Tier nach Hause geholt, sondern auch die Pflicht, uns um sie zu kümmern, ihnen Zeit zu widmen und ihre Persönlichkeit zu tolerieren, zu akzeptieren und zu respektieren. Wer dazu nicht bereit ist, sollte es bleiben lassen, denn die Tierheime sind voll von zurückgegebenen und ausgesetzten Spielzeugen, die nicht „funktionierten“, wie sie sollten. Ein echtes Tier ist schließlich kein Handheld-Game, sondern ein Lebewesen. In diesem Sinne wünsche ich allen Tierliebhabern unter Euch viel Spaß mit Euren Hunden, Katzen, Hasen, Mäusen oder was auch immer Ihr beherbergt. Und ich bin neugierig, ob Ihr vielleicht von ähnlichen Erlebnissen mit Tier und Technik erzählen könnt, wie sie meine Freundin und ich tagtäglich erleben.