Okay, ich mag mich täuschen, aber eigentlich schätze ich mich selbst als einen intelligenten und logikbegabten Menschen ein, der nicht alles glaubt, was er so hört, und durchaus oft und gerne eine gesunde Portion Skepsis an den Tag legt. Beispielsweise glaube ich es den Ölkonzernen nicht, dass es nur Zufall sein kann, wenn ausgerechnet einmal wieder vor verlängerten Wochenenden oder beginnenden Schulferien die Benzinpreise neue Rekordmarken erreichen. Ebenso bilde ich mir meine eigene Meinung, wenn trotz etlicher Dopingfälle der Profi-Radsport immer noch als eine saubere Angelegenheit gepriesen wird oder die Politiker einem ständig versichern, dass die Erhöhung der Abgeordneten-Diäten zwingend erforderlich sei. In einem Bereich zweifele ich aber irgendwie trotzdem an meinem gesunden Menschenverstand – und zwar wenn ich mich zuhause in meinem Wohnzimmer umsehe.
Was da alles herumsteht! Mein armer Fernseher muss nicht nur mit dem immer mehr zur Volksverdummung verkommenden TV-Programm klarkommen, sondern auch noch die Signale einer Wii, einer Xbox 360, einer PS3 und sogar eines Vista-PCs verarbeiten. Wer hat das alles gekauft? Wer hat das alles bezahlt? Etwa ich selbst? Ja, wenn ich genau überlege, kann ich mich schwach daran erinnern, wie ich von Endorphinen durchflutet zum wiederholten Male an der Ladentheke stehe und ohne ein Wimpernzucken meine EC-Karte ziehe. Eigentlich bin ich mir jedes Mal sicher, dass ich beim nächsten Mal nicht sofort zuschlagen werde, doch das ist in dem Moment egal, wenn mich die verführerischen Gedanken an ein gerade erschienenes Stück Hardware umschmeicheln und ich mir einbilde, die allerneuste Superduper-Konsole unbedingt haben zu müssen. Okay, als Spieletester hat man immerhin die Ausrede, dass man die Teile ja auch aus beruflichen Gründen braucht und man die Anschaffungskosten durch fleißiges Artikelschreiben abdämpfen kann (z.B. durch das Verfassen überflüssiger Kolumnen), doch diese fadenscheinigen Ausreden nehme ich mir nicht einmal selber ab.
Wenigstens schaffe ich es in Sachen Games mein Hirn zu aktivieren. Denn die Angaben über all die tollen Features und unglaublich innovativen Ideen, die uns die Publisher für quasi jeden neuen Rotz am Ärmel versprechen, glaube ich schon seit den Zeiten meines guten alten Master Systems nicht mehr. Denn neben den unzähligen Testexemplaren zu irgendwelchen osteuropäischen Billigprodukten ist mir meine restliche Zeit zu kostbar, um sie mit B-Ware zu verplempern. Da muss schon vernünftiges Spielefutter her, das mich wirklich kitzelt und mit dem man richtig Spaß hat. Da kommt Freude auf! Vorausgesetzt es macht keine Zicken.
Was für Zicken ich meine? Nun, vielleicht sind Euch folgende Gedanken auch nicht völlig fremd: „Hey, genial! Ich habe ja noch eine halbe Stunde Zeit bis ich aus dem Haus muss. Da könnt ich ja noch in das neue Metzel-Atze IV (Beispielname) reinschauen.“ Also schnell Spiele-DVD aus der Hülle gepopelt und ins PC-Laufwerk gelegt. „Na, was haben wir denn da? Ah, mein Freund, der altbekannte Windows Installer, der die Installation vorbereitet… und vorbereitet… und vorbereitet…. na, es geht doch schon weiter.“ Nun schnell die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ignoriert und akzeptiert und schon geht die Installation los. Vorausgesetzt, ich gebe den CD-Key ein. „Verdammt, wo steht der denn?“ Auf der Spiel-Verpackung nicht, im Handbuch auch nicht. „Verdammt!“ Ah, hier ist noch so ein kleiner Zettel, da drauf steht der Code. Also, schnell eingeben und nur nicht hetzen lassen, sonst vertippt man sich bloß. Geschafft! Wunderbar! Jetzt startet endlich die Installation. „Na, das dauert ja wieder…“, aber dies ist ja auch kein Wunder, denn es braucht halt ein wenig, bis 17.181.513 KB (geschätzte Angabe) von einer DVD auf die Festplatte meines PCs übertragen werden. Irgendwann hat man aber auch dies geschafft und verplempert nun nur noch ein, zwei Minuten, da man versehentlich vergessen hat, die Installation bzw. Überprüfung der DirectX-Version abzuschalten. „Mann, Mann, Mann!“ Doch auch dies geht vorbei und ich habe tatsächlich ein neues Icon auf meinem Desktop. Jetzt geht´s los! Jetzt bin ich nur noch einen Doppelklick von den neuen virtuellen Welten entfernt! Schon einmal die Grundstellung einnehmen (rechte Hand auf die Maus, linke Hand auf W, A, S, D). Die Spannung steigt! Was ist das? „Nein, ich möchte mich nicht registrieren! Ich brauch keine Insider-Infos und gebe meine Adresse nicht her! Und behaltet Eure Spams!“ Puh, es geht weiter. „Wie spät ist es eigentlich? Ach Du Sch…, vor fünf Minuten ging mein Bus!!“.
Nun könnte ich noch weiter ausholen und beispielsweise über Treiberprobleme und Gigabyte große Patches sinnieren, aber ich will nicht noch mehr Salz in die Wunde aller PC-Freunde schütten. Aber Fakt ist: Konsolen-Spieler haben es einfacher. Da legt man das Game einfach nur ein und legt los. Vorausgesetzt, es liegt nicht mal wieder eine Systemaktualisierung vor, was fast jedes Mal der Fall ist, wenn ich meine PS3 einschalte. Oder aktiviere ich sie nur so selten, da ich nach meinem emotionalen Sofortkauf zum EU-Launch auf wirklich genialen Spielenachschub warte? Egal, das ist ein anderes Thema… auf alle Fälle sind Konsolen einfach praktischer.
Vor allem, seitdem sie im Internet-Zeitalter angekommen sind und Games wie Two Worlds nicht mehr vernünftig programmiert werden müssen. Schließlich kann man nun auch die Festplatten der NextGen-Konsolen mit Patches zumüllen. Und dank der Online-Anbindung müssen Konsolenspieler auch nicht mehr neidisch auf die PC-Fraktion schielen, die regelmäßig mit Demos versorgt wird. Testversionen gibt es nun nämlich auch für Xbox 360 und PS3. Alles was ich dazu brauche ist ein Account, dann darf ich alles runterlanden. Ähm, das meiste. Denn alle Demos zu Games, bei denen wegen eines eingerissenen Zehnagels etwas Blut fließt, erscheinen gar nicht bei uns. Na egal, dann erstelle ich halt noch einen Account und gebe an, dass ich im europäischen Ausland wohne. Wie wäre es denn mit Barcelona? Na also, kurz als Enrique registriert und schon darf auch geballert werden. Ach je, dummerweise ist in den USA schon eine Demo erhältlich, die ich auch gerne hätte. Also, dann mach ich halt auch noch ein Benutzerkonto für Nordamerika (welche Postleitzahl hat New York gleich wieder?) und vielleicht sollte ich mich auch gleich auch noch als Takeshi aus Nagano registrieren. Zum Glück muss solch ein Aufwand nur noch im Playstation Network betrieben werden, denn auf dem Xbox Live Marketplace wurde inzwischen die Möglichkeit geschlossen, ausländische Accounts auf so einfache Art und Weise zu nutzen. Alles klinisch sauber und schön jugendfrei! Dies ist echt gemein, Du böse Xbox 360! Ach Du Schande, jetzt war ich zu grob! Ich habe vergessen, wie empfindsam doch meine (erste, zweite, dritte) Xbox 360 ist und nun zeigt sie mir mal wieder die rote Karte in Form eines rot beleuchteten Ringes an der Front.
Aber jetzt lasse ich meine Frotzeleien lieber mal wieder bleiben, denn an dieser Stelle wird es wohl langsam Zeit, ein paar entscheidende Fragen zu stellen: Warum gebe ich überhaupt Geld für Konsolen und Spiele aus? Warum verschwende ich meine Zeit mit der Installation von Games? Warum sitze ich stundenlang mit einem Pad in der Hand auf dem Sofa? Und warum in Gottes Namen ist überhaupt dieser Text entstanden? Nun, die letzte Frage wurde bereits im zweiten Absatz beantwortet, als es um die Abdämpfung von Anschaffungskosten ging. Zu allen anderen Fragen lautet meine Antwort: Weil es Spaß macht! So einfach ist das. Ich füttere nun einmal gerne mein Kind im Manne mit neuem Stoff. Ich tauche gerne mal in andere Welten ab, sei es passiv bei Filmen oder Büchern oder etwas aktiver in Videospielen. Und auch wenn man viel Ärger mit seinen Hightech-Spielzeugen haben kann, ist es doch umso schöner, wenn ich sie trotzdem zum Laufen bringe und sie schließlich doch das machen, was ich will! Und mit diesen Gründen stehe ich sicherlich nicht allein da; dies bestätigt mir ein Blick in jedes x-beliebige Spiele- oder auch Hardware-Forum.
Wie bei allen Dingen im Leben muss man aber natürlich das richtige Maß finden. Auch wenn man es mir nach meinen Ausführungen vielleicht nicht glaubt, behaupte ich trotzdem, ich bin kein Freak. Mein Leben besteht nicht nur aus virtuellen Welten, ich verschulde mich nicht wegen meines Technik-Ticks und ich nutze meine Zeit genauso für andere Hobbys, für meine Freunde und natürlich für meine kleine Familie (eine Frau, zwei Katzen). Außerdem kann ich über andere (wichtigere) Dinge anregende Gespräche führen, als nur über die wunderbare Welt der Videogames. Ich hoffe doch sehr, dies trifft auch auf meine Leserschaft zu. Und, tut es das?