Das ist die perfekte Jahreszeit. Schneesturm-Warnungen, Frostbeulen, grausiges Eis, düstere Wolken, sporadisch auftauchende Sonne. Umgangssprachlich wird dies Winter genannt. Schon vor Monaten verabschiedete sich der Sommer und bis zu seiner Rückkehr verbringen wir unsere Freizeit vorzugsweise in den eigenen vier Wänden, sind wir doch schon zu alt für Schneemann bauen und Schlitten fahren, oder? Weihnachten liegt schon längst hinter uns, trotzdem schlürfen wir Glühwein oder heiße Schokolade. Und wo am liebsten? Richtig, vor dem Rechner, an der Konsole. Egal wie erbarmungslos die winterliche Kälte ist, endlich haben wir die Möglichkeit, all die vielen Spiele des letzten Jahres in Ruhe zu genießen oder gar Revue passieren zu lassen.
Faulenzend auf der Couch liegen, die PSP oder den NDS in der Hand – und das ohne schlechtes Gewissen. Was sollte man sonst tun bei diesem ungemütlichen Schnee? Jetzt habe ich Zeit für stundenlanges Zocken, für actionreiche Nächte. Hey, ist es Winter, da kann ich mir diese Idylle wirklich mal leisten. Niemand nimmt es mir übel, wenn ich hin und wieder als Antwort gebe: „Du, heute mal nicht. Es ist doch so kalt draußen“. Die frostige Jahreszeit ist schon toll. Während ich aus dem Fenster schaue, sehe ich dick bekleidete Menschen durch den Schnee waten, nebenbei installiere ich irgendeinen Shooter aus irgendeiner Spielezeitschrift. Wären es 30 Grad Wärme und Mädels würden in sexy kurzen Röcken vorbei laufen – ich würde mich fragen, warum ich bei genialem Wetter zu Hause sitze. Nur gut, dass jetzt Winter ist.
Und heizen muss ich meine Wohnung auch nicht mehr. Seit ich meine Xbox 360 habe, brauche ich nur 2-3 Stündchen Need for Speed Most Wanted spielen und schon kann ich halbnackt auf dem Sofa in erotischen Posen daliegen. Fein, stören tut es auch niemanden. Es ist nun mal Winter, da kann ich mir das erlauben.
Benebelt vom Glühwein versuche ich, noch einen anderen Shooter von einer anderen Spielezeitschrift zu installieren. Es ist Nachmittag und wäre es Sommer, ich hätte mir ganz sicher nicht so viel Glühwein gegönnt. Ich merke, dass meine Reaktionen in diesem Zustand zu schlecht für Action sind und entscheide mich für irgendein Strategiespiel. Ich schaue aus dem Fenster. Die unheimliche Dunkelheit. Das spärliche Licht wird vom Schnee reflektiert und noch immer kämpfen sich Menschen durch die weiße Gefahr. Ich sitze da, in meinem behaglichen Zimmer, leicht bekleidetet, angetrunken und nicht mehr in der Lage, irgendwas zu spielen. Ja, der Winter ist grandios.
Plötzlich ein Geräusch. Ist es etwa der fiese Schneemann, der mich hinauszerren und dann einseifen will? Nein, zum Glück steht meine Freundin an der Tür. Sie schaut mich schockiert an und fragt: „Was machst Du da?“ Ich lalle: „Isch spielllle, es ischt doohoch Winda...“. Es gibt Tage, da sehne ich mir den Frühling herbei.....