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Kolumne: Junkie hilft alter Oma: Junkie hilft alter Oma

  14.09.2005   0 Kommentare   4869 Klicks
Kolumne: Junkie hilft alter Oma 0,0 0

Als ich kürzlich in einem Supermarkt die üblichen Dinge eines Internet-Junkies kaufte (Kaugummi gegen Zigarettensucht, Zigaretten gegen Kaugummisucht), vernahm ich das Rufen einer Frau. Eine Seniorin, schätzungsweise Mitte 80, graues Haar, edle Brille, typische Oma-Kleidung, lag fast auf dem Boden und wurde hilfsbedürftig von einer jüngeren Dame asiatischer Herkunft festgehalten. Zwei Frauen um die 50 eilten herbei, um die Seniorin zu stützen und sie auf eine Art Tisch zu hieven. Ich stand kurzzeitig da, zugegeben irritiert von der Situation. Was tun? Ich hetzte zum naheliegenden Bäckerei-Stand und sagte, man solle den Notarzt rufen. Eine andere Hilfe-Leisterin schrie nach einem Glas Wasser; ich forderte eine Supermarkt-Verkäuferin auf, einen Stuhl zu holen. Langsam kam die schrullige Oma wieder zu Bewusstsein. Kurze Zeit hatte ich Angst, wie damals beim Zivildienst jemanden live beim Sterben zuschauen zu müssen. Zum Glück ging es ihr schnell wieder besser, sie konnte etwas am Wasserglas nippen und gemeinsam mit einer anderen Frau schob ich sie auf den zuvor gebrachten Stuhl.

Was mich im Nachhinein wunderte: Nur „ältere“ Frauen waren sofort bereit, irgendwie zu helfen – vor allem junge Menschen standen kurz da, ignorierten das Geschehen, wandten sich ab oder starrten nur dumm, bevor sie weiter eilten. Leute in meinem Alter waren es, die lieber am Nachmittag ihr „Cola-Bier-Mix“ tranken, anstatt jemanden zu helfen, der wirklich Hilfe benötigt. Die jungen Mädels, zugegeben nicht stark genug, um die Oma zu stützen, blickten auf ihre frisch erworbenen Frauenzeitschriften, als mal zu schauen, was in ihrem Umfeld passiert – als würden sie lieber ihr Blondinen-Klischee erfüllen wollen.

Zwangsläufig drängten sich mir die Fragen auf: „Wie kann es sein, dass einem der Tod des eigenen Charakters z.B. in einem Online-Rollenspiel mehr zusetzt, als eine hilfsbedürftige Oma, die ihrer Schwäche fast zum Opfer fällt? Kann es sein, dass ein Spiel interessanter, spannender oder wichtiger ist als das eigene Umfeld – da, wo man lebt? Klar, ich möchte den dort anwesenden jungen Passanten und Käufern nicht unterstellen, sie seien durch Spiele so geworden wie sie sich verhalten haben (was auch völliger Unsinn wäre), aber für mich war es doch auch eine Selbstverständlichkeit, irgendwie zu helfen – egal ob ich eine große oder kleine Bereicherung in dieser Situation sein würde.

Was ich mir nur für die Zukunft wünsche: Sollte ich noch einmal in eine solche Situation kommen, dann wäre es schön, wenn man nicht auf so viel Gleichgültigkeit bei den anderen Menschen stößt und dass sie sich genauso viele Gedanken um eine Person machen, die sie nicht kennen. Es kostet nicht viel Aufwand, aber man tut etwas Gutes – und das ist nicht nur etwas für das eigene Ego, sondern eine Bereicherung für unsere Gesellschaft, die nur noch auf Egoismus und eigene Vorteile ausgelegt ist. Ich hoffe auf eine bessere Zeit, denn wenn ich einmal Hilfe benötige, freue ich mich auch über jemanden, der mir zur Seite steht.

Habt ihr ähnliches erlebt, Menschen in der Not geholfen? Über Kommentare oder Erfahrungen in unserem Forum bzw. unter diesem Text freue ich mich sehr.

Kommentare

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Cardman
von Cardman | 27.11.2007, 19:21 Uhr
wenn ich seh das da schon leute sin dan geh ich nich extra noch hin.Ich wüsst ja gar nich was ich machen sollte und deshalb seh ich lieber ned im weg rum^^.Aber echt die anderen wissen vieleicht wenigstens was man da machen kann wenn einfach jemand umkippt HOHO Cardman
Darks
von Darks | 18.05.2006, 13:22 Uhr
Du hast das richtige getan ich finde auch junge Leute sollten mehr helfen:D:D:D
JR_germany06
von JR_germany06 | 07.04.2006, 17:21 Uhr
immer wenn ich im bus ältere leute treffe und keine anderen plätze frei sind frag ich die ob sie sich setzen wollen:D:werdrot:cool
Phil05
von Phil05 | 04.01.2006, 14:39 Uhr
8o8o ... Was soll man dazu sagen? Erst einmal: Gute Reaktion von dir. Ich weiss ja auch nicht wie es war. Aber ich muss sagen ich habe eher positive Erfahrungen gemacht, z.B. als eine alte Dame bei uns in der Schule auf der Eisbahn von irgendwelchen Jungs ausrutschte. Alle eilten herbei (wobei sich hinterher der Großteil in einem Kreis um die Dame scharrte) und halfen. Das einzigste Ding ist natürlich wie sollen 20 Leute einer Person helfen? Ich denke da kann man nichts mehr machen. Evtl. war es bei vielen im Supermarkt so. Wenn ich z.B. Sehe da liegt eine Oma bewusstlos auf einem Tisch und da stehen 8 Leute rum, dann würde ich auch höchstens anfragen ob alles in Ordnung ist. Denn der Frau scheint ja geholfen zu sein. Naja wer die Dame allerdings umfallen sieht und schnell zurück in seine Zeitschrift blickt, der sollte sich wirklich schämen. Es ist natürlich selbstverständlich und klar das man hilft wo man kann, zumindest wenn man so erzogen wurde wie ich. Mit dem Rohrstock... ;) nee quatsch.
Hannes
von Hannes | 04.11.2005, 17:21 Uhr
Sven, du bist ja ein richtiger Philosoph... Ich glaube wenn jemand miterlebt wie ein "echter" Mensch stirbt, wird er begreifen wie unwichtig dagegen sein Held irgendeines Rollenspieles ist. Allerdings finde ich diese Situation die du beschrieben hast auch etwas seltsam. Ich würde meinen, dass die umstehenden Leute das Geschehen nicht ignorieren, sondern viel mehr mit großen Augen da stehen und schockiert die bewusstlose Person anstarren ohne selbst zu helfen. :(
chrush
von chrush | 24.09.2005, 16:16 Uhr
ist bei mir immer so gewesen, dass in solchen situationen schon ein paar leute da waren, von denen man nur angekackt wird, wenn man helfen will... zu viele köche.... aber wenn ich der erste oder einzige sein sollte, der so etwas bemerkt, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich helfen kann.... am wollen liegts nicht
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