Schenkt man den unzähligen Studien, Meinungsumfragen, Brancheninsidern, Börsen-Experten und natürlich dem Einzelhandel Glauben, tragen wir eine gewaltige Mitschuld an der wenig rosigen Zukunft Deutschlands. Und als sei dies nicht schon tragisch genug, ist neuerdings die Bundestagswahl auch noch verantwortlich für den zurückhaltenden Konsum, also den nun seltener stattfindenden Shopping-Aktivitäten eines jeden einzelnen. Gamesmarkt, übrigens konsequenter Verbreiter solcher Studien, schrieb kürzlich, dass die Wahlen und das bis jetzt unklare politische Ergebnis zu einem schlechten „Konsumklima“ geführt haben. Auch die Einkommenserwartung – sicher für den Handel – sei gesunken, genauso die Anschaffungsneigung, die sich wohl auf uns bezieht. Zusammen gefasst: Wir kaufen zu wenig und schaden dem Wirtschaftswachstum.
Lustig wird es nur dann, wenn man weiter blickt. Sind wir als Menschen nur noch zum Konsumieren da? Stehen wir am Rande der Gesellschaft, wenn wir plötzlich nicht mehr so viel kaufen, weil wir einfach bereits alles besitzen, was wir uns leisten können? Sollen wir uns verschulden bzw. Kredite anhäufen, damit wir wieder fleißig KAUFEN können; eine Bereicherung für die Gesellschaft sind und Politik wie Wirtschaft befriedigen? Das Reduzieren auf unser Geld – was wir vielleicht besitzen – nimmt ohnehin dramatische Züge an. Wer nicht auf Shoppingtour geht, setzt sich der Gefahr aus, irgendwann im Kreuzfeuer politischer und wirtschaftlicher Debatten zu landen, um dann gezielt mit einem Schuss in den Kopf hingerichtet zu werden. Konkret würde das heißen: Entlassungen, steigende Arbeitslosigkeit und natürlich das Ende des deutschen Wohlstandes.
In der Theorie bleibt nur noch der soziale Gedanke: Wer kein Geld besitzt, kann nicht konsumieren. Wer um seine Zukunft fürchtet, wird nicht wahllos kaufen. Wer entlassen wurde, wird sich hüten, jemals wieder Produkte des ehemaligen Brötchengebers zu erwerben. Sämtliche Unternehmen in Deutschland tragen eine Verantwortung – für die Menschen, die sie nicht nur beschäftigen, sondern auch mit ihren Gütern versorgen. Wer auf Arbeitnehmer verzichtet, obwohl schwarze Zahlen geschrieben werden, braucht sich nicht über eine sinkende Konsumfreudigkeit wundern. Wer ins Ausland abwandert, kann nicht damit rechnen, langfristig mit seinen Waren Geld in Deutschland zu verdienen.
Kurzum sei gesagt: Die Zukunft für eine steigende „Binnennachfrage“ liegt nicht allein in den Händen der Menschen – oder wie man sie gerne nennt: Konsumenten. Dass man uns mit Kampagnen wie „Du bist Deutschland“ klarmachen will, dass alles besser ist, als es in der Realität aussehen mag, verdeutlicht die falsche Annahme der Wirtschaft. Denn das Volk ist nicht nur ein dummer Haufen, der zum Geldausgeben da ist. Wer mit Propaganda in Form von Studien oder der besagten „Deutschland“-Kampagne versucht, Menschen zu manipulieren, kann die Wirtschaftslage hierzulande sogar gefährden. Aber natürlich: „Du bist Deutschland“ soll ja nur zeigen, dass in jedem einzelnen von uns mehr steckt, als es den Anschein hat. Kann man aus uns also noch mehr Geld rausholen, indem man einfach die Angst vor der Zukunft aus den Köpfen entfernt? Fakt ist doch, dass diese Aktion von großen Medien-Unternehmen initiiert wurde und jede wirtschaftlich arbeitende Institution mehr verfolgt als nur einen sozial lobenswerten Gedanken zu verbreiten.
Subjektive Meinung hin oder her – KAUFT mehr Spiele und tut etwas für unsere gebeutelte Wirtschaft. Wenigstens könnt ihr euch sicher sein, dass ihr mit guten Spielen mehr Spaß habt als die Politiker mit ihren nie endenden Diskussionen über die Zukunft der Republik. Und wenn ihr schon arbeitslos seid: Bestens, dann investiert eurer Arbeitslosengeld gleich wieder in die Wirtschaft, denn zu mehr seid ihr eh nicht zu gebrauchen. Wenn ihr nicht dieser Meinung seid, dann seid ihr eben Deutschland.
Dieser Text kann ironische Sätze beinhalten..