Allgemein gesehen
Wer von uns kennt nicht den Satz „Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters“? Damit lässt sich gut beschreiben, dass an sich recht eindeutige Taten oder Werke von verschiedenen Personen völlig unterschiedlich aufgefasst werden können und sich somit jede Person eine ganz eigene subjektive Meinung - sprich Wahrheit - bildet. Und diese Meinung kann oft dazu führen, dass die Objektivität zu einem bestimmten Thema verloren geht und man diese nicht mehr wirklich aufbringen kann. Das ist normalerweise nur allzu menschlich, aber nicht immer unbedingt nachvollziehbar oder tolerierbar. Beispielsweise wenn es um das empfindliche und komplexe Thema Killerspiele bzw. die Berichterstattung darüber geht.
Was haben wir Spieler in den letzten Monaten oder gar Jahren doch darüber geschimpft, wie einseitig und schlecht von den Medien über die sogenannten Killerspiele berichtet wird. Zu Wort kamen dabei fast immer nur die Gegner solcher Games, wie etwa der allseits bekannte Dr. Christian Pfeiffer des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Von Seiten der Entwickler oder Publisher wurde dagegen kein Statement eingeholt. Und was regen wir uns doch immer wieder darüber auf, wenn sich (zumeist konservative) Politiker zu diesem Thema vor der Kamera produzieren, obwohl sie sich mit ziemlicher Sicherheit noch niemals wirklich damit auseinandergesetzt haben, sondern blind und blauäugig einfach alles nachplappern, was man bereits zuvor in den Medien zu sehen und zu hören bekommen hat.
Dabei stellt sich aber schon die Frage, ob denn jeder Kritikpunkt auch wirklich unberechtigt ist. Haben Politiker, Eltern und Nachrichtenmagazine nicht das Recht, etwa die Frage zu stellen „Warum muss soviel Gewalt in Computerspielen sein?“. Oder: „Wieso wird die Gewalt in Spielen immer realistischer dargestellt?“ „Lässt der regelmäßige Konsum solcher Inhalte einen mit der Zeit nicht doch abstumpfen?“ Solche Fragen sind für unsereins natürlich unbequem, weswegen wir vielleicht wiederrum nur zu gerne den Kopf in den Sand stecken und alle solche Fragen von vornherein mit „Purer Schwachsinn“ abwehren.
Und hier wären wir wieder bei der Wahrheit und der subjektiven Wahrnehmung. Es ist ja verständlich, dass einzelne Spieler für Kritik nicht empfänglich sind und diese einfach abtun, doch darf dies auch die Redaktion eines Spiele-Magazins? Sind wir nur das öffentliche Instrument der verärgerten Spieler und ist es unsere Aufgabe, diesem Ärger einseitig und lautstark Luft zu machen? Oder wären wir durch so ein Verhalten letztendlich nicht besser und genauso fanatisch wie mancher Befürworter eines Killerspielverbots? Ich persönlich sehe es zumindest wie folgt: Wenn ich mich auf das niedrige Niveau stumpfsinniger Schwätzer begebe, bin ich doch letztendlich selbst einer von ihnen. Und daher versuche ich zumindest, sachlich und mit Fakten zu kontern, um billige Meinungsmache damit auszubremsen. Nun, diese Meinung muss nicht von jedem Schreiberling in der Branche ebenso gesehen werden. Ich behaupte nicht, dass ich die „einzige Wahrheit“ kenne. Aber ich würde mir zumindest so viel Objektivität erhoffen, dass Kollegen erkennen, wenn sich auf der Seite der bösen Spielverderber etwas tut und dementsprechend auch darauf eingegangen wird.
Der Stein des Anstoßes
Beispielsweise sendete das ZDF gestern Abend im Rahmen des Nachrichtenmagazins „heute journal“ den Beitrag „Brutale Computerspieler – Forscher warnen“. Der Beitrag stammt von Herrn Rainer Fromm, der bereits als eindeutiger Spielekritiker bekannt ist. Und einmal mehr hat er in seinem Beitrag sehr einseitig seine Meinung vertreten und auch ein paar Wahrheiten so stark hingebogen und verdreht, damit sie ins Sendekonzept passten. Aber es waren auch ein paar Aussagen mit dabei, die zumindest zum Nachdenken anregen könnten. Und was passiert: Einige unserer Kollegen haben sich auf diesen Beitrag gestürzt und unter Schlagzeilen wie „ZDF hetzt erneut gegen Killerspiele“ fast jeden einzelnen Satz und jede einzelne Szene aus dem Bericht von Herrn Fromm auseinandergenommen.
Soweit, so gut. Allerdings war das Thema Computerspiele damit für das „heute journal“ noch nicht erledigt. Denn anschließend folgte der Beitrag „Counterstrike als Mannschaftssport“, in dem eine Gruppe von E-Sportlern als das dargestellt wurde, was sie auch tatsächlich sind: Keine blassen, weltfremden PC-Freaks, sondern einfach nur junge Menschen mit Spaß an einem bestimmten Hobby. Doch dieser Beitrag fand bei unseren Kollegen nur in einem Nebensatz Erwähnung. Wahrscheinlich, weil sich damit das ZDF nicht mehr ganz so einfach als „einseitiger Hetzer“ hinstellen ließen. Und dass heute journal-Moderator Steffen Seibert später anprangerte, dass es in der Bevölkerung viele Vorurteile über Computerspieler gebe, die so nicht stimmten und dass man eigentlich sehr viel öfter und differenzierter über das Thema berichten müsste, fand bei unseren lieben Kollegen überhaupt keine Erwähnung.
Wie gesagt: Wir finden nicht alles schön, was das ZDF gestern ausgestrahlt hat. Manches davon war tatsächlich sehr reißerisch. Aber wir erkennen an, dass beide Beiträge einige gute Inhalte zu bieten hatten und wir freuen uns, dass das ZDF versucht hat, sowohl die Seite der Gegner als auch der Fans von Computerspielen zu Wort kommen zu lassen. Traurig finden wir es dagegen, dass dies nun wiederrum von Leuten aus unserer Branche ignoriert wurde, um stattdessen mit einer hetzerischen Überschrift die Klickzahlen zu erhöhen und mit einem recht aggressiv und sehr einseitig verfassten Artikel Meinungsmache zu betreiben. Mit solch unvollständigen Informationen lässt sich ganz sicher kein konstruktiver Dialog vorantreiben, sondern sorgt nur dafür, dass sich die Leser/Spieler noch weiter in ihre Abwehrhaltung zurückziehen.
Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr sagen, sondern lasse stattdessen ganz einfach die Tatsachen für sich sprechen. Und zwar in Form der beiden oben genannten Beiträge. Diese lassen sich nämlich ganz einfach in der Mediathek des ZDF heraussuchen, was auch unsere Kollegen mit ein wenig Recherche hätten herausfinden können. Und somit hätte sie ihren Lesern die Möglichkeit geben können, sich selbst eine Meinung zu den beiden Berichten zu bilden, anstatt nur die eigene vorgefertigte Anschauung kundzutun. Finden könnt ihr die ZDF-Berichterstattungen unter diesen Links:
- Brutale Computerspiele – Forscher warnen
- Counterstrike als Mannschaftssport
Ach ja, eine Frage hätte ich doch noch: Und zwar direkt an Euch. Welche Form der Berichterstattung bevorzugt Ihr eigentlich?