Dam – dam – dada – dam – dam – dada
Gebrandmarkt: Tom Cruise spielt wieder Ethan Hunt.
Einmal gehört, geht einem das Thema aus Mission: Impossible nie mehr aus dem Kopf. Die Kult-TV-Serie der 60er Jahre ist inzwischen auch im Kino zur ewig fortgesetzten Reihe mutiert. Dabei sind sich die ersten drei Teile nur oberflächlich ähnlich, Tom “Ethan Hunt“ Cruise sei Dank. Doch von Art und Aufmachung her gibt es einige starke Unterschiede, was an den verschiedenen Regisseuren Brian De Palma, John Woo sowie J.J. Abrams liegt. Auch für Phantom Protokoll stieg ein Neuling in den Regiestuhl, und zwar ein ganz besonderer: Niemand anders als Brad Bird, der zuvor mit Iron Giant, The Incredibles und Ratatouille ganz ohne menschliche Darsteller auskam, gibt hier sein Realfilm-Debüt – und das ist gar nicht übel ausgefallen.
Achtung, mittelschwere Spoiler, die jedoch keinen versierten Filmkenner von den Socken hauen dürften: Diesmal muss die gesamte Welt gerettet werden. Ein größenwahnsinniger Russe, der den Frieden auf Erden mithilfe eines säubernden Nuklearkrieges erzwingen will, macht Stress. Und Ethan Hunt ist mitten drin. Bei einem vermeintlichen Standard-Auftrag geht nämlich einiges schief und nebenbei explodiert der halbe Kreml. Schuld bekommen die Amis sowie IMF (zu der Ethan Hunt gehört) speziell, weshalb dort das Phantom Protokoll ausgerufen wird. Dieses besagt: Die Einheit wird aufgelöst. Hunt ist somit auf sich alleine gestellt – nun ja, nicht ganz: Er bekommt mit Jane Carter (Paula Patton), Benji Dunn (Simon Pegg) und Brandt (Jeremy Renner) drei Verbündete, mit denen er die drohende Katastrophe verhindern vermag.
Oder darf ich gleich sagen: Verhindern tut? Denn es ist klar, dass am Ende dann doch nicht der Erdball im nuklearen Feuer unter geht. Ein Quasi-Happy-End ist vorprogrammiert und einige Wendungen wirken durchaus bemüht, weil der versierte Filmkenner sie meilenweit gegen den Wind riecht. Nein, die Grundstory ist durchschnittlich bis langweilig – dafür stimmt der Rest.
Viel Spielzeug
Waghalsige Stunts inklusive.
Ähnlich wie der dritte Mission: Impossible lebt dieser Film von ein paar richtig clever in Szene gesetzten…äh… Szenen. Allein der Prolog, in dem Ethan Hunt aus einem russischen Gefängnis ausbricht, wirkt regelrecht verspielt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Cruise grazil wie eine Ballerina über eine Reling nach der anderen hopst? Auch später stimmt die Action-Choreographie und im Showdown wird fast mehr Ping-Pong gespielt als gekämpft. Schläge, Tritte, Sprünge und Schnitte sind so perfekt aufeinander abgestimmt sind, dass sie mehr einem Disney-Zeichentrickfilm der 40er Jahre anstatt einer glaubwürdig vermittelten Realität gleichen. Zum Glück sitzen wir im Kinosaal und haben deshalb trotzdem unseren Spaß. Weil es einfach schick aussieht.
Am meisten gefällt mir der Einsatz der Gadget-Abteilung: Allein wie Hunt gemeinsam mit Dunn in den Kreml eindringen, sorgte bei der Pressevorführung für einige wohlwollende Lacher. Ähnliches gilt für eine ganz besondere Kletteraktion zur Mitte des Filmes, auch weil hier die Dialoge erstaunlich witzig geschrieben sind. Spätestens zu diesem Zeitpunkt läuft Simon Pegg als lustiger Sidekick zur Höchstform auf, während er noch in der Anfangsphase mit seinem albernen Rumgehabe dezent nervt. Womit wir bei einem weiteren Plus von Phantom Protokoll wären: Der Film wird eher besser als schlechter. Der Abschluss ist zwar sehr berechenbar, wirkt aber rund. Dies gilt auch für das “Liebesdrama“ des Films, wobei dieses passenderweise nur am Rande vorkommt.
Filmkritik
Somit ist Phantom Protokoll wahrlich keine Revolution, aber eine gute Weiterführung einer Serie, die mir überhaupt bislang überraschend gut gefällt. Zugegeben: Beim zweiten lag es mehr an dem Mädel, mit dem ich damals im Kino saß. Aber Scherz beiseite: Die Mischung aus Action und Witz passt, Tom Cruise ist anscheinend noch fit genug für die Rolle und die Sidekicks, speziell Simon Pegg sowie Jeremy Renner, eine passende Begleiterscheinung. Brad Bird zeigt, dass er Helden nicht nur am Zeichenbrett dirigieren kann, sondern auch für ein paar richtig gut getimte Realszenen Talent besitzt. So kann es ruhig weiter gehen und ich freu mich weiterhin ähnlich auf einen neuen M:I-Streifen wie auf den guten, alten James Bond.