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Kolumne: Politik, Brot und (Killer-)Spiele: Politik, Brot und (Killer-)Spiele

  18.11.2005   0 Kommentare   5454 Klicks
Kolumne: Politik, Brot und (Killer-)Spiele 0,0 0

Ich kann es nicht oft genug sagen: Wenn Politik nur Probleme und nicht deren Ursachen sehen will, sind jegliche Diskussion darüber zum Scheitern verurteilt. Ein gutes Beispiel ist einmal wieder das leidige Thema „Killerspiele“. Ich kann es nicht mehr hören, wie unsachlich unsere „gewählten Volksvertreter“ labern und sich sämtliche Medien – auch namhafte Zeitungen und Magazine – auf diese Äußerungen stürzen wie Geier auf ein totes Stück Tier. Kein Wunder, wenn sich Politik und Presse gegenseitig hoch schaukeln und ein nebensächlich im Koalitionsvertrag erwähnter Punkt plötzlich ganz weit oben auf der Liste der zu erledigenden Dinge steht.

Politiker wie Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) müssen sich zu Themen äußern, von denen sie offenbar keine Ahnung haben. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung meinte die Dame, dass „menschenverachtende Spiele“ schon bald aus dem Verkehr gezogen werden sollen, außerdem hätte das System der USK nicht funktioniert. Weiß Däubler-Gmelin auch, dass man indizierte Spiele hierzulande nicht kaufen kann, wenn man 12 Jahre alt ist? Welche Argumente sprechen dafür, dass etwas nicht klappt? Erst mal populistische Sprüche ablassen und dann schauen, was die Presse daraus macht? Den Spießbürgern, die Games nur vom Hörensagen kennen, wird schon gefallen, was sie da hören.

Auch Maria Böhmer, stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, ist wahrscheinlich eine besorgte Mutter, die sich sogar mit Jugendlichen unterhalten hat. Sie kommt schnell auf den Punkt und fasst den Kern sogenannter „Killerspiele“ zusammen: „Zerstöre alles bis auf dich selbst, und das ist schon eine Botschaft, die bedeutet, dass Gewalt hier eingeübt wird, imitiert wird“. Sie hält es für besonders wichtig, „Killerspiele“ zu verbieten, kann aber wenigstens etwas über den blutverschmierten Tellerrand blicken, denn sie stellt auch fest, dass man schon verstärkt in Schulen und Kindergärten versuchen muss, „Jugendliche auf den Umgang mit Medien“ vorzubereiten.

Doch ist es sinnvoll, wenn sich Politiker und Medien ständig auf „Killerspiele“-Debatten einlassen, sich darüber streiten, was überhaupt ein „Killerspiel“ ist und nicht gewillt oder in der Lage sind, sich wirklich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen? Ich verlange eine vernünftige Auseinandersetzung mit Spielen, die wohlmöglich eine Gefahr für die Jugend und Menschen sein könnten. Doch dann bitteschön unparteiisch, konstruktiv und am besten unabhängig von wirtschaftlichen Interessen. „Wissenschaftliche Studien“ von irgendwelchen Spieleherstellern sind genauso wenig nützlich wie Äußerungen von Politikern, die den Bezug zur Realität verloren haben.

Ein Lichtblick könnte hier trotzdem ein CDU-Landtagsabgeordneter sein. Thomas Jarzombek kritisierte kürzlich den Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU/CSU, denn das geplante Verbot von „Killerspielen“ sei absurd, würden die betroffenen Spiele schließlich eine 18er-Einstufung erhalten bzw. gleich indiziert werden. Seiner Meinung nach funktioniert das Zusammenspiel aus USK und BpJM hervorragend und die Ursache für Gewalt seien die sozialen Probleme. "Die Gewaltbereitschaft wird da geschürt, wo Kinder sich selbst am Computer überlassen werden, und niemand da ist, der die im Spiel entstandenen Emotionen auffängt. Man sollte besser solche Eltern statt der Spiele verbieten.". Recht hat er. Und mit seinen 32 Jahren dürfte er wohl noch verstehen, was Spiele sind, wozu sie dienen und dass es nicht klug ist, einfach so provozierende Äußerungen von sich zu geben, die einen Teil der Bevölkerung ( also der Wähler!) betreffen.

Um wieder zum eigentlichen Ausgangspunkt zu kommen - nach wie vor gilt: Ursachen finden bzw. bekämpfen und nicht nur nach Schuldigen für vorhandene Probleme suchen. Wer „Killerspiele“ für soziale Missstände verantwortlich macht, hat in der Politik nichts zu suchen bzw. sollte sich nicht zu diesem Thema äußern. Schlaue Sprüche kann ich auch von mir geben – nur macht es nicht immer und überall Sinn, besonders dann nicht, wenn ich absolut keine Ahnung von einer Sache habe. Aber hey, vielleicht denke ich, zu "Killerspielen" etwas sagen zu können, obwohl ich keinen Plan hab?

Links und Quellen zur Problematik „Killerspiele“

- Spiegel.de: ´Koalition will Killerspiele verbieten´ - Spiegel.de: ´Unionspolitikerin bekräftigt Verbotsforderung´ - Gamestar: ´Was sind Killerspiele?´ - PC Games: ´CDU zu Killerspielen´ - Sueddeutsche.de: ´Menschenverachtende Spiele´

Kommentare

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PapstBenedikt
von PapstBenedikt | 26.06.2006, 19:30 Uhr
Ach Mensch! Diese dämlichen politiker! Keine Ahnung von nix haben aber *chrrrmm*"Brutale Spiele" verbieten das können sie!:teufel Bsp: GTA San Andreas ist ab 16, Call of Duty 1+2 sind ab 18! Es is doch be*****en(tschuldigung für den Ausdruck:-/) das GTA, dass um Welten brutaler ist als CoD nicht so hart indiziert wird!:teufel Ich kann es jetzt noch kaum fassen! Aber es is egal, ich kauf mir meine Spiele eh in Polen(Es ist günstiger, ich krieg Original-Ware und es wird nicht so hart indiziert):D
JR_germany06
von JR_germany06 | 02.06.2006, 15:18 Uhr
das bedeutet, dass die spiele, damit sie in deutschland erlaubt werden, die österreicher genau die selben spiele bekommen
JR_germany06
von JR_germany06 | 07.04.2006, 17:31 Uhr
at Gothik bei den meisten spielefrmen sind Deutschland, Österreich ein Gebiet, eben alle deutschsprachigen Länder. Deshalb werden alle spiele auch in Österreich lizensiert, die in deutschland lizensiert werden
Varde
von Varde | 04.01.2006, 18:25 Uhr
Nach meiner Meinung handeln die völlig übertrieben. Sie(könten) uns zwingen mit ner Waffe in der Hnad in den Krieg ziehen und dort auf reale Leute zu schiesen aber das stört ja niemanden lieber die "brutalen" Gmes verbieten :(
Nick
von Nick | 30.12.2005, 13:43 Uhr
Frage:Werden in Österreich auch Spiele indieziert oder zumindest genauso viele in unseren -schuldige- Kaff?
YodaWarrior
von YodaWarrior | 18.11.2005, 14:41 Uhr
Wenn die sich wenigstens mit Leuten beraten würden, die Ahnung davon haben...aber auf die linkspartei wegen Populismus schimpfen...
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