Story mit neuen Charakteren

Lange Zeit war es ruhig um die Comics aus dem Resident Evil-Universum, die letzte deutsche Veröffentlichung liegt nämlich schon knapp eine Dekade zurück. Letztes Jahr wurden in den USA eine sechsteilige Miniserie mit frischen Charakteren veröffentlicht, welche jetzt auch als Sammelband in Deutschland zu bekommen ist. Die zwei Hauptcharaktere “Mina Gere“ und “Holiday Sugarman“ gehen auf den ersten Seiten des Bandes zunächst unterschiedlichen Aufträgen nach. Die Bioterrorism Security Assessment Alliance, kurz BSAA, schickt Gere auf die internationale Raumstation, zu der nicht nur der Kontakt abgebrochen ist, sondern auf der auch Biowaffen vermutet werden. Der Verdacht bestätigt sich schnell und Gere hat alle Hände voll zu tun, um die Station zu säubern. Dummerweise hat sich ein Satellit abgesetzt, welcher voll gepackt mit Virenproben um die Erde kreist. Am Ende stürzt das Ding natürlich auf unseren Planeten und es wird jemand losgeschickt, um zum einen die Überreste des Satelliten zu bergen und zum anderen eventuell vorhandene wie daraus hervorgegangen Biowaffen zu eliminieren.
Hier kommt Sugarman ins Spiel, der mit seinem Team zur Absturzstelle geschickt wird und auf eine ganze Horde von Zombies trifft. Diese scheinen aber nicht die “normalen“ T-Virus Zombies aus dem Hause Umbrella zu sein, denn alle haben eine Art Implantat im Hinterkopf. Sugarman führt unter hohen Verlusten seinen Auftrag aus und bringt die Reste des Wracks zum Hauptquartier. Darin finden sich Hinweise auf den Ursprung, welche direkt zu Giesel Industries führen. Die BSAA stellt ein neues Team zusammen um der Sache nachzugehen. So treffen Gere und Sugarman aufeinander und stürzten sich zunächst wenig begeistert voneinander in die neue Mission.
Stereotypen
Autor Ricardo Sanches setzt in seiner Story auf neue Elemente und führt nicht nur neue Charaktere ein, sondern auch Schauplätze sowie einen neuen Bösewicht. Am Anfang werden zwei Erzählstränge in unterschiedliche Zeiten aufgebaut, welche anschließend zusammenfließen. Die Story hat einen guten Spannungsbogen und bietet gegen Ende auch ein paar Überraschungen für den Leser. Insgesamt wird nicht viel aus dem Resident-Evil-Universum aufgegriffen - was man als Vorteil auslegen kann, da es sich um etwas Neues handelt, oder eher als Nachteil sieht, weil der Bezug zu den Spielen mehr verloren geht. Natürlich gibt es Anspielungen auf verschiedene Ereignisse, wie zum Beispiel die Säuberung von Racoon City, aber Fans sollten nicht zu viel erwarten. Dagegen haben natürlich Leser, die nicht alle Teile gespielt haben, kein Problem der Geschichte zu folgen. Bei den Charakteren wird auf klassische Stereotypen zurückgegriffen: Die junge unerfahrene Agentin tritt gemeinsam mit dem alten, robusten Hasen eine Mission an. Zuerst mögen die beiden sich nicht, doch im Verlauf der Handlung verstehen sie sich immer besser und lernen die Fähigkeiten des anderen zu schätzen. Also altbekanntes.
Der Newcomer ist besser
In der Serie, die hierzulande als kompletter Band erschienen ist, waren gleich zwei Zeichner beteiligt, wobei jeder Künstler je drei Hefte bearbeitet hat. Die ersten drei Ausgaben stammen von Kevin Sharpe - ein echter Comic Veteran, der schon seit Jahren im Geschäft ist und für allerlei bedeutende Serien gearbeitet hat. Sein klarer und direkter Stil ist bekannt wie geschätzt in der Szene. Nachteil ist, dass es massive Ähnlichkeiten zu seinen anderen Arbeiten, wie zum Beispiel zu Green Lantern oder G.I. Joe, gibt. Der zweite Zeichner im Bund ist ein echter Newcomer namens Jheremy Raapack. Der 21-jährige war, bevor er für die großen US-Verlage arbeitete, für einen kleinen brasilianischen Verleger tätig und ist ganz frisch in der Branche. Sein Stil hebt sich deutlich von dem Sharpes ab. Er ist deutlich verspielter, detaillierter und hat einen etwas “dreckigen“ Look. Dabei setzt er einen recht feinen Strich an. Mir persönlich haben seine Zeichnungen deutlich besser gefallen als die der Comic Legende.
Fazit
Resident Evil - Die Geisel kann sowohl von Fans der Spiele als auch von denen des Zombie und Horror-Genre gelesen werden. Beide werden gut unterhalten, denn die Story ist nicht ganz so vorhersehbar wie man zunächst denkt. Das Zurückgreifen des Autors auf die Stereotypen des Anfängers und des alten Hasen wirkt allerdings ziemlich abgenutzt - hier hätte man sich sicherlich etwas Innovativeres einfallen lassen können. Der Spannungsbogen dagegen passt. Auf den letzten Seiten des Bandes findet sich noch eine Covergalerie und ein kleiner Lebenslauf der beiden Hauptcharakter Gere und Sugarman, so wie ein paar Inforamtion zu BSAA.
Zur Leseprobe
Resident Evi – Die Geisel von Ricardo Sanches, Kevin Sharpe und Jheremy Raapack erscheint mit 148 Seiten im Sofcover bei Panini Comics. Preis: 16,95 Euro.