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Kolumne: Sind DemoNews-Leser dumm?: Sind DemoNews-Leser dumm?

  14.01.2006   0 Kommentare   4336 Klicks
Kolumne: Sind DemoNews-Leser dumm? 0,0 0

Halt! Stop! Bevor Ihr uns nun auf immer und ewig beleidigt seid, möchte ich mich gleich als allererstes bei Euch entschuldigen. Natürlich sind die DemoNews-Leser nicht dumm (sondern die besten User der Welt!!) Doch ich hoffe, ich habe mit dieser Überschrift erreicht, was ich erreichen wollte: Nämlich Eure Aufmerksamkeit gewinnen. Dies wird in unserer heutigen Zeit nämlich immer schwerer.

Kolumne: Sind DemoNews-Leser dumm?Wir leben in einer Welt der Reizüberflutung. Von Morgens, wenn der Radiowecker losgeht, bis Abends, wenn wir die Konsole, den PC oder einfach nur den Fernseher ausschalten, werden wir von Bildern, Informationen und Schallwellen nur so attackiert. Dies führt soweit, dass wir nicht mehr zu Ruhe kommen und nicht mehr mit Ruhe umgehen können. Wir leiden unter Schlaflosigkeit und so kommt es, dass sich mancher Single CDs mit Umgebungsgeräuschen kauft, um nicht allein mit der Stille zu sein. Auf der anderen Seite ist diese ständige Reizüberflutung Stress für den Körper und wir sind gar nicht mehr in der Lage, diese Reize zu verarbeiten. In den meisten Fällen wirkt die betroffene Person gereizt, reagiert aggressiv oder ermüdet sehr rasch. Werden unsere Augen, Ohren oder auch die Nase weiterhin diesen Wahrnehmungen ausgesetzt, führt dies häufig zu Konzentrationsschwäche, Realitätsverlust oder Hyperaktivität.

Dies macht es für Unternehmen schwierig, ihre Produkte aus der Masse der Konkurrenz herauszuheben. Wie schafft man es, dass der Kunde auf einen aufmerksam wird und wie erreicht man, dass sich der potentielle Käufer nachhaltig an das Produkt erinnert? In der Spiele-Industrie scheint man darauf verschiedene Antworten gefunden zu haben. Alles muss größer, schneller und besser werden. Die Hersteller von Grafikchips bringen in immer kürzeren Abständen neue Karten für das „ultimative Spielerlebnis“ auf den Markt. Spiele werden nicht an innovativen Ideen, sondern an der Grafik gemessen. Dies beweist beispielsweise eine Umfrage, die wir kürzlich bei DemoNews durchgeführt haben. Von 754 Befragten waren 48,3% der Meinung, dass die Grafik-Wertung eines Spieletests sehr wichtig sei. Nur 12,1% denken, der Text des Tests wäre von größerer Bedeutung und immerhin 15,3% meinten, das Fazit wäre wichtiger.

Was kann man daraus folgern? Zum Beispiel, dass wir überhaupt keine Zeit, keine Lust oder auch gar nicht mehr die Fähigkeit haben, uns länger mit einer (geschriebenen) Sache zu beschäftigen. Warum das Fazit oder gar den ganzen Text lesen, wenn ich doch eine einfache Zahl als Grundlage hernehmen kann? Ähnliches fällt mir zunehmend in den Kommentaren unserer Leser auf. Dort tauchen Fragen auf wie „Kommt das Game auch für PC?“, „Wann kommt das Spiel?“, „Worum geht es darin überhaupt?“. Alles legitime Fragen, die meist allerdings bereits im Text selbst oder in einer älteren News zu einem Spiel beantwortet werden. Man müsste sich nur die Mühe machen, den Text genau zu lesen oder die Liste der älteren News zu überfliegen, dann würden sich viele Fragen von selbst erledigen. Doch in der Hektik und dem Stress des Alltags gehen auch diese Informationen wohl spurlos an manchen unserer User vorbei. Dies ist nicht Dummheit, sondern die bereits oben angesprochene Reizüberflutung und die fehlende Fähigkeit, Reize bzw. Inhalte zu verarbeiten.

Kolumne: Sind DemoNews-Leser dumm?Vielleicht müssen wir deshalb mit ständigen Fortsetzungen und Spielen aus den immergleichen Genres leben. Beim x-ten Tomb Raider-Spiel muss ich die Hauptfigur nicht mehr kennen lernen. Ich weiß, wer Lara Croft ist und was sie in dem Game zu tun hat. Beim x-ten Shooter muss ich nicht großartig überlegen, denn sie laufen meist nach dem gleichen Prinzip ab und bringen kaum eine relevante Hintergrundgeschichte mit sich, mit der man sich beschäftigen müsste. Auf der einen Seite wünscht man sich zwar mehr Abwechslung, auf der anderen Seite hat man gar nicht die Lust, sich mit etwas Neuem auseinanderzusetzen. Die Spiele-Industrie weiß dies natürlich und gibt neuen Ideen kaum eine Chance, da sie ein Risiko darstellen. Außerdem macht man sich zunehmend weniger die Mühe, den Spielern ein Game mit einer längeren Spielzeit als 10 – 20 Stunden zu präsentieren. Warum auch? Bei der Masse der Games hat man eh kaum noch Zeit, sich wirklich mit einem Spiel länger zu beschäftigen. Es kommen schließlich ständig spektakuläre (bzw. spektakulär präsentierte) Spiele auf den Markt.

Wir von der Spielepresse fördern dies natürlich auch. Aber seien wir mal ehrlich: Wer würde unsere Website schon besuchen, wenn sie eine schlichte HTML-Page ohne Grafiken wäre? Auch wir müssen es schaffen, Eure Reize anzusprechen. Sei es durch attraktive Banner, buntes Design oder – wie in diesem Artikel – durch markante Überschriften. Sex, Gewalt und Provokation klappen hier genauso gut wie im TV (z.B. durch Personen wie Ingo Appelt), im Zeitschriftenhandel (nach wie vor ist BILD das meist gelesene Tagesblatt) oder in Videogames. Blut muss fließen, Körperteile müssen abgetrennt werden, Autos müssen zu Schrott gefahren werden können und Frauen müssen XXL-Brüste vorweisen, dann ist der Erfolg (zum Glück nicht immer, aber immer öfter) garantiert.

Vielleicht sollten wir uns manchmal einfach zurücklehnen und uns überlegen, was uns wirklich wichtig ist. Braucht man tatsächlich ständig den neuesten Shooter und die neueste Konsole? Kauft man sich manche Spiele vielleicht nur des Hypes oder gar der Gewohnheit wegen? Sollte ich mir vielleicht die Zeit und Mühe machen, einer innovative Spielidee oder beispielsweise einem informativen Artikel meine Aufmerksamkeit zu widmen? Und vor allem: Sollte ich vielleicht manchmal nicht einfach alle Geräte um mich herum ausschalten und mich nur einem ganz besonderen Menschen widmen - nämlich mir selbst? Oder sind zwei Stunden nur mit Euch ohne jegliche Ablenkung so unvorstellbar? Ich hoffe nicht.

Kommentare

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Master_of_Disaster
von Master_of_Disaster | 01.09.2008, 18:50 Uhr
ganz deiner Meinung
Darks
von Darks | 01.06.2006, 13:45 Uhr
ich finde demonews leser sind die schlausten bildet doch weiter das alles zu lesen
Agrotimor
von Agrotimor | 19.04.2006, 00:40 Uhr
Das selbe Problem tritt auch in vielen Linux-Foren auf - mit Linux muss man sich (unter Umständen) auch beschäftigen, Forenbeiträge lesen, Handbücher lesen, wichtige von unwichtigen Infos trennen usw. Dazu sind aber die meisten - wie dieser Artikel belegt - nicht mehr in der Lage. Was nicht sofort Befriedigung bringt wird weggeworfen. Dass ein nach längerem Überlegen gelöstes Problem/durchgezocktes Spiel viel mehr Spaß macht, ist egal.
JR_germany06
von JR_germany06 | 07.04.2006, 17:16 Uhr
ik wis net, ob ik doooooooooooooooof bi vo de:( :D:D:D
JaySniperD
von JaySniperD | 04.02.2006, 10:13 Uhr
Ich gehöre glücklicherweise zu jener Gruppe, die sich von dem Ganzen distanzieren kann. Für mich zählen Dinge wie Grafik und der ganze Mist nicht. Ich spiele sogar immernoch Super Nintendo und GameBoy ;) Da stimmt die Qualität der Spiele größtenteils noch. Was ich auf dem PC spiele, entfernt sich auch weit von der Masse. Ein Spiel muß mir Spaß machen. Und das tut es nicht, indem es gut aussieht. Aber, ich gehöre ja auch nicht zu den 08/15 Spielern. :p - Und jetzt geh ich weiter Thief2X zocken... ^-^
Rapsfeld
von Rapsfeld | 16.01.2006, 14:24 Uhr
Ich glaube es ist einfach so, das heute keiner mehr die zeit dafür hat, naja, also mehr schaffen will, wenn jetzt z.B. zwei Reviews rauskommen, dann les ich nicht von beiden den ganzen Testn sondern nur das Fazit, denn ich will ja auch noch wissen wie das andere Spiel ist, und dann vieleicht auch noch tausend andere sachen.
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