Roland Emmerich ist ein Garant für den Weltuntergang. Egal ob “Independence Day”, “The Day After Tomorrow” oder jetzt “2012” – am Ende liegt alles in Trümmern. Inhaltlich funktioniert in seinen Filmen dagegen alles nach dem Baukastenprinzip. Glücklicherweise gibt es aber noch die Tricktechniker.
Die Story
2009 erfährt die amerikanische Regierung von dem Wissenschaftler Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor), dass in ein paar Jahren der Weltuntergang bevorsteht – ganz genau so, wie es die Mayas vorausgesagt haben. Mächtige Sonneneruptionen werden dafür sorgen, dass sich der Erdkern erhitzt und zahlreiche Erdbeben und Flutwellen auslöst. Dermaßen gewarnt arbeiten Forscher aus der ganzen Welt an der Rettung der Menschheit.
2012: Der erfolglose Science-Fiction-Autor Jackson Curtis (John Cusack) fährt mit seinen beiden Kindern zum Familienausflug in den Yellowstone-Nationalpark und entdeckt dort eine geheime Militärbasis. Gleichzeitig läuft ihm auch der durchgeknallte Wissenschaftler und Radiomoderator Charlie Frost (Woody Harrelson) über den Weg, und der weiß Unglaubliches zu berichten: Das Ende ist nah und nur die Reichen werden überleben. Zunächst ist Curtis skeptisch, doch spätestens als hinter ihm Los Angeles im Erdboden versinkt, überlegt er es sich anders. Zusammen mit seinen Kindern, seiner Ex-Frau und deren Freund rennt, fährt und fliegt er bald um sein Leben.
Alles wie gehabt
Wer nur einen Katastrophenfilm aus den 70er gesehen hat, erfährt hier Deja vu – Erlebnisse ohne Ende: Eine Familie, die sich wieder versöhnt, Wissenschaftler, denen keiner glaubt, und tränenreiche Abschiede. In Emmerichs Story gibt es nichts, was man nicht schon etliche Male zuvor gesehen hat. Gestandene Mimen wie John Cusack („Zimmer 1408“) oder Danny Glover („Lethal Weapon“) machen nur Dienst nach Vorschrift. Lediglich Woody Harrelson („Natural Born Killers“) spielt sie als kauziger Verschwörungsfanatiker alle an die Wand.
Hinweise auf die Maya-Prophezeiung beschränken sich auf das Nötigste: Es gibt sie eben – Basta. Anders als „The Day after Tomorrow“, der eine deutliche Öko-Botschaft hatte, bildet hier die Mystik nur den spekulativen Teppich für die altbekannte Botschaft von Liebe, Vertrauen und Selbstaufopferung. Aber deswegen wird man sich diesen Film sowieso nicht ansehen.
Effekte-Overkill
Die eigentlichen Hauptdarsteller sind – wie könnte es anders sein – die Spezialeffekte. Erdbeben, Stürme oder Tsunamis wurden noch nie so spektakulär und überzeugend dargestellt. Ein Erdbeben zerstört Los Angeles, der Yellowstone-Nationalpark geht in einem riesigen Vulkanausbruch zu Grunde und ein Flugzeugträger stürzt (!) auf das Weiße Haus. Über die Hälfte des Films besteht aus Spezialeffekten. „Viele Dinge, die wir jetzt getan haben, wären vor ein paar Jahren gar nicht möglich gewesen“, so Marc Weigert, Koproduzent und Visual Super Effects Supervisor. Für die Zerstörung von Los Angeles wurde dafür sogar ein gigantischer Blue-Screen gebaut, 180 Meter lang und 12 Meter hoch. Am Ende waren fast 1000 Menschen nur an den Effekten beteiligt und ein Petabyte Daten auf den Rechnern gerendert.
Szenen aus dem Film
Imposante Szenen zeigt auch der aktuelle Trailer zum Kinofilm...
Kritik
„2012“ lässt „Transformers 2“ wie Handpuppentheater aussehen – zumindest was die Effekte anbelangt. Dagegen ist die Story bestenfalls Mittelmaß. Action, ein paar altbekannte Lebensweisheiten und ordentlich Pathos. Das alles ist in der ersten Hälfte sogar unterhaltsam und dank der Action verzeiht man auch die teilweise unglaublichen Zufälle, mit denen die Geschichte notdürftig zusammengehalten wird. Doch dann tritt die Handlung auf der Stelle und die Action-Sequenzen wiederholen sich. Schade um die an sich guten Schauspieler wie John Cusack oder Woody Harrelson, die wahrscheinlich nur mitmachten, um ihren nächsten kleinen Film zu finanzieren.
Wer auf Effekte steht und die teilweisen absurden Storywendungen verschmerzen kann, darf sich über zwei Stunden anspruchslose Unterhaltung freuen. Der Rest darf nicht meckern, denn schon auf dem Filmplakat steht: „Wir waren gewarnt“. „2012“ will auch nicht mehr sein – ein altmodischer Katastrophenfilm mit atemberaubenden Effekten.