Rollende Köpfe, vor Schweiß glänzende Muskelmänner und Babyskelette, die in einem Massengrab gestapelt werden – es ist schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz Regisseur Zack Snyder seine Version von Frank Millers Kult-Comic „300“ in die Kinos schickt und auf politische Korrektheit pfeift. Der Film an sich ist schon jetzt ein Ereignis an der Kinokasse. Über 70 Millionen Dollar Einspielergebnis am ersten Wochenende in den USA zeigen deutlich, was die Zuschauer davon halten. „300“ ist der erste große Filmhit des Jahres, überrascht ähnlich wie „Matrix“ und setzt neue Maßstäbe für die Action-Filme der nächsten Jahre.
Die Story

Die Handlung spielt ca. 480 v. Chr. Der Perserkönig Xerxes zieht mordend und brandschatzend durch die Lande. Sein riesiges Heer besteht dabei nahezu aus allen Völkern des östlichen Erdteils, dem sich nichts und niemand in den Weg stellen kann oder will. Nur das kleine Sparta und sein König Leonidas leisten Widerstand. Er erkennt die Bedrohung für sein Volk und stellt sich ungeachtet der mangelnden Unterstützung durch den eigenen Senat mit seinen 300 Elitesoldaten zum Kampf. Bei einer kleinen Felsschlucht, den Thermopylen, kommt es zur entscheidenden Schlacht gegen das übermächtige Heer des Xerxes. Doch der Feind lauert auch in der Heimat und so muss sich auch Leonidas Frau und Königin mit den Verrätern in den eigenen Reihen auseinandersetzen. Die Geschichte dieser 300 Spartaner ist heute Teil der Weltgeschichte. Sie wurde vom griechischen Historiker Herodot überliefert und zählt heute zu einer der wichtigsten Schlachten um Freiheit und Demokratie, beides Werte, die in Griechenland geboren wurden. Für Frank Miller bildet die Schlacht der 300 sogar „die Quintessenz unserer westlichen Zivilisation.“
Hack&Slay

So weit so gut, doch Zack Snyder interessieren weniger Realismus oder die politischen Zusammenhänge, sondern eher das brutale Schlachtengetümmel. Sein antikes Zeitgemälde verbindet die Handlung von Millers Graphic Novel mit zeitgemäßer Action vor einer grandiosen Computerkulisse. Begleitet von bombastischen Orchesterklängen spritzen die Blutfontänen der gefallenen Krieger und die Leichenberge stapeln sich wie man es in einem Hollywood-Blockbuster wohl nur selten gesehen hat. Für intellektuelle Zwischentöne bleibt da wenig Platz. Mit Ausnahme von einigen Szenen im heimischen Sparta, spielt „300“ nur auf dem Schlachtfeld und erzählt von dem heroischen Kampf der Spartaner gegen den übermächtigen Gegner. Vor allem dieser Aspekt faszinierte Snyder an der spartanischen Kriegerkaste: „Ihr Selbstverständnis gründet sich auf Opferbereitschaft und Freiheitsliebe.“ Die Geschichte um Leonidas letzte Schlacht für Freiheit, Ruhm und Ehre wird so zu einem Mythos voller Pathos verklärt, allerdings auch ohne jede Spur von Ironie, garniert mit grandiosen Kampfszenen.
… aber bitte mit Stil
Beeindruckend ist neben der SloMo-Action vor allem die Kulisse. Es gibt kaum Originalbauten, fast alles wurde vor einem Blue-Screen gedreht und zusätzlich wurde jede Einstellung digital nachbearbeitet. Die Technik erinnert nicht von ungefähr an Robert Rodriguez „Sin City“, stammt die Vorlage doch auch aus Frank Millers Feder. Doch im Gegensatz zu diesem Film-Noir-Spektakel lässt sich Snyder lediglich vom Comic inspirieren, die Bilder findet er selbst. Es ist vor allem die Liebe zum Detail, die „300“ von anderen Comic-Verfilmungen und Blockbustern unterscheidet. Jede Geste, jedes Wort und jede Szene wird von Snyder zelebriert. Ihm gelingt es sogar durch wenige Szenen die Liebesgeschichte zwischen Leonidas und seiner Frau Gorgo glaubwürdig in die martialische Handlung einzubetten.
Kein Genuss ohne Reue
Trotzdem ist und bleibt „300“ ein zwiespältiger Genuss, denn die spartanischen Superkrieger und die gezeigte Ästhetik erinnern an die Durchhalteparolen und den Körperkult der Nationalsozialisten. So ist es nicht verwunderlich, dass der Film Kritiker und Zuschauer entzweit. Für die einen ist „300“ eben das beschriebene furioses Action-Gelage und für die anderen ist „300“ ein faschistoides Machwerk über Ruhm und Ehre. Dank der knackigen Muskelberge sehen renommierte Zeitschriften wie der „Spiegel“ in dem Film sogar einen „Schwulenporno“, andere einen der ersten Filme für die „Killerspielgeneration“. Jeder Zuschauer muss für sich selbst entscheiden, ob er sich von Snyders bombastischen Schlachtenepos gefangen nehmen lässt oder nicht. Mit Sicherheit wird „300“ aber den Look des Action-Genres nachhaltig prägen, alle anderen müssen sich daran messen lassen.
Spiele zum Film
Passend zum Kinostart von „300“ hat Eidos ein Action-Adventure für Sonys PSP im Angebot, welches sich inhaltlich sowohl an dem Comic als auch am Film orientiert. Als König Leonidas führt man 300 spartanische Krieger in den Kampf gegen das gewaltige Heer des Perserkönigs. „300 – March to Glory”, so der Name des Titels, setzt ebenfalls auf intensive Gewaltdarstellungen, doch auch strategische Elemente sollen für Tiefgang sorgen.
Wer dagegen auf ein interaktives Abenteuer für andere Plattformen hofft, wird sich noch einige Zeit gedulden müssen. Das Filmstudios Legendary Pictures plant gemeinsam mit einem der ausführenden Produzenten von „300“ ein PC-Spiel. Ob dieses jemals das Licht der Spielewelt erblicken wird, ist gegenwärtig noch nicht bekannt.
Weitere Infos zu 300
- Webseite zum Kinofilm ´300´ - Webseite zum Spiel ´300 - March to Glory´ - International Movie Database: ´300´