Es ist das Jahr der Comic-Helden. Erst Iron Man, dann Hulk und jetzt Batman. Der dunkle Ritter schlägt sie aber alle. Wenn „The Dark Knight“ Mitte August endlich in Deutschland anläuft, wird er wahrscheinlich in den USA den Klassiker „Star Wars“ vom zweiten Platz der ewigen Kinohitliste verdrängt haben. Trotzdem wird der Film in Deutschland einen schweren Stand haben, denn der Vorläufer „Batman Begins“ konnte hierzulande noch nicht einmal eine Million Zuschauer ins Kino locken.
Düster und morbide
Den Deutschen war „Batman Begins“ einfach zu düster. Kein knallbunter Poptrash wie „Batman und Robin“, sondern eine Reise in das dunkle Herz eines gebrochenen Helden. Ein Kulturschock für ein Land, in dem Superhelden nur metrosexuelle Psychopathen in engen Höschen sind. Diese Vorurteil kümmert Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan wenig und er geht bei „The Dark Knight“ sogar noch einen Schritt weiter. Nur mit einem wesentlichen Unterschied, denn Christian Bale als Batman ist lediglich der Stichwortgeber für einen grandiosen Heath Ledger als Joker. Das Ergebnis: Kaum ein Mainstream-Blockbuster ist so düster und abgrundtief morbide wie „The Dark Knight“. In seiner Konsequenz vielleicht nur vergleichbar mit „Sieben“.
Neue Helden braucht die Stadt
Die Story: Batman alias Milliardär Bruce Wayne ist amtsmüde. Zu viel Gewalt und zu viel Korruption in Gotham City haben ihn mürbe gemacht. Da passt es gut, dass Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhardt) rücksichtslos und erfolgreich gegen das Verbrechen vorgeht. Außerdem hat er sich Waynes Ex-Freundin Rachel Dawes (Maggies Gyllenhaal) geangelt, die Wayne noch immer liebt. Wegen ihr will der Milliardär auch seine Geheimidentität für immer aufgeben, doch da macht ein neuer Gangster die Stadt unsicher: Der Joker. Brutal und sadistisch bahnt er sich seinen Weg an die Macht und selbst das organisierte Verbrechen zittert vor ihm. Keiner kann ihn aufhalten und Batman muss sich wieder in sein Kostüm schwingen und Gotham City retten.
Spannend und spektakulär
Das klingt nach formelhafter Hollywood-Action und das ist es oft auch. Ein Held, geächtet von der Gesellschaft, riskiert selbstlos sein Leben, um ebendiese zu retten. Dazu gibt es noch eine hübsche Frau für die das Kämpfen lohnt, einen strammen Rivalen und einen hinterhältigen Bösewicht. Regisseur Nolan garniert diesen simplen Plot mit allen Zutaten des großen Hollywood-Blockbusters. Es gibt atemberaubende Verfolgungsjagden, rasante Kamerafahrten und spektakuläre Spezialeffekte, denen man jeden Cent des 180-Millionen-Dollar-Budgets ansieht. Allerdings auch typisch Blockbuster: die lange Spielzeit. Zweieinhalb Stunden sind dann doch etwas zu lang und die pathetischen Moralappelle von Waynes Butler Alfred strapazieren die Geduld des Zuschauers. Trotzdem – Nolan hat immer noch einen fiesen Plot-Twist parat, der die Spannung kontinuierlich steigert.
„Warum so ernsthaft?“
Großes Kino wird der Film aber erst durch Heath Ledger als Joker. Zynisch betrachtet hat der Drogentod des Schauspielers die PR-Maschine des Films beflügelt und natürlich stellt sich ein mulmiges Gefühl ein, wenn der Joker aus einem Leichensack steigt. Das alles soll aber nicht von der Leistung Ledgers ablenken. Sobald er auf der Leinwand erscheint, werden seine Mitspieler zu Statisten. Ledgers Joker ist ein selbstmordgefährdeter Psychopath, dessen innere Zerrissenheit nicht nur sein entstelltes Gesicht widerspiegelt. Warum der Joker so wurde, wie er ist, wird nie deutlich und das macht die Figur für den Zuschauer nicht greifbar. Dieser Joker ist ein Monster, bei dem man ständig vor Unglaube den Kopf schüttelt und denkt: „Nein, das macht er nicht wirklich, das traut sich nicht“. Ledger macht es trotzdem. Wenn es Filmrollen gibt, die Schauspieler zu Legenden werden lassen, dann diese.
Fazit
Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan bringt das Kunststück fertig und überzeugt Mainstream-Publikum und Filmkritik gleichermaßen. Der spektakulären Action und den originellen Storywendungen steht ein düsteres Gesellschaftsbild gegenüber, in der Moral und Gerechtigkeit ständig in Frage gestellt werden. Unterstützt von einem brillianten Heath Ledger als Joker unterhält und verstört der Film den Zuschauer über weite Strecken. Andere Schauspieler sind dabei nur Staffage. Die konsequente Darstellung und das morbide Flair von Figuren und Handlung werden zwar einige Zuschauer verschrecken, doch denen entgeht eines der Filmhighlights des Jahres. „The Dark Knight“ ist für das Superhelden-Genre das, was „Schweigen der Lämmer“ für das Horror-Genre war: spannendes Genre-Kino mit Anspruch. Fortsetzung erwünscht.