Wir Menschen brauchen Helden. Große, kleine, dicke, grüne oder einfach nur starke Kämpfer, die mutig das Böse bekämpfen. Sie sind die Vorbilder, nach denen wir uns sehnen und nur zu gern übernehmen wir im Spiel gerne ihre Rolle. Die Legende von Beowulf, einem nordischen Krieger, ist eine der ältesten angelsächsischen Heldensagen überhaupt und geht zurück bis ins 5. Jh. n. Chr. Robert Zemeckis, der Regisseur solch unterschiedlicher Filme wie „Zurück in die Zukunft“, aber auch „Der Polarexpress“, hat nun die fiktive Lebensgeschichte dieses Helden verfilmt. Herausgekommen ist dabei eine packende, manchmal ziemlich brutale Fantasy-Story mit wegweisenden Computeranimationen. Aber eines sollte jedem vorweg klar sein – „Die Legende von Beowulf“ ist weder ein neuer „Herr der Ringe“ noch ein „300“-Ableger, sondern eine düstere und traurige Reise in die Seele eines gefallenen Helden.
Helden, Met und böse Trolle
Beowulf ist zu Beginn zwar ein mutiger und kräftiger Krieger, aber auch ein Angeber, der seine Siege gerne ins Übermenschliche verklärt. Ständig ist er auf der Suche nach neuen Herausforderungen und zieht mit seiner Mannschaft durch die Welt. Kein Wunder also, dass er das Angebot von König Hrothgars annimmt, den blutdurstigen Troll Grendel zu besiegen. Der einst mächtige König ist alt, greift lieber zu einem Glas Met als zu seinem Schwert und schon lange führt nicht mehr er sein Reich, sondern der gerissene Unferth, sehr zum Unwillen der jungen Königin Wealthow. Sie ist auch die einzige, die das dunkle Geheimnis kennt, das den König umgibt. Doch das alles kümmert Beowulf nicht. Es ist die Gier nach Ruhm und die schönen Augen der Königin, die ihn in den Kampf gegen Grendel führen. Doch diese Schlacht wird seinen Tribut zollen und Beowulf geht einen Pakt ein, der ihn und seine Mitmenschen ins Verderben stürzen könnte. Erst viele Jahre später stellt sich Beowulf seiner dunklen Vergangenheit und muss erkennen, dass die Zeit der Lügen vorbei ist.
Technik und Anspruch
„Die Legende von Beowulf“ ist kein Film wie jeder andere. Das liegt vor allem an der Technik, in ausgewählten Kinos sogar in 3D oder im IMAX. Obwohl alles komplett computeranimiert ist, wurden sämtliche Szenen von realen Schauspielern wie Ray Winstone, Anthony Hopkins oder Angelina Jolie gespielt. Erst danach wurden sie aufwendig computeranimiert. Eine äußerst zwiespältige Entscheidung, denn in einigen Szenen wirken die Figuren und Bewegungen wie eine Cutscene aus einem „Blizzard“-Spiel. Diese Wahl der Technik wird umso mutiger, wenn man bedenkt, dass sich die Story vor allem auf die psychologische Entwicklung des Helden konzentriert. Was bedeutet es, ein Held zu sein? Neben den spektakulären Kämpfen zwischen Mensch und Monster, Seeschlangen und Drachen gibt es viele ruhige Momente, die Kamera fährt dicht an die Gesichter heran und dann wird deutlich, dass bei aller Liebe zum Detail eine Animation keinen echten Schauspieler ersetzen kann. Da hilft es auch nicht, dass den beiden Autoren Neil Gaiman und Roger Avary ein geradliniges und packendes Script gelungen ist, das gut die Balance zwischen Action und Drama hält. Ihnen ist es wohl auch zu verdanken, dass Beowulf kein strahlender Held ist, sondern für Ruhm und Ehre mit dem Bösen eine unheilige Allianz eingeht, die ihn am Ende heimsuchen wird. Helden sind vor allem Mythen, zu gut, um wahr zu sein und Gaiman und Avary holen sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Wem das gefällt, sollte unbedingt einen Blick auf Gaimans Roman „American Gods“ riskieren.
Alles hat seinen Preis
Vielleicht ist die Story einfach zu klein für das gebotene Spektakel. Die Geschichte von Beowulf ist eben kein pralles und episches Abenteuer wie die Irrfahrten des Odysseus oder vielleicht „Der Herr der Ringe“. Das hat zwar ausgereicht, um Tolkien und andere zu inspirieren, aber dem Film merkt man an, dass er seine knapp zwei Stunden Spielzeit gerade so füllen kann. Dafür ist dann aber auch fast die komplette Geschichte Beowulfs enthalten, gewürzt mit Action, Romantik und eben ganz viel Faust. Zemeckis und seine Autoren haben viel gewagt und die Computeranimationen sind mit Sicherheit einige Klassen besser, als noch bei der „Final Fantasy“-Verfilmung oder „Der Polarexpress“. Trotz der spannenden Handlung und den spektakulären Kampfszenen bleibt aber ein fader Beigeschmack, vieles hätte man sich doch eher von lebenden Schauspielern zeigen lassen. Computer bleiben eben Computer, Hightech aber leblos. Zumindest haben Zemeckis und sein Team den technischen Standard weit nach oben gesetzt und den knuddeligen Cartoon-Figuren den Kampf angesagt. Pixar & Co müssen nachlegen, „Ratatouille“ war gestern.
Das Spiel zum Film
Dank Ubisoft darf man Beowulf nicht nur im Kino erleben, sondern auch an Konsole und PC. Zeitgleich zum Kinostart erschien das Hack´n´Slay für Windows-Rechner, Xbox 360, Playstation 3 und Playstation Portable. Rund 30 Jahre der Beowulf-Sage umfasst das Spiel, inhaltlich orientieren sich die Entwickler von Ubisoft Shanghai an der Filmvorlage. Trotz einer modernen Grafik-Engine, die unter anderem bei dem Taktik-Shooter Ghost Recon Advanced Warfighter zum Einsatz kam, kommt die Optik nur stellenweise über den gehobenen Durchschnitt hinaus. Auch beim Gameplay setzen die Produzenten auf ein bewährtes Konzept, d.h. euch erwartet ziemlich simpel gestrickte Action-Kost. Diejenigen, die beispielsweise Spaß mit der Game-Umsetzung von Fluch der Karibik hatten, kommen auch bei Beowulf auf ihre Kosten. Innovationen oder zumindest besonders herausragende Elemente sollte dagegen niemand erwarten. In Kürze erfahrt ihr mehr über Beowulf – in unserem ausführlichen Spieletest.