In Hollywood gibt es ein schönes Motiv in einen Liebesfilm: A match made in heaven. Zwei Liebende, so fern und doch so nah, überwinden alle Grenzen und werden schicksalhaft zusammen geführt. So gesehen ist Regisseur Uwe Boll ein Romantiker, denn mit Ausnahme von „Alone in the Dark“ hat er sich immer die Vorlagen ausgesucht, die seinem Talent entgegenkommen. „Far Cry“, die Verfilmung des ersten Crytek-Spiels, macht da keine Ausnahme, denn obwohl der Südsee-Shooter in viele Aspekten richtungsweisend war, hatte er eines ganz bestimmt nicht: Eine gute und spannende Story.
Die Story
Boll verblüfft trotzdem, denn statt den exotischen Schauplatz der Vorlage zu wählen, verlegt er die Handlung auf eine Insel in den USA. Unser Held Jack Carver, gespielt von Til Schweiger, fristet sein Dasein als gelangweilter Bootsbesitzer und fährt schaulustige Touristen durch die Gegend. Zufälligerweise ist er auch ein Ex-Mitglied der Special Forces und zufällig arbeitet er genau in der Nähe der Insel, auf der ein verrückter Professor Krieger (Udo Kier) in einem Sägewerk Gen-Experimente mit Soldaten macht. Zufällig hat Carver früher unter Max Cardinal (Ralf Möller) gedient, der zufällig für Krieger arbeitet und dessen Nichte zufällig die Reporterin Valerie (Emmanuelle Vaugier) ist, die hinter Kriegers Machenschaften eine Riesenstory wittert. Diese schicksalshaften Fügungen muss man als Zuschauer erstmal verdauen, ganz abgesehen von der Frage, warum ein verrückter Wissenschaftler mitten in den USA herumexperimentiert und nicht auf einer abgelegenen Insel in der Südsee. Aber geschenkt, Boll weiß bestimmt, was er tut.
Jedenfalls bringt Carver die hübsche Valerie auf die Insel, legt sich mit Krieger an, erledigt ein paar genmanipulierte Supersoldaten, trauert um seinen ebenfalls mutierten Freund Max und flüchtet mit Valerie und seinem feigen Sidekick Doyle von der Insel. Ende gut, alles gut, auch wenn es danach niemand mehr interessiert, dass die meisten Gensoldaten überlebt haben. Fortsetzung folgt? Hoffentlich nicht.
Second-Hand-Ware
Boll und seine drei Drehbuchautoren haben aus dem Film eine Mischung aus „Universal Soldier“ und „Jurrassic Park“ gemacht, in der alles billig wirkt. Die Bauten könnten von einem alten Chuck-Norris-Film stammen, die Story verzichtet konsequent auf jegliche Überraschung und die Schauspieler machen sich keine Mühe, ihre Langeweile zu überspielen. Til Schweiger mag als romantischer Held in Filmen wie „Keinohrhasen“ perfekt sein, aber hier nimmt ihm niemand den knallharten Ex-Soldaten ab, was aber gar nicht seine Schuld ist. Zumindest in den Nahkampfszenen macht Schweiger an sich eine gute Figur. Dass aber ein Filmheld eine Backstory haben sollte, hat den Autoren wohl niemand gesagt. Der Rest der Besetzung passt sich dem Niveau des Films an: Ralf Möller spielt wieder einmal gekonnt den talentlosen Action-Star und Emmanuelle Vaugier ist als Valerie eine hübsche „Zicke“ auf Inselurlaub. Nur Trash-Ikone Udo Kier bringt so etwas wie Charme in das einfallslose Geschehen: Als malender Wagner-Liebhaber und „Mad Scientist“ bleibt er aber das einzig Positive am ganzen Film, zumindest wenn man es ironisch sieht. Am Ende bleibt viel Geballer, ein bis zwei gute Actionszenen und 90 Minuten vergeudete Lebenszeit.
Fazit
Es ist schwierig, ohne Ironie über die Filme von Uwe Boll zu schreiben. Der Mann besitzt ein ungebremstes Selbstbewusstsein, das ihm offensichtlich sämtliche kritische Distanz zu sich selbst verbietet. Wenn es nicht so wäre, hätte er irgendwann gemerkt, dass „Far Cry“ einfach nur billig und langweilig ist. Die Story ist vorhersehbar, die Schauspieler sind unfreiwillig komisch und die Gags zünden nicht. Leider ist der Film aber nicht so schlecht, als dass man ihn sich in einer Trash-Film-Nacht ansehen könnte – auch das ist typisch Boll. Das ist ja das Tragische an seinen Filmen, denn immer versucht er mit den „Großen“ mitzuhalten und mit Ausnahme von „Postal“ bleibt er immer brav konservativ. Anecken und geschmacklos sein will er nie.
Über dies alles könnte man als Spielefan noch großzügig hinwegsehen, wenn Bolls Filme nicht schwerwiegende Folgen hätten: Sie sind nämlich Wasser auf die Mühlen aller Gegner, die in Computerspielen nur einen sinnlosen und gewaltverherrlichenden Zeitvertreib sehen.