Es ist fast schon interessanter über das Medienecho von „Iron Man 2“ zu schreiben, als über den Film selbst. Die Kritiker haben einen neuen „Liebling“, den sie herzhaft zerreißen können.
Der Metacritic-Score liegt bei 57 % und bei RottenTomatoes hat er vergleichsweise gute 71 % erreicht. Trotzdem ist er damit über 20 % schlechter als der Vorgänger. Woran liegt’s? War der erste Teil Shakespeare, Coppola und Spielberg in einem? Eher nicht, sondern nur gut gemachtes Popcorn-Kino. Der zweite Teil knüpft daran nahtlos an, allen Unkenrufen zum Trotz.
Peitschenhiebe für den Helden

Wir erinnern uns: Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist der reichste und „coolste“ Waffenproduzent aller Zeiten. Dann meldet sich sein Gewissen und er rettet als Iron Man die Welt. Dumm nur, dass er ohne den Kernreaktor in seinem Herzen nicht leben kann. Noch dümmer: Tony Stark stirbt. Am Anfang von „Iron Man 2“ erkennt er nämlich, dass die Energiequelle sein Blut vergiftet und er sucht verzweifelt nach einer Lösung. Außerdem sitzen ihm Konkurrent Justin Hammer (Sam Rockwell) und ein fieser US-Senator im Nacken: Stark soll endlich seine Technologie der US-Armee zur Verfügung stellen, doch er weigert sich. Just in diesem Moment sinnt der russische Physiker Ivan Vanko (Mickey Rourke) auf Rache. Starks Vater hatte einst seinen eigenen Vater betrogen und nun will Ivan es dem Sohn heimzahlen. Da er mindestens genauso clever wie Stark ist, bastelt er sich einen eigenen Superhelden-Anzug und macht als Whiplash Jagd auf Iron Man. Es sieht wieder mal nicht gut aus für unseren Helden, doch die Lösung all seiner Probleme liegt im Vermächtnis seines Vaters – und bei S.H.I.E.L.D.-Gründer Nick Fury (Samuel L. Jackson).
Anfang einer Saga
Ja, richtig gelesen. Nick Fury, S.H.I.E.L.D.- zwei Eckpfeiler des Marvel-Universums. Schon im ersten „Iron Man“ hatte der einäugige Elitesoldat Fury einen Gastauftritt, allerdings nur für die Zuschauer, die bis zum Ende in ihren Sitzen blieben. Auch diesmal lohnt es sich, den minutenlangen Abspann anzuschauen. Der Masterplan dahinter: Das Comic-Imperium will sein Universum auf den Film ausdehnen. Einzelne Superhelden laufen sich über den Weg und die Geschichten überschneiden sich. Kurz – ein feuchter Traum für Superhelden-Fans. Nach „Iron Man“ geht es los mit „Thor“, „Captain America“ und schließlich den „Rächern“. Im Film selbst wird schon mal „Warmachine“ eingeführt – ein Iron Man light, gespielt von Don Cheadle und natürlich auch einer von den Guten.
Klassisch, praktisch, gut
Zurück zum Film. „Iron Man 2„ ist ein klassischer Actionfilm und kommt mit drei großen Actionszenen aus. Das mag einem Michael-Bay-Fan zu wenig sein, aber dafür lässt es Regisseur Jon Favreau (übrigens in einer Nebenrolle als „Happy“ dabei) in diesen Momenten richtig krachen: Whiplash sabotiert ein Autorennen, Iron Man und Warmachine prügeln sich die Seele aus dem Leib und am Ende nehmen es die beiden mit einer ganzen Armee von Robotern auf. Das ist technisch perfekt und sorgt besonders am Ende für den einen oder anderen Wow-Effekt. In der Mitte der Handlung hat der Film aber einen Durchhänger. So witzig die Sprüche von Stark oder die Dialoge zwischen ihm und seiner Sekretärin Pepper sind – spannend ist es auf jeden Fall nicht.
One-Man-Downey
Natürlich ist es wieder die Robert-Downey-Jr.-Show, die es rausreißt. Zynisch, energiegeladen und diesmal sogar ein bisschen melancholisch, zeigt Downey Jr. dass er jeden Film mit seiner Präsenz adelt. Im Gegensatz zum ersten Teil können die anderen Schauspieler auch ein Wörtchen mitreden. Gwyneth Paltrow als Sekretärin Pepper Potts hat deutlich mehr Szenen als im ersten Teil, Scarlett Johansson legt als Martial-Arts-Expertin die Gegner reihenweise übers Knie und auch Don Cheadle spult souverän seine Rolle als „Warmachine“ ab. Ein Highlight: Sam Rockwell als geldgieriger Waffenproduzent Justin Hammer. Ein neureicher kleiner Aufschneider, Stichwort „The Ex-Wife“ (sorry, nur im Original). Nur Mickey Rourke hätte man als Ivan Vanko mehr Szenen und vor allem einen würdigen Abgang gewünscht. Wenn er nämlich ins Bild kommt, zieht er alle Register: dreckig, fies und ziemlich clever.
Filmkritik
Bin ich schizophren, zu anspruchslos, oder einfach zu alt? „Iron Man 2“ hat mir gut gefallen. Dabei gingen mir die letzten Superhelden-Geschichten, egal ob sie „Hulk“ oder „Wolverine“ hießen, ziemlich auf den Keks. Ich mag halt klassische Action-Filme lieber, die eine Story erzählen und bei denen die Action-Szenen gut choreografiert sind, ohne dass man ständig den Überblick verliert wer-denn-nun-wen-wo-und-wie durch die Luft wirbelt. Augenpingpong? Nein danke. Klar, die Geschichte ist etwas überladen, die Sprüche von Robert Downey Jr. bekommen langsam Abnutzungserscheinungen, und in der Mitte wird es etwas langatmig, aber deswegen gleich das Popcorn zurückgeben? Die miesen Kritiken sind für mich unverständlich, aber zumindest der gute alte Roger Ebert gibt mir Recht. Entspannen, zurücklehnen und genießen – für alle anderen aber: „Get a roof!“ (sorry, auch nur im Original).