Jordan Mechner ist ein Phänomen. Es gibt unter den ganzen Videospielveteranen wohl keinen Zweiten, der so gut an einer einzigen guten Spielidee verdient. Sein „Baby“ heißt „Prince of Persia“, erschien 1989 das erste Mal und bekommt nun einen großen Spielfilm spendiert. Endlich?
Schuld daran ist Jerry Bruckheimer. Der Hollywood-Produzent scheint zu wissen, was die Leute sehen wollen. „Top Gun“, „Bad Boys“ und natürlich „Fluch der Karibik“ – alles Garanten für volle Kinokassen. Auch diesmal setzt Bruckheimer auf sein Erfolgsrezept: ein cooler Held, ein Bösewicht von der Stange und ein enormes Budget. Regie und Drehbuch sind dabei nur Befehlsempfänger.
Es war einmal…

…im sechsten Jahrhundert. Persien ist eines der größten und einflussreichsten Länder des Orients. König Sharaman (Ronald Pickup) regiert weise das Land und adoptiert überraschenderweise den Straßenjungen Dastan. Jahre später stehen er (Jake Gyllenhaal) und seine beiden Brüder Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) mit ihrem Heer vor den Toren der heiligen Stadt Alamut. Die Spione von Nizam (Ben Kingsley), dem Bruder des Königs, haben Hinweise auf eine Revolte gegen Persien gefunden. Die Stadt muss eingenommen werden und dank Dastans Plan gelingt es. Außerdem fällt den Persern die hübsche Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) in die Hände. Was keiner weiß – sie ist die Hüterin des Sands der Zeit und ausgerechnet Dastan hat den Dolch erbeutet, mit dem man ihn kontrollieren kann. Wer sein Geheimnis kennt, kann mit ihm nämlich die Zeit zurückdrehen. Kurz darauf stirbt aber der König bei einem Attentat und Dastan gerät unter Verdacht. Er schnappt sich den Dolch und flieht. Nur eine hält zu ihm: Tamina. Doch der junge Prinz ahnt nicht, dass es ihr nur um den Dolch geht. Die Zukunft der Menschheit steht wieder einmal auf dem Spiel und Dastan steckt mittendrin.
Einheitsbrei im Orient
Man muss jetzt nicht unbedingt ein Prophet sein, um zu erahnen wie es weiter geht: Prinz und Prinzessin verlieben sich, giften sich aber ständig an; ein Freund entpuppt sich als Verräter und ein paar Nazgul, sorry hier heißen sie „Hassassine“, machen Jagd auf unseren Helden. Achja, ein Straußenrennen gibt es auch. Jake Gyllenhaal spult seine erste Rolle als Popcorn-Actionheld sportlich kompetent ab und schaut abwechselnd böse, überrascht oder treudoof wie ein kleiner Hund. Sir Ben Kingsley erwirbt sich ein Diplom als Hollywoods Standard-Bösewicht in allen Lebenslagen und Gemma Arterton ist in erster Linie hübsch. Fairerweise sollte man aber erwähnen, dass die Chemie zwischen ihr und Gyllenhaal stimmt. Für ein paar schlagfertige Dialoge ist immer Zeit und da merkt man, dass Regisseur Mike Newell früher einmal Komödien wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ gedreht hat.
Kurzweilig, aber seelenlos
Was man aber auf keinen Fall erwarten sollte sind originelle Actionszenen oder eine überraschende Story. Bis auf das spektakuläre Ende gibt es ein paar nette Säbelgefechte und einige gelungene Parkour-Szenen von Gyllenhaal zu bewundern – mehr nicht. Es ist bezeichnend, dass eine der besten Szenen zwei Nebenfiguren gehört und für beide tödlich endet. Man spürt förmlich, wie der Regisseur hier Dienst nach Vorschrift macht und Szene an Szene reiht. Originelle Bildideen oder zumindest coole Action-Szenen im Stil von „300“ sucht man vergeblich. Natürlich ist das alles technisch perfekt inszeniert. Als Prinz Dastan mit seinem Dolch die Zeit zurückdreht wirkt das beim ersten Mal beeindruckend und wenn er einen Abhang hinunterrutscht während hinter ihm die Welt untergeht, ist das mehr als jede Boll-Verfilmung bieten kann.
Filmkritik
Es könnte viel, viel schlimmer sein. „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ ist eiskalt kalkuliertes Popcorn-Kino, das unterhält, aber seelenlos am Zuschauer vorbeizieht. Mehr wollte, konnte und sollte es nicht sein – typisch Bruckheimer. Über die Schauspieler kann man nicht meckern und besonders das Prinzenpaar sorgt für ein paar witzige Momente. Was aber wirklich fehlt, sind die spektakulären Action-Szenen, die sonst eine Bruckheimer-Produktion auszeichnen. Ein Regisseur wie Gore Verbinski hätte aus dem Stoff sicherlich mehr gemacht, als der Routinier Mike Newell. Sieht man es positiv, ist der Film ganz klassisches Abenteuerkino, mehr Erroll Flynn als „300“. Auch hat man die Vorlage nicht komplett vergessen und bezieht sich bei Plot und Figuren auf ein „echtes“ Prinzenabenteuer. Als Videospieler ist man ja inzwischen genügsam geworden.