Fast 30 Jahre nach seiner Premiere kehrt eine Videospielikone als Fortsetzung auf die Leinwand zurück. Mehr oder weniger ist dabei alles beim Alten geblieben, diesmal allerdings in 3D.
Der Film beginnt ein paar Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils. Kevin Flynns (Jeff Bridges, von Iron Man bis Crazy Hearts) Abenteuer in seiner digitalen Welt haben ihn nicht nur um ein paar Erfahrungen reicher, sondern ihn auch zum Boss eines großen Softwarekonzerns gemacht. Das Computergenie ist so etwas wie Bill Gates und Steve Jobs in einer Person, doch plötzlich verschwindet er. Jahrzehnte später hat sein Sohn Sam (Garrett Hedlund, Eragon) zwar Kevins Talent geerbt, aber er hat den Verlust seines Vaters noch nicht überwunden und sabotiert die Entscheidungen seines geldgierigen Aufsichtsrats.
Da erhält Flynns alter Freund Alan Bradley (Bruce Boxleitner, Babylon 5) eine geheimnisvolle Pager-Nachricht, woraufhin sich Sam auf die Suche nach seinem Vater macht. Er entdeckt einen geheimen Computer, drückt ein paar Tasten und schon landet er in Flynns digitalem Utopia, das aber zu einem Alptraum geworden ist. Sam muss sich hier mit Oberwächter Clu (Jeff Bridges) herumschlagen, schließt Freundschaft mit dem attraktiven weiblichen Programm Quorra (Olivia Wilde, Dr. House) und darf sich sogar auf ein Wiedersehen mit seinem Vater freuen. Allerdings plant Clu eine Invasion, weshalb Vater und Sohn mit vereinten Kräften die reale Welt vor dem Untergang bewahren müssen.
Früher war alles besser?
Machen wir uns doch nichts vor: Das Original ist kein guter Film. Die Story war schwach, die Schauspieler agierten lustlos und an die meisten Actionszenen erinnert sich sowieso keiner mehr. Ein anonymer, aber von mir geschätzten Kollege, hat es kürzlich politisch unkorrekt mit dem Ausspruch „Meine Fresse, was für ein Scheiß!“ auf den Punkt gebracht. Steven Lisbergers Film von 1982 ist halt typisch Retro oder anders ausgedrückt: Je mehr Zeit vergeht, umso verklärter wird die Erinnerung. Tatsächlich hat der Film damals nur wenigen Zuschauer gefallen, denn trotz einer großen Marketingkampagne wurde der Film beim Kinostart zum finanziellen Flop. Dank TV-Ausstrahlung, Heimkino und natürlich der wieder aufstrebenden Videospielbranche wurde Tron dennoch zu einem begehrten Kultobjekt und fast jeder Videospielefan kennt ihn - oder zumindest die Lichtradduelle.
Schließlich hatte Disney ein Erbarmen mit den Fans, setzte mit Joseph Kosinski einen unbekannten Newcomer auf den Regiestuhl und schickte Jeff Bridges gleich in doppelter Ausführung zurück auf das „Raster“. Die Szenen mit Clu und manche Szenen aus der Vergangenheit zeigen nämlich einen vollkommen digitalisierten und vor allem jungen Jeff Bridges. Lässt man mal halbherzige Versuche wie Der Polarexpress oder Beowulf außer Acht, ist es der erste überzeugende Versuch einen alternden Schauspieler komplett in einen digitalen Jungbrunnen zu werfen. Das ist beileibe nicht perfekt, aber es zeigt, wie weit sich die Technik in den letzten Jahren weiterentwickelt hat.
Filmkritik
TRON: Legacy ist endlich ein Film, der das Prädikat 3D verdient hat. Zwar werden dem Zuschauer nicht pausenlos Gegenstände ins Gesicht geschleudert, aber dafür sorgt das Endergebnis für ein überzeugendes Raumgefühl und setzt gekonnt Action-Höhepunkte wie etwa die Lichtradduelle oder die abschließende Verfolgungsjagd in Szene. Außerdem ist das Set-Design gelungen und zeigt grandiose Neonbauten und Kampfarenen. Der Soundtrack von Daft Punk? Treibender Elektropop, den man sich auch abseits der Leinwand anhören kann. Der Rest kann allerdings mit diesen Schau- und Hörwerten nicht mithalten. Die Handlung ist nur ein kruder Storymix, vorhersehbar und ab der zweiten Hälfte meint man in einem Krieg der Sterne-Reboot zu sitzen, so offensichtlich sind die “Zitate“ aus George Lucas’ Filmklassiker.
Und dann sind da diese Logiklöcher oder zumindest erzählerische Ungenauigkeiten: Wieso kann Kevin “Obi-Wan“ Flynn per Handberührung die Programme kontrollieren? Wie können die Programme in der realen Welt überleben? Manche Szenen wirken sogar unfreiwillig komisch, wenn sich die Programme in der Disco treffen oder wenn Sam von vier unbekannten Schönheiten angekleidet wird. Aus TRON: Legacy wird so ein Film mit zwei Gesichtern. Einerseits ist es ein Fest für Sinne, das lediglich die surreale und düstere Atmosphäre des Originals vermissen lässt. Andererseits setzen uns Regisseur Kosinski und seine Drehbuchautoren eine furchtbar einfältige Action-Geschichte vor, die man so schon etliche Male gesehen hat. Entscheidet selbst, was euch wichtiger ist.