Langer Anlauf, durchwachsener Erfolg. In Michel Gondrys Superheldenfarce trifft ein reicher Volltrottel auf Karate-Kid und Christoph Waltz durchlebt als Bösewicht eine echt gruselige Midlife-Crisis.

Komiker Seth Rogen (bekannt aus Beim ersten Mal oder Ananas-Express) spielt Britt Reid, einen reichen Schnösel, dem es nur um Sex, Alkohol und Partys geht. Er kann es sich leisten, denn schließlich ist er der einzige Sohn eines millionenschweren Medienimperators. Doch dann stirbt auf geheimnisvolle Weise sein Vater und stürzt Britt in eine tiefe Lebenskrise. Da trifft er auf Kato (gespielt von Jay Chou), einen Ex-Angestellten seines Vaters, der sich als eine Mischung aus Karate-Kid und Daniel Düsentrieb entpuppt. Gemeinsam beschließen die beiden ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben und gehen auf Verbrecherjagd. Dazu bastelt Kato fix eine Festung auf Rädern, genannt “Black Beauty“. Und dieses waffenstarrende PS-Monster ist auch dringend nötig, denn Britt stellt sich als Superheld Green Hornet genau so blöd an wie im wahren Leben.
Dumm nur, das Gangsterboss Chudnovsky (Christoph Waltz, Ingloriuos Basterds) gerade in einer üblen Midlife-Crisis steckt und die beiden Naschwuchshelden aus dem Weg haben will. Dank Britts cleverer Sekretärin Lenore (Cameron Diaz, Knight and Day) bleiben Britt und Kato hartnäckig auf Chudnovskys Fersen und es kommt zum großen Showdown.
Superheld auf Umwegen
Allein die Hintergrundgeschichte zu diesem Projekt wäre schon einen Film wert. Seit den 60er Jahren ist die Fernsehserie The Green Hornet“ Kult, nicht zuletzt machte sie Bruce Lee zum Weltstar. Und da war es nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood ein Remake angehen würde. Das hatte aber Anlaufschwierigkeiten: Zuerst sollte Stephen Chow (Kung Fu Hustle) Regie führen, Jet Li (The Expendables) war für die Rolle des Kato im Gespräch und Nicolas Cage (Kick-Ass) sollte den Bösewicht mimen.
Doch nach „kreativen Differenzen“ gingen alle Beteiligten getrennte Wege, schließlich landete der französische Arthaus-Filmer Michel Gondry (Vergiss mein nicht auf dem Regiestuhl und Seth Rogen schrieb nicht nur das Drehbuch, sondern sollte auch gleich sein Debut als Actionheld abgeben. Dass Kato mit Jay Chou, einem der erfolgreichsten Pop- und Filmstars Asiens, besetzt wurde, fällt weniger in die Rubrik “Talent“ als in das finanzielle Kalkül für China einen sicheren Kassenhit zu landen. Christoph Waltz sorgt als Bösewicht für ein bisschen Oscar-Glamour und Cameron Diaz erfüllt die Frauenquote.
Schräge Action in 3D
Offensichtlich war den Produzenten (vormals verantwortlich u. a. für Fast and Furious) diese Kombination aber nicht ganz geheuer und so wurde der Film schnell noch in das 3D-Verfahren umgewandelt, bei dem sogar miese Filme dank des höheren Preises zum Erfolg werden können. Das beste Beispiel dafür ist wohl Der Kampf der Titanen, aber nein, ein ähnliches Desaster ist Gondrys Film nicht. Am Anfang gibt es sogar eine atemberaubende Nahkampfszene, danach schaltet der Film in den Leerlauf und entwickelt eine etwas bemühte Geschichte um Mord, Lebenskrisen sowie Politik.
Gondry scheint das gewusst zu haben und peppt die Story mit einigen Ideen auf. So knutscht sich Playboy Britt am Anfang im Zeitraffer durch seinen imposanten Fuhrpark und später macht Gondry aus einem vollkommen harmlosen Moment eine der besten Splitscreen-Szenen der letzten Jahre. Da merkt der Zuschauer, dass Gondry im Herzen ein gewitzter Filmemacher ist, der sich bei diesem Blockbuster etwas verirrt hat. Die Frage, warum man dafür an der Kinokasse einen 3D-Aufpreis zahlen muss, beantworten diese wenigen Szenen nicht.
Kritik
Wer hier eine herkömmliche Actionkomödie erwartet, wird enttäuscht sein. Stattdessen gibt es eine Kumpel-Komödie mit Superheld im Stil von Judd Apatow (Jungfrau, 40, männlich, sucht, Wie das Leben so spielt) und genau da liegt das Problem: Story, Hauptdarsteller und Regisseur passen nicht zusammen. Der eine, Gondry, ist am besten, wenn er von der Leine gelassen und der andere, Held und Autor Rogen, ist am besten, wenn er ausgebremst wird. Das ist eine unheilvolle Kombination, die nur selten funktioniert, wenn sich etwa die beiden Helden bei ihrem ersten „Auftrag“ fast blamieren oder sich später mit K.O.-Gas duellieren.
Den Rest retten ein fieser Christoph Waltz, originelle Bildideen und ein grandioses Finale, dass es ordentlich krachen lässt. Dennoch bewahrheitet sich auch hier wieder, dass eine nachträgliche 3D-Umwandlung wenig bringt. Zwar gibt es den ein oder anderen spektakulären Effekt, aber im Vergleich zu Avatar wirkt es wie ein billiger Abklatsch. Unterm Strich ist The Green Hornet weder Fisch noch Fleisch: zu schräg für den Mainstream, zu lahm für den Actionfan und zu wenig 3D für den Technik-Freak.