Es gibt manchmal Filme, bei denen der Zuschauer ehrfürchtig den Kopf neigen sollte. Das neueste Beispiel ist „Hancock“ von Peter Berg. Man muss erst mal darauf kommen, einen 150-Millionen-Dollar-Film zu drehen, der als Superhelden-Film beginnt, dann zu einer Looser-Ballade wird, um schließlich in einer Dreiecks-Komödie und einem schwülstigen Action-Melodram zu enden. Respekt, auch weil Letzteres wohl ein neues Genre ist und der Film voller Widersprüche und Logikfehler steckt. Dafür gibt es schon mal eine hohe Wertung auf meiner Trashfilm-Skala.
Held auf Abwegen
In „Hancock“ spielt Everybody’s-Darling Will Smith einen Alkoholiker und Vollprol, eben ein richtiges Ekel. Dumm nur, dass genau dieser Hancock der einzige lebende Superheld ist, fliegen kann, unverwundbar ist und ordentlich austeilt. Allerdings weiß er nicht, wie er in Wirklichkeit heißt und woher er kommt. Das macht ihm zu schaffen und so ist er für die Stadt Los Angeles mehr eine Plage, als eine Hilfe, denn bei seinen willkürlichen Einsätzen bringt Hancock zwar ein paar Gangster hinter Gitter, zerlegt dabei aber gerne die halbe Stadt in Schutt und Asche. Irgendwann reicht es der Bevölkerung und sie protestiert. Genau in diesem Moment rettet Hancock aber dem glücklosen PR-Berater Ray das Leben. Aus Dank entwirft er für Hancock eine Image-Kampagne und überredet ihn freiwillig, ins Gefängnis zu gehen, um für seine Taten zu büßen. Natürlich steigt danach die Verbrechensrate in der Stadt und alle rufen nach Hancock. Und der kommt wieder – frisch rasiert, in einem schicken Kostüm und mit neuen Manieren. Doch da ist noch Rays Frau Mary und die Geschichte vom Superhelden mit Persönlichkeitsdefizit nimmt eine Wendung, mit der niemand rechnen konnte.
Mehr wird nicht verraten. Der Zuschauer wird aber erfahren, woher Hancock seine Superkräfte besitzt und dass er doch nicht der einzige seiner Art ist. Statt aber die unterhaltsame Action-Komödie der ersten Filmhälfte weiter zu spinnen, wollten die Macher die Melodramatik der Geschichte ergründen. Das ist leider danebengegangen.
Fehlbesetzt
Eines der größten Probleme des Films heißt Will Smith. Sicher, er gilt als der größte Filmstar der letzten zehn Jahre, aber Charakterstudien sind nicht sein Ding. Da hilft es auch nicht, wenn er seinen Drei-Tage-Bart einen Zentimeter länger wachsen lässt, ständig herumpöbelt und an der Whiskey-Flasche hängt. Seine Beleidigungen sind einfach nur coole One-Liner, die für einen Gag gut sind, mehr nicht. Einem Robert Downey Jr. nimmt man das in „Iron Man“ als den Zynismus eines einsamen Mannes ab - Smith wirkt dagegen bestenfalls wie ein Gangsterrapper aus Bel-Air. Auch Charlize Theron, immerhin Oscar-Preisträgerin, bleibt als Hausfrauen-Vamp blass. Nur Jason Bateman kann als naiver Weltverbesserer in der skrupellosen Werbebranche überzeugen.
Konzeptlos
Aber geschenkt. Ab der zweiten Hälfte ist der Film sowieso nur ein zusammenhangloser Brei diverser Plots. Die Grundidee vom alkoholabhängigen Superhelden ist ja eigentlich nicht schlecht, doch der fertige Film pendelt unentschlossen zwischen Actionfilm, Liebeskomödie und Melodrama. Als Zuschauer sollte man sich ernsthaft fragen, wie oft das Drehbuch umgeschrieben wurde und wie viele Drehbuchautoren letztendlich daran beteiligt waren. Die Dialoge sind mau und die Komik pendelt zwischen Fäkalhumor und Witz. Als Ray nämlich Hancock Manieren beibringen will, blitzt ganz kurz das auf, was möglich gewesen wäre. Der Rest – eine Schauspielerin, die plötzlich mit neuer Frisur und Make-up herumläuft und am Ende Logik-Löcher, die jeden Michael-Bay-Film wie ein Arthaus-Drama wirken lassen. Zudem ärgert der willkürliche Musikeinsatz. Von gefühlvoller Blues-Musik, austauschbarem R&B und schließlich pathetischen Hollywood-Fanfaren ist alles dabei, nur stimmig ist das nicht.
Wenn der Film dann vorbei ist, fragt man sich auch, wo das ganze Millionen-Budget gesteckt hat. „Hancock“ hat gerade mal eine große Material-Schlacht zu bieten und das Finale im Krankenhaus hätte auch besser in ein B-Picture der 80er gepasst. Selbst als reines Action- und Effekte-Spektakel fehlen dem Film die großen Momente.
Fazit
Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass jeder große Kinostar einmal einen Film dreht, der viel verspricht, aber am Ende ein Desaster wird. Arnold Schwarzenegger drehte „Last Action Hero“, Bruce Willis „Hudson Hawk“ und Tom Cruise “Mission Impossible III”. Auf dem Papier sah das alles großartig aus, ein Star, viel Geld und ein Publikum, mit dem alles machen kann. Scheinbar zumindest. Mit „Hancock“ darf sich Smith nun endlich auch zu diesem elitären Kreis dazuzählen. Ein Star-Vehikel mit viel Geld, aber ohne Konzept. Die unausgegorene Mischung verschiedener Filmgenres kann man bestenfalls noch als launisch bezeichnen. Regisseur Peter Berg macht seinen Job streng nach Vorschrift und reiht ein Bild an das andere. Es ist deswegen schon etwas traurig, dass dieser Film keine einzige Szene hat, die im Gedächtnis bleibt. Trotzdem sollte man mal gesehen haben, wie dieser Film scheitert. Eigentlich unglaublich bei dem Geld und den Stars. Vor Folgewirkungen braucht man sich aber nicht zu fürchten, denn die 90 Minuten sind schnell vorbei. Fortsetzung ausgeschlossen.