In „Hellboy 2“ gibt es viele spannende und spektakuläre Szenen. Hellboy gegen Killerinsekten, Hellboy gegen einen Waldgott und überhaupt - Hellboy gegen alles. Der schönste Moment ist aber ruhig, witzig und ein bisschen melancholisch: Hellboy und sein Freund Abe, halb Mensch, halb Fisch, ertränken ihren Liebeskummer im Alkohol und singen einen kitschigen Lovesong von Barry Manilow. Zwei Biester beim Chill-out.
Die Story
Als der „Hellboy“ vor knapp vier Jahren die Leinwand betrat, überraschte er Publikum und Kritiker. Die Comicvorlage war nur ein Geheimtipp und selbst Fans zweifelten nach „Blade 2“ am Talent von Regisseur Guillermo del Toro. Die Abenteuer eines Dämons im Dienste der Menschheit entpuppten sich dann aber als ein erfrischend sarkastisches Fantasy-Abenteuer. Ein paar Jahren sind seitdem vergangen und Katzenliebhaber Hellboy arbeitet mit „Feuerbraut“ Liz sowie besagtem Abe immer noch für die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Die Jagd auf Dämonen erledigt Hellboy mit links, doch die Beziehung zu Freundin Liz kriselt. Da taucht aus dem Nichts der Elfenprinz Nuada auf. Vor langer Zeit schlossen Elfen und Menschen einen Friedensvertrag, doch jetzt steht Nuadas Volk vor dem Untergang. Während sich die Elfen nämlich an den Vertrag hielten, drängten die Menschen das Naturvolk weiter zurück. Nuala will Rache und braucht dafür die Goldene Armee, ein Heer aus unbesiegbaren Maschinenwesen, geschmiedet von Goblins. Um diese Armee zu kontrollieren, sucht er eine magische Krone, die in drei Teile getrennt wurde. Zwei davon hat der Elfenprinz schon, doch die dritte ist im Besitz seiner abtrünnigen Schwester Nuala. Hellboy und sein Team haben alle Hände voll zu tun, um das Ende der Menschheit zu verhindern.
Wer sich nach dieser Inhaltsangabe vielleicht etwas an „Herr der Ringe“ erinnert fühlt, liegt richtig. Das düstere Nazi-Verschwörungsszenario des ersten Teils ist einer massentauglichen Fantasy-Story mit Elfen und Goblins gewichen, aber die ist nur Teil der grenzenlosen Zitatensammlung, die Regisseur und Drehbuchautor Del Toro seinem Publikum präsentiert. „Ghostbusters“, „Men in Black“, ein bisschen Lovecraft und die Anime-Filme von Hayao Miyazaki sind dafür nur einige Beispiele – „Hellboy 2“ ist Popcorn-Kino, das vielleicht gar nicht besonders originell sein will. Aber deshalb macht es auch so viel Spaß.
Action, Sarkasmus und Moral
Schon von Beginn an legt der Film ein ordentliches Tempo vor und geizt nicht mit optischen Reizen. Da erlebt ihr computeranimierte Massenschlachten im Holzpuppenlook, später werden ganze Straßenzüge verwüstet und am Ende gibt es einen glänzend choreografierten Schwertkampf zwischen Hellboy und dem Elfenprinzen. Das alles ist gespickt mit viel Witz und Sarkasmus, getragen von einem charismatischen Titelhelden, gespielt vom 58-jährigen Ron Perlman. Auch dank der Ganzkörpermaske merkt man ihm das Alter aber nicht an. Die geradlinige Story wird zwar keinen Zuschauer überraschen, aber der visuelle Ideenreichtum des Regisseurs übertrumpft die konventionelle Erzählweise. Ähnlich wie in Del Toros vorhergehendem Film „Pan´s Labyrinth“ bevölkern albtraumhafte Wesen in allen erdenklichen Formen das Geschehen. Der Regisseur hat seine Sympathie für scheinbar hässliche Monster bewahrt und wenn der Elfenprinz in seinen blutigen Krieg zieht, wird es nicht wenige Zuschauer geben, die Mitleid mit ihm haben. Die Zivilisation hat sein Volk vernichtet und damit auch den Glauben an Magie, Träume und Märchen. Wie jeder gute Film hat auch „Hellboy 2“ eine Moral. Vielleicht etwas oberflächlich, aber dennoch präsent: Bewahr deine Träume.
Fazit
Der mexikanische Regisseur Guillermo Del Toro ist endgültig in Hollywood angekommen. „Hellboy 2: Die goldene Armee“ ist ein spannendes und sarkastisches Fantasy-Abenteuer, dass zwei unterhaltsame Kinostunden garantiert. Die Actionszenen sind abwechslungsreich, aber nur grundsolide inszeniert. Wer hier neue Ideen wie in „Matrix“ oder „300“ erwartet, wird nicht ganz so begeistert sein. Vor allem eine überzeugende Hauptfigur, mehrere witzig-melancholische Momente und die Bildideen des Regisseurs lassen diese Mängel und die vorhersehbare Story aber vergessen. Der Spaßfaktor hat aber seinen Preis, denn Hellboy ist deutlich massentauglicher geworden. Das wird allerdings nur die Fans des „frühen“ Del Toro von „Cronos“ oder „The Devil´s Backbone“ enttäuschen, denn böse und morbide wird der Film nie. Der Rest der Zuschauer genießt eines der besten Fantasy-Abenteuer des Jahres. Und Barry Manilow.