Der Highlander soll wiederkommen, Rambo hat´s schon getan, und jetzt eben Indy. Die alten Helden sind wieder in und Hollywood wittert eine neue Goldgrube. Nur ist es mit der Nostalgie so eine Sache - alte Fans dürfen nicht verprellt und neue müssen ins Kino gelockt werden. Das ist ein schmaler Grad, aber glücklicherweise heißt der Regisseur Steven Spielberg.
Familienausflug im Dschungel
„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ spielt 1957, knapp 20 Jahre nach den ersten drei Filmen. Es herrscht kalter Krieg und Amerikaner und Russen überbieten sich in Wettrüsten und Spionage. Henry „Indiana“ Jones, Abenteurer, Archäologe und Teilzeit-Professor, steckt in Schwierigkeiten. Gerade hat er eine Atombombenexplosion im Kühlschrank überlebt, wird von der Regierung des Kommunismus verdächtigt und muss nun im Dschungel seinen alten Freund Oxley aus den Fängen der bösen russischen Wissenschaftlerin Dr. Irina Spalko befreien. Oxley hat nämlich das Rätsel um das Königreich des Kristallschädels gelöst, das dem Entdecker unglaubliche Macht verleihen soll. Dumm nur, dass er dabei den Verstand verloren hat. Also setzt Indy seinen Hut auf, packt die Peitsche ein und kämpft gegen böse Russen, Killerameisen und Indios. Bei der Gelegenheit trifft er auch auf seine alte Liebe Marion und die hat noch eine Überraschung parat: Indys unehelichen Sohn Mutt!
Nostalgie pur
Damals in den 80ern waren die Indiana-Jones-Filme ein Phänomen. Regisseur Steven Spielberg und Produzent George Lucas mixten ihre Hommage an die Cliffhanger-Serials der 30er Jahre mit Genrezitaten, rasanten Verfolgungsjagden und Mystik. Dabei war der Held ganz anders als die üblichen amerikanischen Supermänner wie Rambo, denn Indiana Jones stolperte immer dank seiner kindlichen Neugier in das Abenteuer und musste improvisieren. In diesen Momenten blitzte dann so etwas wie Anarchie auf. Die Gesetze der Logik wurden außer Kraft gesetzt und auf einmal war im Actionkino alles erlaubt – „Anything goes“. So überstand Indiana Jones tosende Wasserfälle, kämpfte gegen Horden böser Nazis und überlebte wilde Verfolgungsjagden. Gott sei Dank hat er all diese Tugenden auch in seinem neuesten Abenteuer nicht verlernt.
Klassisches Actionkino
Allein schon die erste Sequenz wäre in so manch anderen Filmen das Finale. Auch wenn unser Archäologe schon ziemlich in die Jahre gekommen ist, gelingt ihm die Flucht vor ein paar Russen im Raketenantrieb und mit abschließender Atomexplosion. Das hat Witz, Charme und Spannung, kurz alles, was Indiana Jones auszeichnet. Steven Spielberg zeigt hier noch einmal großes klassisches Action-Kino ohne übertriebene Computereffekte. Die Darsteller geben dabei ihr Bestes und Harrison Ford zeigt, dass er mit 66 Jahren immer noch einer der ganz Großen in Hollywood ist. Der Durchbruch dürfte aber Shia LaBeouf gelingen, der Indys Sohn Mutt spielt. Vater und Sohn geben besonders in der ersten Hälfte ein Traumpaar ab, gespickt mit viel Selbstironie. Kein Wunder, dass LaBeouf als einer der ganz großen kommenden Stars gehandelt wird.
Ganz der Alte
Das Einzige was man dem Film vorwerfen muss, ist die fehlende Abwechslung. Alle drei großen Action-Sequenzen sind Autoverfolgungsjagden und egal wie gut sie choreographiert sind – man hat das alles schon zu oft gesehen. Noch dazu bleibt alles beim Alten, Indy fährt in exotische Länder und bekämpft die gleichen Gegner, nur dass es diesmal die Russen sind. Den Unterschied zu den Nazis kann man in diesem Fall vernachlässigen. Aber geschenkt. Der vierte Film um den Mann mit Hut und Peitsche ist ein würdiger Nachfolger, auch wenn er alles andere als perfekt ist. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist unterhaltsames Abenteuer-Kino für die ganze Familie.