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Special: Inglourious Basterds: Inglourious Basterds

Diese Kombination wäre vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen: Ein Regisseur wie Quentin Tarantino dreht einen Film über den zweiten Weltkrieg. “Inglourious Basterds“ ist genau diese Mischung... oder zumindest sieht sie auf den ersten Blick so aus, denn dies ist nicht der zweite Weltkrieg, wie wir ihn aus den Geschichtsbüchern kennen. Es ist eine Persiflage, ja beinahe eine Groteske,

  20.08.2009   18 Kommentare   4815 Klicks
Special: Inglourious Basterds 0,0 0

 

Special: Inglourious Basterds

Kill Hitler

Special: Inglourious BasterdsDiese Kombination wäre vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen: Ein Regisseur wie Quentin Tarantino dreht einen Film über den zweiten Weltkrieg. “Inglourious Basterds“ ist genau diese Mischung... oder zumindest sieht sie auf den ersten Blick so aus, denn dies ist nicht der zweite Weltkrieg, wie wir ihn aus den Geschichtsbüchern kennen. Es ist eine Persiflage, ja beinahe eine Groteske, allein wie Tarantino Hitler und Goebbels zeigt. Auf dem Papier hört sich die Handlung noch „normal“ an (mittelschwere Spoiler bis Ende des nachfolgenden Absatzes): Irgendwo im Nazi-besetzten Frankreich stöbert Oberst Hans Landa, der landläufig als Judenjäger bekannt ist, die Familie Dreyfus auf. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung macht Landa kurzen Prozess und lässt sie allesamt erschießen, bis auf Shosanna, der ältesten Tochter, die panisch flüchtend überlebt. Parallel dazu trommelt Leutnant Aldo Raine einen Haufen Soldaten zusammen, um als Basterds auf Nazijagd zu gehen. Aufgrund der Gräueltaten der Deutschen seien Erbarmen und Zurückhaltung fehl am Platze. Im Gegenteil: Raine fordert von jedem seiner Mannen mindestens 100 Nazi-Skalps.

Kurz darauf springt der Film drei Jahre in die Zukunft. Shosanna hat eine neue Identität als Kinobetreiberin, als sie von dem berühmten Scharfschützen und kommenden Schauspielstar Frederick Zoller angemacht wird. Der ist sich ihrer Identität nicht im Klaren und spinnt halb blind vor Liebe folgenden Plan zusammen: Der Film “Stolz der Nation“, in dem er selbst in der Hauptrolle seine eigenen Heldentaten darstellt, soll in Shosannas Kino und somit mitten in Frankreich uraufgeführt wird. Der gesamt Führungsstab der NSDAP würde sich das Werk anschauen, inklusive Goebbels und Hitler. Das bekommen auch die Basterds mit, weshalb sie hier ihre Chance sehen, die obersten Drahtzieher des deutschen Reiches auf einen Schlag zu töten und somit den zweiten Welktrieg endgültig zu beenden. Mehr verrate ich nicht.

Sauerkraut-Western

Special: Inglourious BasterdsWer einen Film von Quentin Tarantino gesehen hat, der weiß, dass der Mann einen ungebremsten Hang für abstruse, überzogene Gewaltdarstellungen besitzt. Davon ist auch “Inglourious Basterds“ gezeichnet, was jeder Zuschauer bei der ersten Skalpierungsszene in Großaufnahme realisiert. Diese Anlehnung an die Zeiten des Wilden Westens ist nicht die einzige: Die Titelmelodie peitscht die Stimmung mit typischer Westernmusik auf, die Basterds bestehen durchweg aus obercoolen Typen, die das Wort Angst nicht kennen, und der ursprüngliche Filmtitel “Once upon a time in Nazi-occupied France“ sollte sichtlich eine Hommage an Sergio Leones Amerika-Trilogie darstellen.

Ein weiteres Merkmal seitens Tarantino sind ausufernde Dialoge über oftmals trivialen Nonsens oder übertrieben lang dargestellte Szenen, die einen Spannungsbogen bewusst überspitzen. Hier wird dem Amerikaner immer häufiger vorgeworfen, dass er es übertreibe. Auch in “Inglourious Basterds“ gibt es Szenen, die zu langatmig wirken (Stichwörter “Ratte und Eichhörnchen“, “King Kong“ oder der Auftritt des “Bärenjuden“). All diese mögen im Ansatz belustigend sein, bergen aber am Ende die Gefahr, die Nerven des Kinobesuchers zu strapazieren.

Die meisten Charaktere sind überzogen und stereotypisch dargestellt, was jedoch eine Kombination ist, die Tarantino beherrscht. So auch hier: Die Basterds sind brutale, zynische, erbarmungslose Killerwesen, denen das Schlachten von Nazis sichtlich Freude bereitet. Shosanne spielt das unschuldig aussehende Mädchen, die gepeinigt vom Schmerz der verlorenen Familie auf Rache aus ist. Die Nazis werden zynisch ins Lächerliche gezogen, allen voran Hitler und Goebbels verkommen zu Figuren, die man in der dargestellten Form eher als Volldeppen anstatt Machthaber bezeichnen möchte. Gleichzeitig wird der Rassenhass nicht verunglimpft, sondern stets ernst genommen, sobald er zur Sprache kommt. Somit schafft Tarantino den bestmöglichen Drahtseilakt, den er für einen vorrangig als lustig zu bezeichneten Film mit dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges auch benötigt: Er karikiert die Nazis, nicht jedoch deren Taten.

Zwei Figuren stechen in dem Gesamtbild besonders heraus: Aldo Raine, gespielt von Brad Pitt, wirkt weniger wie ein Mensch als wie eine Comicfigur. Pitt spielt dabei völlig überzogen, in dem er ständig seine Augen zusammenkneift, einen lächerlichen Schnurrbart trägt und in jeder noch so verqueren Situation seine coolen Sprüche auspackt. Das Bizarre daran ist, dass es funktioniert... solange euch nicht eure Moralvorstellungen plagen. Überhaupt solltet ihr diese ganze Geschichte nicht einen Meter ernst nehmen, egal wie seriös das Umfeld auch sein mag. Praktisch alle wichtigen Figuren sind von Grund auf böse, korrupt oder auf Blutrausch ohne Kompromisse aus. Bei Tarantino gibt es eben kein Schwarz und Weiß, sondern eher ein Schwarz und Dunkelschwarz.

Christoph Waltz, Academy Award Nominee?

Special: Inglourious BasterdsDie andere Figur, die sich massiv von den anderen unterscheidet, ist Oberst Hans Landa. Von seinem leicht größenwahnsinnigen Gehabe gegen Ende abgesehen, macht sie mit Abstand den glaubwürdigsten Eindruck. Er ist der einzige Nazi, vor dem man als Zuschauer Angst bekommt und den man das Allerschlimmste an den Hals wünscht. Seine zunächst harmlosen Diskussionsanfänge entwickeln sich rasch zu unangenehmen Befragungen und unmissverständlichen Drohgebärden. Nicht nur die oft hervorragend geschriebenen Sätze seitens Tarantino machen Landa so außergewöhnlich, sondern noch mehr die schauspielerische Leistung seitens Christoph Waltz, die dahinter steckt. Ohne die anderen Beiträge von Cannes gesehen zu haben: Den Schauspielerpreis, den er vor einigen Monaten erhalten hat, ist redlich verdient. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass es die mit Abstand beste Leistung innerhalb eines Filmes aus dem Jahre 2009 ist, die ich bislang gesehen habe.

Das soll das Können seiner Kollegen nicht schmälern: Vor allem Diane Krüger als Bridget Von Hammersmark, August Diehl als Major Dieter Hellstrom und, kein Scherz, Til Schweiger als Hugo Stiglitz habe ich herausragend in Erinnerung. Letzteres liegt zugegeben an der ziemlich kaputten Rolle, die sich Quentin Tarantino für den in Gießen aufgewachsenen Mann ausgedacht hat. Weniger gefallen haben mir Daniel Brühl, der den ruhmreichen Frederick Zoller einen Tacken zu steif spielt, sowie Eli Roth, der als Baseballschläger schwingender “Bärenjude“ trotz des ebenfalls krassen Charakterbildes einen austauschbaren Eindruck macht.

Bei den meisten Szenen war ich mir schnell im Klaren darüber, ob ich sie mag oder nicht. Das Finale wiederum gehört zu den seltenen Beispielen, die ich nach einmaligen Ansehen absolut nicht einschätzen kann. Ohne zu viel zu verraten: In der vorletzten Szene zeigt Tarantino ein wahrlich überspitzt dargestelltes Massaker, das nicht jedem gefallen wird und was auch einigen Vertretern der jüdischen Gemeinschaft überhaupt nicht schmecken dürfte. Einen Tropfen mehr und er hätte es definitiv mit der Darstellung des puren Wahnsinns übertrieben. Die allerletzte Szene wiederum ist ohne Frage gelungen, auch wenn sie den Film etwas abrupt beendet.

Der offizielle Trailer

Der offizielle Kinofilmtrailer...

Kritik

Special: Inglourious BasterdsIch bezeichne mich gerne als rationaler Quentin Tarantino Fan: “Pulp Fiction“ ist ein Geniestreich ohne Gegenbeispiel... trotzdem hätte auch ich “Forrest Gump“ den Oscar gegeben. “Kill Bill“ macht Spaß ohne Ende... “Reservoir Dogs“ fand ich eher langweilig. “Inglourious Basterds“ ist kein Kandidat für “Motion Picture of the Year“, aber unterm Strich ein verdammt gut gemachter Film. Wichtige Vorraussetzung ist, dass ihr das Thema versteht: Auch wenn hier zweiter Weltkrieg draufsteht, ist eher eine bizarre Mischung aus dem dritten Reich, überzogen dargestellten Karikaturen real existierender wie fiktiver Personen und einem stattlichen Hauch von Western heraus gekommen. Letzteres wird vorrangig durch die Art der Basterds, der Skalpierungsidee sowie der Titelmusik getragen. An Moral ist nicht zu denken, denn selbst die „Guten“ sind vollgetränkt mit niederträchtigen Rachegedanken der Marke „Nazis töten macht Spaß!“. Blutig und eklig wird es zuweilen auch, allerdings gab es in „Kill Bill“ Krasseres zu sehen.

Ein paar Szenen sind typisch Tarantino-mäßig zu lang. Dort kommt ihr nicht um das Gefühl herum, dass hier der gute Quentin seinen eigenen Dickkopf durchsetzt und auf die Meinungen anderer auch in 1000 Jahren nicht hören würde. Das extrem dargestellte Massaker gegen Ende ist so krass, dass ihr am liebsten lachen möchtet... nur das gleichzeitig aufgrund des Gezeigten euch dieses Lachen im Halse stecken bleibt. Dem gegenüber steht ein hervorragendes Casting, egal ob auf deutscher, französischer, englischer oder amerikanischer Seite. Christoph Waltz sticht immens heraus und kann mit etwas Glück auf eine Oscar-Nominierung hoffen. Für mich ist er schon jetzt der diesjährige schillernde Überbösewicht, wie vor zwei Jahren Javier Bardem als Anton Chigurh in “No Country for Old Men“ oder letztes Jahr Heath Ledger als Joker in “The Dark Knight“.

Erwartet keinen Realismus. Nehmt einen ernsten Kriegsfilm und stellt euch vor, wie Tarantino das gleiche Szenario in einer Art Parallelwelt auf seine typisch abstruse, bizarre, überzogene und Moral verachtende Art karikieren würde. Dann habt ihr „Inglourious Basterds“.

Kommentare

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RvRlover
von RvRlover | 21.06.2011, 01:38 Uhr
Guter durchschnitt, aber es zeigt das Tarrantino wegen alter Klassiker überbewertet ist.
Catgirl
von Catgirl | 28.12.2009, 03:01 Uhr

Den Film schau ich mir auch demnächst an, allein schon wegen den Schauspielern.. hab den Trailer mal jemanden gezeigt der leider ein wenig rechts gesinnt ist, der ist daraufhin voll aggro geworden *hust*

tremors
von tremors | 14.10.2009, 21:26 Uhr

jo tarantino ist der beste....hahahahah xD

ShadowStalker_GES
von ShadowStalker_GES | 13.10.2009, 22:49 Uhr

Ich hab den Film auch angeguckt und muss sagen, dass ich ihn zwar an sich ganz gut finde, aber zum Teil einfach Geschmacklos, vor allem immer in dem Moment, wenn die Truppe um Brad Pitt aufkreuzt.  Aber das ist eben Quentin Terentino... Großartig fand ich den Charakter Landa (nicht wegen seiner Ansichten) sondern wegen seiner Komplexität und seinen Anspielungen, ich sage nur "Milch" Herrlich! ...

belab
von belab | 10.09.2009, 08:55 Uhr

ich habe ihn mir am dienstag auch angeschaut und fand ihn auch richtig klasse. ich hatte zwar am anfang was anderes erwartet, aber zum glück wurde dies nicht erfüllt. am besten war wirklich christoph waltz.

Gugo
von Gugo | 24.08.2009, 20:53 Uhr
Boah, ich hab ihn inzwischen auch gesehen, und sage: boah.. so geil ^^ Manchmal stirbt man fast vor lachen, dann wird der film wieder ernst. der film ist super. aber muss auch sagen, teilweise sind 16 jahre ein bisschen wenig, 18 wär wahrscheinlich besser, aber dann wär ich nicht rein gekommen ^^
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