Dies ist nicht der brutalste Film aller Zeiten, das gleich vorweg und allen YouTube-Teaser-Trailern zum Trotz. Das liegt weniger an der geschnittenen deutschen Version, als an der Einfältigkeit, mit der Sylvester Stallone seine 80er Jahre-Ikone hoffentlich endgültig in Rente schickt. Nach dem ganz passablen „Rocky Balboa“ hatte man ja gehofft, dass „Sly“ auch hier zu seinen Wurzeln, also zum ersten „Rambo“ zurückkehren würde, doch weit gefehlt. „John Rambo“ ist eine Rückkehr zum einfach gestrickten Action-Kino der 80er Jahre, das ohne den bekannten Namen wahrscheinlich im hintersten DVD-Regal gelandet wäre, gleich neben Chuck Norris oder Jean-Claude VanDamme.
Die Story
John Rambo muss eine Gruppe christlicher amerikanischer Entwicklungshelfer aus einem Gefangenenlager in Birma befreien. Dabei gibt es Tote. Das war´s.
Alte Helden
Der erste „Rambo“, im Original „First Blood“, ist einer der besten Action-Filme der 80er Jahre. Nicht nur weil er einen einsamen Helden einen scheinbar ausweglosen Kampf führen lässt, sondern auch weil er die Geschichte eines traumatisierten Vietnam-Soldaten erzählt, der in die Heimat zurückkehrt und dort vor dem Nichts steht. Diese Sozialkritik verflachte danach immer mehr. Rambo befreite Kameraden aus Vietnam und kämpfte an der Seite der Taliban (!) gegen die Russen. Aus dem psychisch-labilen Helden wurde das Sinnbild für einen muskelbepackten Kraftprotz, der für Amerika die Kriege gewann. Das schlechte Gewissen einer Nation wurde assimiliert, wenn man so will. Mit 61 Jahren schickt Stallone nun seinen Helden zurück in die Schlacht, wieder in ein Krisengebiet und wieder gegen Bösewichte gegen die jedes Mittel erlaubt ist. „Töten ist wie Atmen“ - nach diesem Motto mordet sich der Kriegsveteran durch die Reihen, mit dem Messer, der Pistole oder der MG.
Knietief in Leichen
Stallone war immer dann am besten, wenn er einfache Leute spielte, wie natürlich als Rocky Balboa oder in „Copland“, als er Mut zu Hässlichkeit bewies und sich etliche Pfunde anfutterte. Jetzt hat er auch ordentlich zugelegt, was natürlich symbolträchtig die Nähe zwischen Mensch und Tier unterstreicht, andererseits aber auch an den ausgiebigen Testosteron-Behandlungen liegen mag, die Stallone ja auch gern öffentlich preist. Wie dem auch sei, jedenfalls kommt Stallone immer schnell zur Sache. Das kann für einen Kriegsfilm durchaus von Vorteil sein, wenn man auf den Massengeschmack pfeift und gleich zu Beginn abgerissene Gliedmaßen und aufspritzende Blutfontänen zeigt. Allerdings heben sich gute Filme diese Spitzen auf und setzen sie dramaturgisch ein, wie in „Departed“. In „John Rambo“ schocken nur die ersten knapp 20 Minuten. Danach ist es relativ egal, wie alle sterben, Rambo passiert sowieso nichts. Es mag interessant sein zu wissen, wie es aussieht, wenn eine Kugel den halben Kopf zerfetzt, nur wird das beim zehnten Mal langweilig. Wenn es jemals einen besseren Beweis dafür gegeben hat, dass mehr Gewalt im Film nicht gleich mehr Realismus bedeutet, dann hier.
Spart das Geld
Dass der Film nicht nur schlecht, sondern auch ärgerlich ist, liegt nicht allein an den sinnlosen Gewaltexzessen, dem Fehlen guter Actionsequenzen oder unfreiwillig komischen Dialogen, sondern auch daran, dass Stallone das Leid eines Volkes benutzt, um seine platten Lebensweisheiten zu verbreiten. Ihm geht es nämlich gar nicht darum, Missstände aufzudecken und Menschen gegen das Regime in Birma aufzurütteln, sondern nur darum, seinem Helden einen standesgemäßen Abgang zu verschaffen. John Rambo will nämlich einfach nur nach Hause. Ab der Hälfte des Films hat die Kamera dann auch kaum noch Interesse an den Einheimischen, sondern nur noch an Rambo und den flüchtenden Amerikanern. So gesehen ist der Film dann doch wieder bei den Wurzeln - der Geschichte eines Vietnamveteranen. Hier wird Völkermord als Mittel zum Zweck eingesetzt.
Kurz gesagt, spart euer Geld für bessere Filme. In den nächsten Wochen gibt es genug Alternativen. Spannende Action in „8 Blickwinkel“ oder intelligente Thriller wie „No Country for Old Men“. Alle sind besser als “John Rambo”.