3D ist in. „Avatar“ und „Alice“ sind die größten Kassenknaller des Jahres und es ist kein Wunder, dass jedes größere Filmstudio auf diese Technik setzt. Durch die höheren Ticketpreise fließt mehr Geld in die Kassen und macht aus mittelmäßigen Filmen echte „cash cows“.
3D aus zweiter Hand
Das Kuriose an „Kampf der Titanen“ ist, dass der Film nie als 3D- Spektakel geplant war. Vielmehr entschlossen sich die Warner Filmstudios erst kurz vor dem Filmstart zu einer so genannten 3D-Conversion. Dank digitaler Technik ist es nämlich möglich, einen Film nachträglich mit 3D-Effekten zu „verschönern“. Dumm nur, wenn bei den Dreharbeiten niemand darauf wert legte. Da mag es noch so technisch perfekt sein, wenn riesige Kolosse ins Meer stürzen oder Monster aus der Erde kriechen – dreidimensional ist daran nichts. Die Kamera bleibt auf Distanz und die kargen Schauplätze bieten kaum Möglichkeiten für räumliche Tiefe.
“God of War” als Film?
“Kampf der Titanen” ist das Remake eines gleichnamigen Films aus den 80ern. Schon dieser gilt nicht gerade als Meisterwerk, aber als „guilty pleasure“: Ein Film, den man sich nur nachts mit guten Freunden, Chips und Alkohol anschauen kann. So hat dieser Film Kultstatus erreicht und bei dem Plot denken Gamer sofort an „God of War“: Der Halbgott Perseus macht sich auf, um die Menschen vor den überheblichen Göttern zu schützen. Mit dabei sind eine Handvoll auserwählter Krieger und eine geheimnisvolle Schönheit. Auf seiner Odyssee trifft Perseus auf diverse Monster aus der griechischen Mythologie bis er schließlich Hades, den Gott der Unterwelt zum Duell fordern kann.
Mitleid mit den Darstellern
Der Darstellerriege ist beeindruckend: Sam Worthington („Avatar“) als Perseus, Liam Neeson als Zeus und Ralph Fiennes als Hades. Nur scheint keiner dieser Darsteller besondere Lust an ihren Rollen zu haben. „Augen zu und durch“ war wohl das Motto am Set. Am besten schneidet noch Worthington ab, wenn er mit seiner physischen Präsenz durch die Gegner fegt und auch Mads Mikkelsen als Elitekrieger Draco ist zumindest ein würdiger Heldentod gegönnt. Merkwürdig: Ein gestandener Mimen wie Danny Huston („Wolverine“) darf als Meeresgott Poseidon nur einen Satz sagen. Das verwundert vor allem deswegen, weil am Anfang vom Konflikt der Götter Zeus, Hades und eben Poseidon berichtet wird. Es scheint fast so, als ob beim Filmschnitt so einiges gekürzt wurde.
Action von der Stange
Aber egal – was kümmern uns Götter, die im Olymp mit schlechten Frisuren über eine „Civilization“-Map wandern? Bei diesem Plot muss es die Action richten! Und ja, ab und zu blitzt ein wenig „God of War“-Feeling auf. Der Kampf gegen die Medusa ist packend und der Angriff des Kraken, eines riesigen Titanen, spektakulär. Aber das sind Ausnahmen, die Handlung plätschert so dahin und jeder Zuschauer weiß sowieso, wie es ausgeht. Ständig wünscht man sich mehr von diesen „over-the-top“ Action-Szenen oder zumindest mehr Ironie, damit das Pathos erträglicher wird. Kurz, etwas mehr Kratos anstatt Shakespeare light.
Das Spiel
Das Spiel zum Film erscheint erst Ende Mai für Xbox 360 und PS3. Der japanische Entwickler Game Republic verspricht ein „God of War“ ähnliches Spielerlebnis. Als Perseus metzelt ihr euch durch die griechische Mythologie und kämpft mit Minotauren, der Schlangenkönigin Medusa und Riesenkraken. Erste Trailer zum Spiel versprechen viel Action, können aber zumindest grafisch nicht mit „God of War 3“ mithalten. Es bleibt abzuwarten, ob die zusätzliche Entwicklungszeit dem Spiel gut tut, oder ob es am Ende wieder mal eine Enttäuschung wird – was aber im Hinblick auf den Film schwierig sein dürfte.
Filmkritik
„Kampf der Titanen“ von Louis Leterrier ist eine 3D-Mogelpackung. Jeder Zuschauer kann sich getrost den Aufpreis sparen und sich lieber die „normale“ Kinofassung ansehen – wenn überhaupt. Nichts an diesem Film ist in irgendeiner Form besonders, weder Action, Effekte oder Handlung. Regisseur Leterrier inszeniert die Göttersaga so brav und konventionell, dass man sich schon bald mehr Blut und Ironie wünscht, um die dröge Handlung aufzupeppen. Die Götterwelt des Olymp ist albern inszeniert und die Darsteller wirken in ihren Masken unfreiwillig komisch. Als netter Trash-Film hätte es vielleicht etwas werden können, doch stattdessen können sich die Macher nicht zwischen pathetischer Action im Stil von „300“ oder Sandalenfilm entscheiden. Mein Tipp: Kramt lieber noch mal „God of War“ für die PS 2 hervor. „Kampf der Titanen“ sollte man dagegen ganz schnell vergessen.