Hollywood hält wenig von Videospielern. Anders ist es nicht zu erklären, dass es außer „Silent Hill“ kaum eine überzeugende Spielverfilmung gibt. Jetzt hat es auch Kult-Detektiv Max Payne erwischt. Regie führte der eher unbekannte John Moore.
Die Story
Der Polizist Max Payne will Rache. Vor drei Jahren wurden seine Familie ermordet, aber noch immer läuft der Täter frei herum. Durch Zufall stößt sein alter Freund und Kollege Alex auf einen Zusammenhang zwischen einem aktuellen Mord und Paynes Familientragödie. Da wird Alex ermordet und Max wird zum Hauptverdächtigen. Zusammen mit der geheimnisvollen Mona Sax und seinem Freund BB macht sich Max auf die Jagd nach dem wahren Täter. Die Spur führt Max zu „Aesir“, einem Pharmakonzern für den seine Frau arbeitete. Aesir hat ein Medikament erfunden, das Soldaten unbesiegbar macht und Max muss sich seinem größten Feind stellen. Doch einer seiner Freunde spielt falsch…
Die Filmstory basiert im Wesentlichen auf dem gleichnamigen Computerspiel aus dem Jahr 2001 von Remedy. Auch da ging es um einen Cop auf Rachefeldzug, eine Designerdroge und brutale Gangster. Das Spiel war stilbildend und Kult. Der Film wird es nicht.
Stil ohne Inhalt
Schon das Spiel machte deutliche Anleihen am Film-Noir der 30er und 40er Jahre. Und das ist auch das Einzige, was von Moores Film übrig bleibt: Kalte, entsättigte Farben und ständiger Regen. Der Regisseur zeigt eine düstere Welt, in der es mehr Tag als Nacht ist und die Menschen entweder Junkies oder Verbrecher sind. In den ersten Minuten blitzt deswegen so etwas wie Hoffnung auf, dass aus dieser Spielverfilmung vielleicht doch etwas wird. Aber dann beginnen die Figuren zu reden und die Handlung beginnt. Payne stellt erst nach Jahren die Fragen, die jeder Polizist sofort stellen würde und kombiniert langsamer als Derrick. K.I. mangelhaft. Es dauert lange, bis es zu einer ersten Actionszene kommt und überhaupt ist Tempo, Spannung oder Action spärlich gesät in einem Film, der sich schließlich als Action-Thriller verkauft. Was folgt sind ein paar Zeitlupenaufnahmen, mehr nicht. Nur manchmal, wenn der Regisseur auf Details achtet und das laute Ticken der Uhr den Rhythmus vorgibt, dann kommt die Spannung auf, die man sonst vermisst.
Großartig ist das Finale. Max ist auf Droge und stellt sich seinen eigenen Dämonen vor einer bildgewaltigen Alptraumkulisse. Fast wirkt es so, als wäre der Film nur für diesen Showdown inszeniert worden. Da hat der Film Klasse und Stil. Dumm nur, dass es bei einer Momentaufnahme bleibt, denn das Ende kommt unvermittelt. Die angedeutete Fortsetzung nach dem Abspann dürfte nur wenige Zuschauer zurück ins Kino locken.
Max auf verlorenem Posten
So ernst wie Moore seine Version wohl sieht, so albern sind die Figuren und die Geschichte. Drama ist in diesem Film nur eine Behauptung. Am besten macht es noch Mark Wahlberg in der Titelrolle. Sein Gesicht ist eine Maske, mit der er seine wahren Gefühle verbirgt. Zumindest spürt man das Leid, das Max quält. Außer bei Max bleiben der Hintergrund und die Probleme der anderen Figuren unklar. Wer ist Mona? Eine Killerin? Oder doch nur Staffage? Aus der charismatischen Anti-Heldin des Spiels ist ein „Payne“-Girl geworden, dessen Schicksal den Zuschauer kalt lässt. Das liegt zum einen am Drehbuch, aber zum anderen an der Schauspielerin Mila Kunis. Sie ist hübsch, aber austauschbar und der Zuschauer fragt sich unwillkürlich, warum es außer Angelina Jolie keine überzeugende Action-Film-Heldin gibt.
Fazit
„Max Payne“ hinterlässt einen äußerst zwiespältigen Eindruck. Einerseits beeindruckt der Film mit stilvoller Film-Noir-Atmosphäre und andererseits enttäuschen Drehbuch und Figuren. Die Handlung ist vorhersehbar und die Action mau. Das ist umso bedauerlicher, weil die Computerspielvorlage ein Meilenstein war. Selten zuvor wurden dort Action, Originalität und eine spannende Story zu einem echten Spieleklassiker verknüpft. Moores Film ist dagegen ein B-Picture. Immer noch besser als ein Boll, aber meilenweit von der Vorlage entfernt.