
Star Trek ist out. Nach Jahrzehnten des SF-Fernsehmonopols wurden die Fans immer weniger. Zuletzt dürften sich wahrscheinlich nur Physikstudenten und Mama-gebundene IT-Spezialisten für die Geschichten um das Raumschiff Enterprise, spitze Ohren und Gagh interessiert haben. Das soll sich jetzt ändern: Jeffrey Jacob Abrams, der Kopf hinter „Lost“ und „Cloverfield“, soll das Schiffswrack wieder auf Kurs bringen. Altgediente Fans müssen sich deshalb auf einige Veränderungen gefasst machen.
Die Story
Das neue „Star Trek“-Abenteuer beginnt mit einem Knall: Die U.S.S. Kelvin wird am Rande des Universums von einem riesigen romulanischen Raumschiff überrascht und zerstört. Nur durch das heldenhafte Opfer von Captain George Kirk kann ein Großteil der Besatzung gerettet werden. Kurz vor seinem Tod kann er noch erleben, wie auf einem Rettungstransporter sein Sohn James Tiberius geboren wird. Die Jahre vergehen und während James zu einem rebellischen Jugendlichen heranwächst, ist auf dem Planeten Vulkan der talentierte junge Spock den Schikanen seiner Mitschüler ausgesetzt. Für sie ist er kein echter Vulkanier, weil seine Mutter ein Mensch ist.
Trotz dieser Hindernisse kommt es, wie es kommen muss und beide landen bei ihrem ersten Einsatz auf der Enterprise. Das geheimnisvolle Romulaner-Schiff mit Kapitän Nero taucht wieder auf und lockt einen Großteil der Konföderations-Flotte in die Falle. Am Ende liegt es an Kirk, Spock und der bekannten Crew der Enterprise, das Geheimnis zu lösen. Nero kommt nämlich aus der Zukunft und will Rache für den Untergang seines Volkes. Und Spock ist daran nicht ganz unschuldig.
Strg+Alt+Entf
Der erste Eindruck: Typisch, wieder eine Zeitreise-Story. Der zweite Eindruck: Alles ist anders. Regisseur Abrams ist bekennender Nicht-Trekkie und hat die angerostete Enterprise generalüberholt. Zugegebenermaßen haben seine Drehbuchautoren für die Veränderungen eine ziemlich „billige“ Erklärung parat, denn schuld ist mal wieder eine Verzerrung im Raum-Zeit-Kontinuum. Überhaupt schlägt das Drehbuch die ein oder andere waghalsige Kapriole und lässt nach einem starken Anfang deutlich nach. Als Betrachter muss dann unweigerlich an den Fernsehmann Abrams denken, der offensichtlich nach 45 Minuten die Lust verloren hat. Irgendwann ist alles egal: Story, Figuren oder Logik, Hauptsache es knallt.
Die „Neuen“
Besonders gelungen ist dagegen die Wahl der neuen Darsteller. Chris Pine als Kirk oder Zachary Quinto als Spock lassen die „alte Garde“ fast vergessen. Das liegt auch daran, dass die Drehbuchautoren sich in der ersten Hälfte viel Zeit für die Entwicklung dieser Figuren nehmen. Das ist eigentlich Standard, aber für Fans der Serie dürfte das neu sein. Zoe Saldana bringt als Uhura sogar etwas Romantik ein, nur nicht so, wie man es sich vorgestellt hätte. Lediglich Simon „Shaun of the Dead“ Pegg kommt als Scotty etwas zu kurz. Auf eines sollte sich aber jeder gefasst machen: Keine Klingonen weit und breit.
Absolut gelungen sind die Spezialeffekte und hier merkt man, dass eine ausgedehnte Postproduction Wunder bewirken kann. Im Gegensatz zu „Wolverine“ stimmt hier alles: Packende Raumschlachten, implodierende Planeten und Eismonster. Lediglich das Artdesign kann da nicht ganz mithalten, denn der Maschinenraum der Enterprise wirkt wie eine Fabrikhalle und die Masken der Aliens könnten aus „Star Wars“ stammen. Allerdings dem „Star Wars“ aus den 70ern.
Kritik
„Star Trek“ ist ein modernes SF-Abenteuer geworden. Das heißt vor allem Spektakel, coole Helden und ein logikfreies Drehbuch. „Lost“-Erfinder Abrams hat deutlich Schwierigkeiten, den Witz und die Spannung der ersten Hälfte zu halten. Die einzige Pointe im Film ist schnell erraten und das Ende bestenfalls Durchschnitt. So ist der Film in seinen besten Momenten „nur“ eine solide Fernsehepisode. Fans rasanter Action kommen deswegen eher auf ihre Kosten.
Die neue alte Crew ist dagegen hervorragend besetzt. Sicher werden Fans der Originalserie immer etwas zu meckern haben, aber wie Pine&Co. die Aufgabe meistern, ist schon bemerkenswert. Die kleinen Referenzen an das Original sind gelungen. Besonders wenn Pine in der vorletzten Szene William Shatner nachahmt, kommt Schmunzeln auf. Das macht Lust auf mehr.