Die Geschichte ist ein wirrer, provokativer Zitatenmix: Baby Doll (Emily Browning) wird von ihrem Stiefvater in ein Sanatorium eingewiesen und soll dort lobotomisiert werden. Bevor das geschieht flüchtet sie sich in Gedanken in eine Fantasiewelt, in der sie als Stripperin arbeitet und sich mit den Kolleginnen Sweat Pea (Abbie Cornish), Rocket (Jena Malone), Amber (Jamie Chung) und Blondie (Vanessa Hudgens) anfreundet. Als es ihr auch dort zu gefährlich wird, bietet ihr ein geheimnisvoller alter Mann (Scott Glenn) eine Lösung an: Wenn Baby Doll fünf Dinge beschafft, kann sie fliehen. So geht es wieder eine Traumebene weiter und nun kämpft sie mit ihrer Girlieband als Supersoldatin gegen Steampunk-Nazis, Drachen und Samurai. Dazwischen springt die Handlung im Inception-Stil hin und her, um das dünne Storygerüst in die Länge zu ziehen.
Durchgeknallte Action-Fantasy
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“Es trifft dich unvorbereitet“ – so der Slogan des Films. Snyder will es allen zeigen und inszeniert das erste Mal eine eigene Story. In seinen besten Momenten wirkt der Film wie ein feuchter Nerdtraum mit zahlreichen Zitaten aus Film, Comic und Videospiel. Die Nazis sehen aus wie die Helghast aus Killzone, die Schwertkämpfe könnten aus Kill Bill stammen und die Zugsequenz gegen Ende erinnert an irgendeinen Schlauchlevel aus Gears of War. Optisch kann man als Zuschauer nicht meckern, denn diese Actionsequenzen sind visuell eine Wucht und fast jedes Bild wäre als Wallpaper geeignet. Als fade Ausrede für diese eigenwillige und bildgewaltige Action-Fantasy beschwört Snyder wie Lewis Carroll in Alice im Wunderland oder Guillermo del Toro in Pan’s Labyrinth die Kraft der Fantasie als einzigen Ausweg, um einer schrecklichen Realität zu entkommen. Snyder spricht dabei viele ernste Themen wie Kindesmissbrauch und Vergewaltigung an, aber bei ihm reicht es nur zur Groschenromanrhetorik. Das liegt vor allem an den fünf Hauptfiguren, denn statt einer Geschichte hat Snyder ihnen noch nicht einmal genügend Klischees verpasst, damit der Zuschauer mit ihnen leidet. Baby Doll, Sweet Pea oder Blondie haben nur einen vermeintlich coolen Namen, sonst nichts.
Auf Dauer ermüdend
Jetzt könnte man sagen: „Was juckt mich der Psychomist, ich will Action!“ Das funktioniert, wenn man sich nur auf die wirklich atemberaubenden Kämpfe konzentriert. Denn egal ob Schwertduelle oder die zahlreichen Schießereien – hier ist Snyder in seinem Element. Perfekt choreographierte Zeitlupenaufnahmen oder beeindruckende Explosionen zeigen, dass der Regisseur von 300 Maßstäbe setzen kann. Aber: Es wird auf Dauer ermüdend. Snyder schafft es nämlich nicht, die Spannung zwischen den einzelnen Actionszenen zu halten. So ist zwar jede für sich betrachtet ein Höhepunkt, aber es gibt keine Steigerung. Zu Beginn jeder Sequenz geht einfach alles wieder von vorne los und das jedes Mal im gleichen Stil: Großaufnahme Baby Doll, Rockmusik, Action.
Fazit
Bei einem Videospiel würde das Fazit so lauten: Tolle Actionszenen, aber langweilige Schlauchlevel, miese Gegner K.I. und haarsträubende Cutscenes trüben das Vergnügen. Die Grafikengine gibt sich zwar redlich Mühe, aber mehr als eine Techdemo bleibt von der dünnen Geschichte nicht übrig…
Ok, jetzt im Ernst: Sucker Punch ist vielleicht nicht so schlecht, wie es manche Kritiker gerne hätten und er ist trotz seiner pubertären Provokationen oder seines unfreiwillig komischen Psychoquarks bestimmt nicht der Untergang des Abendlandes. Es ist einfach kein guter Film und weder Popcorn- noch Trashfans werden sich wahrscheinlich dabei amüsieren können. Beinharte Snyder-Fans dürfen zumindest auf die Heimkinoversion warten, denn angeblich musste der Regisseur mehrere Minuten kürzen, um in den USA die PG-13–Freigabe zu bekommen. Ob die Uncut-Version diesen wirren Filmtorso zu einem Meisterwerk macht, darf bezweifelt werden.