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Für Thor (Chris Hemsworth, Star Trek) könnte es der schönste Tag seines Lebens sein. Doch kurz bevor er von seinem Vater Odin (Anthony Hopkins, Das Schweigen der Lämmer) zum neuen König von Asgard gekrönt wird, herrscht Chaos. Die Frostriesen, einst die Erzfeinde Odins und der Menschheit, schleichen sich nach Asgard und wollen ein wichtiges Artefakt stehlen. Zwar wird der heimtückische Plan vereitelt, doch Thor begeht einen verhängnisvollen Fehler: Zusammen mit seinem Bruder Loki (Tom Hiddleston) und seinen Freunden Volstagg (Ray Stevenson), Fandral (Josh Dallas), Hogun (Tadanobu Asano) sowie Sif (Jamie Alexander) reist er in das Reich der Frostriesen um einen Krieg anzuzetteln. Dieser Plan geht gehörig daneben und Odin muss seinen Sohn befreien. Zur Strafe wird Thor auf die Erde verbannt und sein mächtiger Hammer Mjolnir landet irgendwo in der Nähe von New Mexico. Bald darauf stolpert Thor in das Auto der Meteorologin Jane Foster (Natalie Portman, Black Swan) und benimmt sich auch sonst eher wie ein Elefant im Porzellanladen. Ganz langsam dämmert es dem mächtigen, aber auch ziemlich überheblichen Göttersohn, dass er hereingelegt wurde. Nur da ist es fast schon zu spät...
Mit der Verfilmung der legendären Comic-Figur Thor beginnt so etwas wie das Marvel-Zeitalter im Kino. "Spiderman" oder "Iron Man" waren bisher nur die Fingerübungen, also Filme die für sich alleine standen. Startend mit Thor soll jetzt regelrecht ein Marvel-Universum-Netz die Leinwand erobern: Nach den Abenteuern des Donnergotts geht es mit Captain America weiter und beide Filme sind nur die Ouvertüre für Die Avengers, wo im nächsten Jahr viele namhaften Marvel-Helden in einem Film vereint sind. Als vorläufig letzter Film soll Iron Man 3 an dieses Superhelden-Mash-up anknüpfen. Damit zumindest Thor chronologisch in dieses komplexe Universum passt, wurde u. a. Michael J. Straczinski (Babylon 5) für die Story verpflichtet, der seit Jahren an der Comic-Serie arbeitet. Ob diese Rechnung aufgeht, dürften wir spätestens in zwei Jahren wissen.
Kunst trifft Rüpel
Umso überraschender ist es, dass bei diesem versammelten Comic-Nerdtum ein renommierter Filmemacher wie Kenneth Branagh auf dem Regiestuhl landete. Der Brite gilt seit den 80er Jahren als einer der besten Shakespeare-Darsteller der Insel und hat mit Henry V, Viel Lärm um nichts und dem Thriller Schatten der Vergangenheit bewiesen, dass er auch als Regisseur äußerst talentiert ist. "Ich mochte diese Ur-Qualität – die Verbindung mit etwas Altertümlichem, seine Waffen, die Stonehenge-Anmutung der Buchstaben und die schiere physische Wucht des Charakters." so Branagh, der zuvor noch als Kommissar Wallander vor der Kamera stand. Um diese "physische Wucht" auch für den Zuschauer erlebbar zu machen, lies er Hauptdarsteller Chris Hemsworth ordentlich Muskeln antrainieren und stellte ihm die zierliche Natalie Portman gegenüber. Daneben erledigen gestandene Mimen wie Stellan Skarsgard und Anthony Hopkins ihren Elder Statesmen-Job solide wie unauffällig.
3D in Perfektion
Ob man sich nach dem Film an die Schauspielerleistungen oder an die Dialoge erinnern wird, ist eh' egal. Denn Thor ist ein Spezialeffekte-Spektakel in 3D, dass so einige Zuschauer aus den Socken hauen wird. Erinnert sich jemand an den billig wirkenden "Olymp“ aus Kampf der Titanen? Vergesst dies2 - allein die Asgard-Szenen dürften zumindest den Technik-Fans den Mund wässrig machen. Was hier in Sachen Produktionsdesign und Spezialeffekten aufgefahren wird, dürfte in diesem Filmsommer die Messlatte ziemlich hoch setzen. Goldene Kuppeln am Horizont, eisige Felswüsten oder spektakuläre Zerstörungsorgien im Stil von "Transformers" - manchmal wirkt "Thor" wie ein "Best-of" der letzten zehn Jahre des Hollywood-Actionkinos.
Andreas' Fazit
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Der Superhelden-Sommer beginnt mit einem Knall. Besonders in der ersten Hälfte gelingt Regisseur Branagh eine erfrischende Helden-Saga mit einem arroganten Großmaul als Hauptfigur, dass von einem Fettnäpfchen ins Nächste tritt. Das ist spannender, witziger und anspruchsvoller als so manch anderes Actionspektakel. Letztendlich ist Thor nämlich das Opfer in einer ziemlich fiesen Familienintrige und der Held muss erst beweisen, dass er seinem stolzen Erbe gerecht wird. Aber Anspruch hin oder her - Thor ist in erster Linie ein Actionfilm, der den Zuschauer auf einen rasanten Ritt von der Götterwelt Asgard über einen Eisplaneten bis nach New Mexico mitnimmt. Bei diesem Tempo geht dann doch einiges verloren und besonders die Liebesgeschichte zwischen Gott und Wissenschaftlerin funktioniert lediglich nach dem Prinzip "Ich Thor, du Jane". Überhaupt wirkt das letzte Drittel etwas holprig, Thor bekommt mit ziemlich viel Pathos seinen Hammer wieder und ganz am Ende gibt es den obligatorischen Hinweis auf das nächste Marvel-Abenteuer. Action-Fans dürften diese Kritikpunkte aber egal sein, denn ähnlich wie Iron Man liefert Thor geradlinige und spektakuläre Action für einen unterhaltsamen Kinoabend.
Daniels Fazit
Andreas hat schon alles Wichtige zum Film gesagt und ich stimme ihm voll und ganz zu. Als Comic-Fan sehe ich den Film nochmal aus einer anderen Perspektive: Natürlich wurde die Entstehungsgeschichte von Thor nicht eins zu eins aus dem Original übernommen. Wer sich auf Chris Hemsworth als gehbehinderten Donald Blake gefreut hat, der wird ebenso enttäuscht, wie diejenigen unter euch, die Natalie Portman als Vorlagengetreue Krankenschwester Jane Foster sehen wollten. Somit hat man ein weiteres Mal die Story für die Kinobesucher angepasst. Tragisch ist das aber nicht, denn die Kernelemente der Thor-Comics sind sehr zufriedenstellend umgesetzt. Thors Hochmut und Arroganz überzeugen ebenso wie seine spätere Liebe für die Menschheit. Auch Loki, Odin und Sif halten sich sehr nah an der Vorlage und geben keinen Grund zur Kritik. Im Film sieht man gar, dass Sif ein Auge auf Thor geworfen hat - schließlich hatten die Beiden im Comic eine ziemlich lange Beziehung miteinander.
Aufmerksamen Zuschauern und Marvel-Fans wird der Gastauftritt von Jeremy Renner als Clint Barton aka Hawkeye auffallen, der zwar hier noch nicht im Kostüm zu sehen ist, jedoch eine wichtige Rolle für den kommenden Avengers-Film spielen wird (das war übrigens kein Spoiler, denn Bartons Auftritt ging schon aus diversen Meldungen wie Filmausschnitten hervor). Des Weiteren ist mir die Filmusik von Patrick Doyle extrem positiv aufgefallen, denn endlich gibt es einen Wiedererkennungswert im Soundtrack, der mir bei den anderen Marvel-Verfilmungen meistens gefehlt hat. Dies liegt vielleicht auch daran, dass Doyle bereits fast alle Filme von Branagh vertont hat (darunter die Oscar-nominierte Musik zu Hamlet).
Insgesamt betrachtet hat Kenneth Branagh es tatsächlich geschafft, einen glaubwürdigen Donnergott auf die Leinwand zu bringen, ohne dabei in Kitsch zu verfallen. Thor reiht sich nicht in die übliche “Wie ich zum Superhelden wurde“-Filme ein, was natürlich auch an der Comic Vorlage liegt. Kurz: Ich bin mehr als zufrieden.