Es ist echt traurig, aber leider muss man sagen, dass man es abwarten konnte, bis es wieder zu solch einer furchtbaren Wahnsinnstat kommt wie gestern in Baden-Württemberg. Dies heißt aber nicht, dass die Tatsachen nicht weniger schockieren: Der 17-jährige Tim K. hat in einem mehrstündigen Amoklauf erst zehn Schüler und drei Lehrerinnen in seiner ehemaligen Realschule in Winnenden erschossen, tötete danach auf seiner Flucht einen Passanten, entführte ein Auto und ermordete nach einer Verfolgungsjagd nochmals zwei Menschen in einem Autohaus in Wendlingen, bevor er bei einer Schießerei mit der Polizei zwei Beamte schwer verletzte und sich letztendlich selbst richtete.
Noch während all dieser Geschehnisse begann bereits die Berichterstattung in den Medien – und natürlich wurde auch wieder das brisante Thema „Killerspiele“ nicht ausgelassen. Man kann es abwarten, dass die Diskussion nun wieder von vorne beginnt und von diversen Seiten erneut ein Verbot solcher Spiele gefordert wird. Und natürlich traf diese Berichterstattung auch innerhalb der Spieler-Community auf äußerst fruchtbaren Boden und in diversen Foren wird seitdem heftig diskutiert.
Ich mag es nun nicht verallgemeinern und niemanden persönlich angreifen, aber ehrlich gesagt finde ich es sehr bedenklich und widert mich auch ein wenig an, dass die Diskussion über die entsetzliche Bluttat gleich wieder in diese Richtung geht. Müssen die Medien sofort wieder in diese Kerbe reinhauen und billige Propaganda und Meinungsmache betreiben? Und beschleicht bei manchen Kommentaren in Game-Foren nur mich das Gefühl, dass einige Spieler der Amoklauf weniger schockiert als die Möglichkeit, dass es Einschränkungen bei ihrem geliebten Hobby geben könnte? Manche Spieler gehen sofort in Abwehrstellung, blenden die Geschehnisse komplett aus und scheinen sich einzig und allein um die Zukunft des deutschen Spielmarkts zu sorgen!
Versteht mich nicht falsch. Natürlich ist es gut, sich über das Geschehene auszutauschen. Es ist richtig, seine Seele zu öffnen, sich anderen mitzuteilen und somit die eigenen Empfindungen aufzuarbeiten. Davon rede ich auch gar nicht. Aber beim Durchlesen mancher Pseudo-Diskussionen packte mich gestern echt die Wut. Denn manche scheinen wirklich nur über den Ruf der Killerspiele besorgt zu sein. Hallo? Denkt doch mal nach! Ist nicht genau diese mangelnde Anteilnahme ein Zeichen für die Abstumpfung, die man uns Spielern von Games mit gewalttätigen Inhalten immer vorwirft und die wir immer weit von uns weisen? Gibt man damit den Spiele-Kritikern nicht recht? Am liebsten hätte ich herausgebrüllt: „Habt Ihr nicht kapiert, was dort passiert ist? Ist Euch bewusst, welche furchtbaren Dinge geschehen sind? Sind tatsächlich die einzigen Emotionen, die solche Nachrichten bei Euch auslösen, die Sorgen um Games? Lasst das Thema doch erst einmal ruhen! Die Diskussion rund um sogenannte Killerspiele geht schon früh genug wieder los…“
Okay, wahrscheinlich sind bei mir selbst die Gefühle ein wenig (zu) hochgekocht, trotzdem möchte ich mit dieser Kolumne dazu auffordern, erst einmal etwas Einsicht und Anteilnahme zu zeigen. Ich bin der Meinung, dass man solche schrecklichen Geschehnisse nicht einfach „ad acta“ legen darf, um sich sogleich über an sich triviale Dinge zu streiten und sich über mögliche Auswirkungen auf seine Freizeitgestaltung zu mokieren. Es sollte vielmehr die Zeit sein, schockiert zu sein: Schockiert darüber, was da geschehen ist und dass so etwas passieren konnte. Es sollte die Zeit sein, wütend zu sein: Wütend über den Täter, der sich zum Herrn über Leben und Tod machte, 16 Menschen völlig sinnlos ermordete und letztendlich auch sich selbst keine Chance mehr gab. Es sollte die Zeit für Trauer und Mitgefühl sein. Trauer über die Schicksale der Opfer und Mitgefühl mit den Angehörigen und Freunden der Toten. Und mit den traumatisierten Schülern, die nie mehr ohne Angst ihre Schule betreten können. Und es sollte die Zeit sein, sich Fragen zu stellen. Und zwar die richtigen Fragen, die nicht lauten sollten „Was passiert nun mit Counterstrike und Co.?“, sondern „Wie konnte es dazu kommen?“ und „Wie kann man so etwas verhindern?“.
Und daher werde ich mich gar nicht weiter über den Sinn und Unsinn von Killerspiel-Verboten auslassen. Dazu ist in einigen Tagen, Wochen und Monaten noch genügend Zeit. Dann sind auch weitere Fakten zu der gestrigen Bluttat in Baden-Württemberg bekannt und lässt sich besser darüber reden. Gestern war und heute ist dagegen erst einmal Zeit, zu zeigen, dass wir Menschen sind und dass uns das Schicksal anderer Menschen nicht kalt lässt. Dies ist zumindest meine Meinung.
Kommentare
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*_*! schrecklich! mein vater war an dem tag in der nähe und ich habe wirklich angst um ihn bekommen (ein passant ist ja auch erschossen worden). in der schule (auch wenn ich in der 12. klasse bin) haben alle immer wieder zur tür geschaut. ich möchte nicht weiter schreiben...
Der Trick, wie man damit klarkommt, ist vielleicht, sich klarzumachen, dass es allen so geht - keinem geht es dauerhaft wirklich richtig gut, jeder hat Probleme.
Nur wer das nicht kapiert, ist zu so einer Tat fähig.
Nur wer nicht merkt, dass alle Menschen leiden, nur wer sich so um sich selbst dreht, dass er nur noch *sein eigenes* Leiden wahrnimmt, und nicht das der anderen, tut so etwas.
Vermutlich bringt dir das jetzt erstmal nichts, gerade weil Schule so verdammt grausam sein kann, aber glaub bloß nicht, dass dein Leben am Abgrund steht.
Durch die Schule musst du einfach nur durch, das Leben fängt erst danach an :)
und das ist es ja! du kennst mich nicht... und weißt deshalb nicht, wie es mir geht, wie mich meine mitschüler nur so fertig machen, wie mich meine eltern schlimm behandeln, wie mein ganzes leben am abgrund steht.. und trotzdem gehe ich nicht in meine schule und knalle jeden ab.. ich schaue kein fernsehen, weil da sowieso nur müll geredet wird.. also komm mir nicht mit medien.. ich spreche hier alles nur aus eigener erfahrung heraus.. ich habe viel mist in meinem leben erlebt, und deshalb bin ich auch so drauf.. aber jedem töten würde ich trotzdem NIEMALS..
1. Schließ nicht von dir auf andere (Doppelsinnig, a) sind nicht alle Menschen dumm, b) geht es nicht jedem am Arsch vorbei)
2. Leute wie du, die keine Ahnung haben, aber die Fresse am lautesten aufreißen gibt es echt genug - du weißt NICHTS - nur das, was in die Medien gesickert ist, trotzdem WEIßT du, dass NUR die Eltern schuld sind. Alles klar...
3. Ach ja klar, und übrigens, die Amis sind mal wieder an allem schuld...wer auch sonst...
Ich kenne dich zwar nicht, aber wenn du wirklich so drauf bist, wie du schreibst, bist du ein widerliches, zynisches, ahnungsloses A****loch.
Die ganzen Diskussionen die im Fernsehen und auch hier im Internet geführt werden, sind alle sowas von sinnlos.... das interessiert eh keinen, wer daran schuld ist bzw. was.... es ist geschehen, und es wird immer wieder geschehen, weil es die Amis mal wieder vorgemacht haben mit ihren psychisch gestörten Bürgern, die alle sowas von strohdumm sind bis zum geht nicht mehr! Ihre dummen und primatischen Gesetze machen die ganze Welt kaputt... Menschen sind dumm, sowas kann man nicht verhindern, da sowieso jeder nur an sich selber denkt... ihr braucht auch nicht alle einen auf Trauernden zu machen, es interessiert euch sowieso nicht, ich weiß das. Hört lieber alle auf, andere zu mobben und auszugrenzen, damit so ein Mist nicht passiert! Ich glaube auch nicht, dass er einfach so ohne Grund die Toten erschossen hat, diese haben ihn sowieso fertig gemacht, da gibts keine andere erklärung. Die Eltern sind aber sowieso am meisten schuld, erstens im psychisch-belastenden Sinne und zweitens in dem Sinne, dass man so viele Waffen zu Hause lagert.. wie gesagt, Menschen sind dumm, sonst würde sowas nicht passieren...
Gleich vorneweg : Die 2 DNA könnt Ihr stecken lassen. Is nicht unbedingt Notwendig die wegen eines Kommentars hier zu verballern.
Danke.
Tja, was soll man sagen ?
Winnenden is ja hier um die Ecke. Meine Frau arbeitet auch in der hiesigen Schule, und anscheinend wurde noch am selben Nachmittag eine Konferenz einberufen, bei der jeder Lehrer die Schüler benennen musste, denen er eine solche Tat ebenfalls zutraut. Erschreckenderweise gab es keinen einzigen Klassenlehrer der KEINEN Namen genannt hatte. Man kann sagen....pro Klasse zwischen 2-4 potentielle Kandidaten. Darunter auch mehrfach vorbestrafte Jugendliche die aber nicht wegen Ihrer Vergangenheit benannt wurden, sondern, wie es hieß, wegen Ihrer momentanen sozialen und psychischen Lage.
Von Computerspielen hat freilich niemand geredet. So aufgeklärt sind wir auf dem Lande dann doch schon, das wir diese Dinge trennen können.
Weiterhin kenne ich 2 der Schüler aus Winnenden, hauptsächlich durchs Internt, aber auch ein wenig persönlich. Die wussten gar nicht was los war als Ihre Klassen aus dem Gebäude geführt wurden. Sie waren (glücklicherweise) in einem ganz anderen Block. Dort hielt man das für eine Art Feuerschutzübung, bis dann langsam die Info durchsickerte. Erst gestern Abend hab ich wieder mit einem der beiden telefoniert. Trauer hat sich dort nicht eingestellt. Die Jungs kennen die getöteten ja gar nicht. Mi wurde auch gesagt das außerhalb des Schulgeländes überhaupt niemand von Trauer wäre. Vor allem nicht bei der Bäckerei, in welcher seither von 6-18 Uhr Dauergespräche über die Familie des Amokkers geführt werden. Nicht selten fallen wohl auch Sätze wie : "War ja klar das DER so endet".....etc.
Das einzige was ich sagen kann ist, wie jedesmal, nur eines : Metalldetektoren mit Warnsignal an jeder Schule ist eine Lösung die längst überfällig zu sein scheint. Nicht nur zum Schutz aller, sondern auch zum Schutz derer, die sich als Trittbrettfahrer erweisen können und oft wollen.
Anscheinend war der Amokläufer ja zuvor in Weinsberg unter psychologischer Behandlung, welche er abgebrochen hatte. Das kann ich sogar verstehen ! Wer mal in dieser Klinik war der ist es leid all diesen "Abschaum" zu ertragen wenn er nicht ganz helle im Kopf is.
Und hätte, wäre, wenn......das greift nicht. Ich sag auch warum !
Ein 17jährigers KIND, das sich frei an einem Waffenschrank der Eltern vergreifen kann, trägt auch nach dieser sehr schrecklichen Tat nur ein kleines Maß an schuld. Zunächst gehören die Erzeuger hinter Gitter. Nicht nur wegen des ungesicherten Waffenschranks, sondern und gerade wegen der Nichtanteilnahme an seinen Problemen.
Da hilft es als Elternteil nicht zu sagen : "Ja, er hat diese "Spiele" gespielt.", sondern einfach mal sein eigenes Versagen zugeben. So und nicht anders.
Wenn mein Hund seinen Ball verliert, und er rollt zwischen meine zahlreichen Gitarrenständer, dann versucht er ihn nicht zwanghaft da rauszuholen, sondern er kommt zu mir und macht mir durch Laute und Gestik klar das sein Ball dort liegt. Ich stehe auf, hole ihn, und geb ihn zurück indem ich sage : "Nächstes mal besser aufpassen, ja ?"
Wenn ein Hund das kapiert, dann kann es für einen erzogenen Menschen mit Moral wohl nicht so schwer sein seine Finger vom Waffenschrank zu lassen.
Aber was red ich da ???
Jeden Tag werden Leute wegen 50 Cent niedergestochen. Oder wegen einer 100 Euro Erbschaft sanft entschlafen gelassen (Kopfüber in der Badewanne).
Anteilnahme ?
Bedingt.
Trotzig wegen dem Killerspiel-Thema ?
Mitnichten.
Auf weitere Fälle dieser Art vorbereitet ?
Jede Minute !
"Der Schock ist immer dann am größten wenn man sieht das eine Vorraussage sich erfüllt." (Charles Bukowski über Murphys Gesetze)