Auf die inneren Werte kommt es an
Das iPhone 4 glänzte schon durch eine sehr wertige Verarbeitung und ein schickes Glas/Aluminium-Gehäuse. Das hat sich beim 4S nicht geändert. Der Nachfolger sieht identisch aus, es gibt keine Unterschiede äußerlicher Natur. Geblieben sind der Home-Button, die Lautstärke-Regler, der Kopfhörer-Anschluss und freilich der knackscharfe Retina-Display mit einer Auflösung von 960x640 Bildpunkten bei 326ppi. Wie so oft liegen die Unterschiede im Detail, oder in dem Fall im Inneren des Handys. Apple verbaut jetzt nicht mehr den A4-Singlecore-Prozessor mit 800MHz, sondern den Zweikerner A5, der mit 800MHz getaktet ist. Der A5 kommt bereits im iPad 2 zum Einsatz - allerdings mit einer Taktung von 1GHz. In Anbetracht der Tatsache, dass das iPhone 4S eine niedrigere Bildauflösung samt kleinerem Display hat, dürften die Resultate beim Darstellen Spiele-relevanter Inhalten weitgehend identisch (schnell) sein.
Zwar wurden die 512MB Arbeitsspeicher nicht wie erwartet erhöht, dennoch macht sich der neue Prozessor deutlich bemerkbar. Das Starten von Standard-Apps, beispielsweise Browser, Nachrichten, Kontaktliste oder Kalender, geht nicht nur gefühlt schneller. Nicht offensichtlich, aber feststellbar ist die neue Architektur der integrierten Antennen. Dadurch gehören Probleme beim Empfang, wenn ihr die Finger an bestimmten Stellen des iPhone-Rahmens anfasst, der Vergangenheit an.
Eine Verbesserung erfuhr auch die integrierte Kamera. Die 5 Megapixel-Variante aus dem iPhone 4 ersetzten die Techniker durch ein 8 Megapixel-Modell. Das bringt den Vorteil von 1080p-Videoaufnahmen mit. Zuvor waren 720p das Höchste der Gefühle. Geblieben ist die etwas schwache 0,3 Megapixel-Kamera auf der Vorderseite, zum Beispiel für Facetime-Videotelefonie.
Bezogen auf die Hardware schließt Apple jetzt mit der Konkurrenz auf. Dualcore-Prozessoren besitzen etliche Spitzenmodelle aus dem Android-Lager, genauso wie eine hochwertige Kamera. Es sei aber betont, dass das iPhone 4(S) mit die besten Fotos schießt, dank guter Bildstabilisatoren, Motivfokussierung und Gesichtserkennung. Allerdings wartet ihr nach wie vor zwei, drei Sekunden, bis ein HDR-Foto gespeichert ist. Die 1080p-Videos nehmen enorm viel Speicherplatz ein, da können 16GB schnell aufgebraucht sein.
Exklusiv für’s iPhone 4S
Sicher. Das iPhone 4S riecht an allen Ecken und Enden nach einem Schnellschuss, um die Wartezeit auf das iPhone 5 zu verkürzen. Entsprechend gering sind auch die ernsthaften Innovationen, die einen Neukauf rechtfertigen. Die Sprachsteuerung namens Siri ist gewiss kein ernstzunehmender Anreiz. Aber: Die intelligente Software erstaunt beim ersten Verwenden. Die digitale Frauenstimme reagiert auf Scherze, begrüßt einen mit „Moin, Moin“ und kann sogar die Namen aus der Kontaktliste korrekt aussprechen. Ein „Gib mir die Telefonnummern von Frank“ quittiert Siri mit einer Auflistung dieser und fragt prompt, welche sie auswählen soll. Im Rahmen der Telefonier- und auch Nachrichtenschreib- Funktionen klappt Siri fast unheimlich gut. Komplexe Gespräche mit der künstlichen Intelligenz könnt ihr allerdings (noch) nicht führen. Im Verlauf unserer Testphase lernte Siri von Tag zu Tag hinzu. Kein Wunder, schließlich überträgt die App Spracheingaben direkt an die Apple-Server, die darauf reagieren und die Antwort zum iPhone 4S zurückschicken. Somit ist Siri nur aus Marketing-Gründen ein Exklusiv-Feature für das neue Smartphone. Theoretisch hätte das sicher auch das iPhone 4 gepackt, zumal Android-Nutzer schon seit vielen Monaten Spracheingaben verwenden können - wenn auch in einfacher Form.
Exklusiv ist übrigens auch etwas Schlechteres: Bei unseren Experimenten schien die Akkulaufzeit etwas kürzer zu sein, als Apple angibt. Geschuldet ist dies vermutlich dem leistungsfähigen Prozessor. Wir reden hier allerdings von fünf, sechs Stunden im Standby-Betrieb. Verschmerzbar also. Bei Spielen dagegen konnten wir keine gravierenden Differenzen wahrnehmen. Es sei betont, dass unser iPhone 4 ein Jahr alt ist und die Akkulaufzeit hier bedingt durch die regelmäßige Verwendung nicht mehr dem Originalzustand entspricht.
iOS macht’s runder

Pünktlich zum "iPhone 4S"-Verkaufsstart erschien iOS5, die neueste Version des mobilen Betriebssystems von Apple. Dieses ist auch für das Vorläufer-Modell erhältlich. Und deswegen relativieren sich die Vorteile des neuen Mobiltelefons. Egal ob alt oder neu - ihr könnt sämtliche Nachrichten (SMS, Push-Informationen, Terminerinnerungen etc.) in der Mitteilungszentrale vereinen. Meldungen oder Fotos schickt ihr kostenlos an andere iPhone-, iPod Touch- oder iPad- Besitzer oder ihr nutzt gleich die fest installierte Twitter-Schnittstelle. Endlich könnt ihr euch ein Apple-Produkt kaufen und es ohne PC oder Mac einschalten und aktivieren. Auch das bringt iOS 5 mit. Ein echter Mehrwert ist das Synchronisieren von Kontakten, Apps und allen anderen relevanten Inhalten - direkt übers WIFI-Netzwerk. Optional könnt ihr in die neue iCloud, eine 5GB große und kostenlose virtuelle Festplatte, Handybackups, Fotos, Videos und dergleichen speichern und von jedem Ort der Welt mit Internetzugang darauf zugreifen.
Aber seien wir ehrlich: Das alles ist nur zweitrangig, vor allem hier auf DemoNews.de. Es geht ums Spielen und was damit zu tun hat. Hier bietet iOS5 ein erweitertes Game-Center. Das soziale Netzwerk für Spieler erhielt kleine Verfeinerungen. Unter anderem könnt ihr jetzt ein Profilbild hochladen oder gezielt nach neuen Freunden suchen. Empfehlungen für Spiele-Apps zeigt euch die App ebenfalls an. Das Game-Center in Kombination mit der iCloud dürfte in den nächsten Monaten noch viele interessante Ansätze bieten: Spielstände in der Wolke speichern können schon jetzt einige erste Apps.
Airplay Mirroring: Geil!
Dank iOS5 auch auf dem iPad 2 möglich, kommen frisch gebackene iPhone 4S-Käufer in den Genuss eines großartigen Features. Ihr könnt mit einem am HDTV angeschlossenen AppleTV-Mediaplayer (119 Euro) in Echtzeit alle Inhalte vom Handy auf den Fernseher bringen - ohne Kabel. Das so genannte Airplay Mirroring klappt fast tadellos und unterstützt quasi alle Apps. Das hat viele fantastische Möglichkeiten zur Folge: Videotelefonie direkt am Fernsehen? Mittels Facetime keine Herausforderung. Genauso könnt ihr schnell im Internet mal was schauen, geknipste Fotos betrachten oder eben Spiele zocken.
Ernsthaft: Das ist eine tolle Angelegenheit. Ein 79 Cent-Spiel wie Angry Birds in hoher Auflösung genießen? Und das teils in besserer visueller Qualität als bei einem üblichen Wii-Spiel? Das ist beachtlich und eine faszinierende Erfahrung. Vor allem dann, wenn ihr den einen oder anderen iOS-Blockbuster spielt, beispielsweise Infinity Blade oder Dead Space.
Beachten müsst ihr allerdings einiges: Zum einen benötigt ihr besagtes AppleTV der 2. Generation, welches die bewegten Bilder zum Fernseher streamt. Ebenso solltet ihr zwingend auf eine optimale WIFI-Verbindung achten. Da das iPhone 4S im 2,4GHz-Bereich funkt, könnte es hier im schlimmsten Fall zu Bildraten-Problemen oder Verzögerungen (Lags) kommen. Dann macht das Spielen keinen Sinn, logo. Ggf. empfiehlt es sich, über den Kauf eines WLAN-Repeaters nachzudenken, sollte der Empfang nicht ideal sein. Ferner wird das Bild durch das Spiegeln aller Inhalte minimal verzögert präsentiert. Das kann bei sehr schnellen Spielen minimal verwirrend sein.
Und es gibt noch einen Haken: Airplay Mirroring stellt Spielszenen standardmäßig sowohl auf dem iPhone 4S als auch auf dem HDTV dar. Also eine 1:1-Kopie. Beim Steuern, vor allem bei Shootern, ist es nicht einfach möglich, zum Fernseher zu blicken und gleichzeitig auf dem Touchscreen zu steuern. Hier sind die Entwickler gefragt, Lösungen zu finden. Und die gibt es sogar schon. Bei Real Racing 2 dient das Smartphone einzig und allein dem Steuern des Autos und dem Anzeigen der Strecke, das Geschehen findet auf dem TV statt. Ähnlich funktioniert das bei der Hubschrauber-Ballerei Chopper 2 oder dem Luftkampfspiel Sky Gamblers: Rise of Glory. Weitere Titel dürften in den nächsten Monaten mit Sicherheit folgen, diverse Programmierer haben Updates für ihre längst erhältlichen Spiele angekündigt.
Airplay Mirroring verwandelt euer iPhone 4S (und das iPad 2) in Kombination mit dem AppleTV in eine waschechte Spielkonsole. Dass die gesamte Rechenarbeit sozusagen im Controller erledigt wird, ist beeindruckend. In unseren Augen ist dieser Aspekt gewiss ein „Killer-Feature“, das Apple ausbauen sollte.
Die Power des A5
Als das iPad 2 im Frühling erschien, trudelten erste Spiele ein, die Gebrauch vom neuen A5-Prozessor machten. Diese könnt ihr, sofern sie nicht ausschließlich für das Tablet gedacht beziehungsweise Universal-Apps sind, selbstverständlich auf dem iPhone 4S einsetzen. Mittlerweile sind diverse Spiele verfügbar, die den A5 intensiver fordern, um meist bessere Grafiken auf den Bildschirm zu zaubern. Aktuelle Kandidaten sind der 3rd-Person-Shooter Shadowgun und unverändert Infinity Blade. Erstgenannter Titel setzt die mächtige Unity-Engine ein, die der konkurrierenden Unreal Engine 3 im Bereich der opulenten Grafiken Paroli bietet. Auf Unreal setzt auch das Grusel-Abenteuer Dark Maedow. Spannend ist sicher auch das bald erscheinende Infinity Blade 2, welches extensiven Gebrauch des A5 machen soll und neue Maßstäbe im Bereich der Optik setzen möchte. Nicht unerwähnt sollte sein, dass die "GTA 3"-Umsetzung von Rockstar Games ausschließlich den Zweikernchip unterstützt - iPhone 4- und iPad-Besitzer gehen leer aus. Hier ist früher oder später eine Trendwende zu erwarten: Ohne zwei Rechenkerne keine fulminanten Spiele.
Zwar versäumt es Apple unverändert, Adobes Flash zu unterstützen, doch es ist vielleicht gar nicht so tragisch. Denn Adobe Air steht für iOS in den Startlöchern. Spiele, die auf diese Entwicklungsumgebung basieren, können einfache Portierungen erhalten. Ein erstes Spiel, das auf Flash basiert, aber einen A5 zwingend benötigt, ist Machinarium auf dem iPad 2. Folglich dürften dank schnellem Prozessor und natürlich auch dem Zweikern-Grafikchip des iPhone 4S (und iPad 2) Flash-Emulationen dank Adobe Air keine Utopie mehr sein.
Ein Fazit?
In der kleinsten Variante kostet das iPhone 4S mit 16GB internen, nicht erweiterbaren Speicher 629 Euro. Ein stolzer Preis, keine Frage. Für weniger gibt es vielseitigere und vor allem offenere Android-Smartphones mit HDMI- und USB- Anschluss oder Speicherkartenslot und anderen nutzerorientierten Elementen. Allerdings ist die Apple-Technik unverändert die attraktivste Spieleplattform im mobilen-Sektor (Handys, Tablets). Das Angebot im AppStore ist nach wie vor besser als im Android Market.
Solltet ihr keine Bauchschmerzen mit den Restriktionen Apples (iTunes, fehlende Connectivity-Elemente, in sich geschlossenes iOS..) haben, ist das iPhone 4S ein facettenreiches Spielgerät, mit dem ihr logischerweise auch telefonieren und alle Arten von Medien genießen könnt - neuerdings sogar Zeitschriften dank iOS5. Für das reine Gaming-Entertainment ist das iPhone 4S zum einen zu teuer, zum anderen auch zu schade. Günstiger wäre hier das iPad 2-Einstiegsmodell, am besten in Kombination mit AppleTV für Airplay Mirroring. Und seid ihr geduldig, lohnt sich das Warten sicher. Denn eine neue iPod Touch-Generation mit A5-Chip sollte nicht zu lange auf sich warten lassen. Wenn diese vermutlich nächstes Jahr für zirka 230 Euro erscheint, kommt ihr in den uneingeschränkten Spielegenuss für eine annehmbare Summe.
Abschließend ein weiterer Tipp: Ein Umstieg vom iPhone 4 auf das 4S ist Quatsch. Jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt. Anders sieht es aus, solltet ihr noch mit einem iPhone 3 oder 3GS telefonieren - dann ist der Leistungssprung enorm und eine Investition nicht unangebracht.