uDraw Game Tablet Instant Artist: Entdeckt den Rembrandt in euch!
Spieler schießen alles tot, brechen Rundenrekorde, führen ihre Lieblingsmannschaft auf den Platz, treffen sich mit anderen Spielern online, um Drachen zu erlegen, oder versuchen als Gangsterboss eine Stadt zu übernehmen. Aber sind Spieler vor dem heimischen Bildschirm auch kreativ tätig? Sicher, in LittleBigPlanet erschaffen PlayStation 3-Besitzer neue Levels oder gar Spiele, Trackmania-Anhänger kreieren die wahnwitzigsten Parcours. Wenn es aber um das rein Künstlerische, Musische geht, sieht es in der Spielelandschaft mehr als mau aus. Auf dem Super Nintendo gab es Anfang der 1990er Mario Paint, auf dem DS immerhin das Flipnote Studio (2008) und die Art Academy (2010). Konsoleros vor dem HDTV blieb nur der Griff zum uDraw Studio Instant Artist für die Wii – bislang. Denn THQ hat das Zeichenbrett samt Software jetzt auch für PlayStation 3 und Xbox 360 veröffentlicht.
Im Paket enthalten sind das Grafiktablet wie auch die passende Software. Auf die Hardware gehen wir später noch ein, zunächst soll das Programm im Vordergrund stehen. Wenig überraschend entpuppt sich der Instant Artist als Grafikanwendung, mit der ihr zeichnen, malen und kritzeln dürft. Geboten werden euch neben einer Art Freizeichner-Modus umfangreiche Tutorials zu Maltechniken und Farbwirkungen sowie ein Malbuch, das sich mit seinen simplen Motiven ganz klar an Kinder richtet und keine große Einarbeitung voraussetzt.
Handlich und auf den ersten Blick praktisch: Das Grafiktablet von uDraw
Geduld!
Digitale Kunst ist ein Geduldsspiel. Und für dieses hier solltet ihr euch verdammt viel Zeit nehmen. Denn obwohl die Tutorials gut geschrieben und ausgearbeitet sind, kratzt die Materie der Einführungskurse nur an der Oberfläche dessen, was uDraw bietet. Während jeder Windows-Nutzer froh ist, wenn er in Paint eine gerade Linie ziehen kann, ohne dass diese peinlich aussieht, sind die Ambitionen im Instant Artist im Vorfeld größer. Neben der Wahl des Mal- und Zeichenwerkzeugs (zum Beispiel Pinsel, Filzstift, Wachsmaler, Bleistift) dürft ihr euch aus vorgegebenen Paletten eure Lieblingsfarbe aussuchen oder selbige mischen. Der Tatsache geschuldet, dass etwas günstigere Hardware zur Anwendung kommt, könnt ihr zudem auch die Deckkraft eures Werkzeugs bestimmen, da das Gerät nur registriert, ob ihr aufdrückt oder nicht.
Kein Scherz - malt ihr in uDraw solche Bilder, seid ihr schon weit gekommen.
Zum Prozess des Malens kann man sicher viel Nützliches sagen, doch letztlich ist es ein hartes Handwerk, das Übung verlangt. Einfach am Anfang mal alles Funktionen ausprobieren, sich dann an kleinere, simple Zeichnungen wagen. Später, viel später kommen dann eventuell die großen Meisterwerke. Selbst wir – die wir nicht unbedingt zu den Unkreativsten zählen – hatten ab und an Probleme, unsere Vorstellungen auf den Bildschirm umzusetzen.
Das liegt zum einen sicher daran, dass das Malen auf einem Grafiktablet Gewöhnungssache ist, zum anderen aber an der mitgelieferten Hardware selbst. Das Tablet liegt zunächst sehr bequem in der Hand, und trotz seiner Größe kommt es zu keinerlei Ermüdungserscheinungen - selbst bei stundenlangen Sessions. Die postkartengroße Oberfläche, auf der ihr malt, ist aalglatt. Und das ist ein großes Problem für Künstler. Während ihr beim Kritzeln mit Bleier oder Filzstift auf Papier einen gewissen Widerstand spürt, fehlt dieser auf dem Tablet. So rutscht ihr mit dem fest verkabelten Stift oft zu weit und müsst den letzten Schritt komplett rückgängig machen. Der Pen ist das zweite große Problem – das Kabel ist viel zu kurz geraten und zwingt euch ab und an, den Stift auf unmögliche Art und Weise zu halten. Präzises Arbeiten? Fehlanzeige.
Gut, bei einem Preis von unter 80 € darf man bei einem solchen Tablet nicht unbedingt Konkurrenz zum Platzhirsch Wacom erwarten, die Verarbeitung geht, gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis, daher vollkommen in Ordnung. Betrieben wird das Gimmick mit drei AAA-Batterien, die mehr als 30 Stunden durchhalten. Bilder exportiert ihr mittels Upload ins Internet. Eine Exportfunktion auf ein Flashmedium gibt es nicht. Wollt ihr euch eure Kunstwerke nochmals anschauen, könnt ihr diese nur in einer Galerie betrachten. Nervig: Beim Import der Neu-van-Goghs müsst ihr den Schaffensprozess eures Bildes als Zeitrafferdarstellung über euch ergehen lassen – ein Abbruch der Sequenz ist nicht möglich. Je nachdem, wie lange ihr schon an einem Bild gesessen habt, kann dies schon mal drei Minuten dauern.
Solche Kunstwerke verlangen gut und gerne 12 Stunden Arbeit. Sieht aber schick aus!
Kennt ihr aus dem Kuntsunterricht: Farbkreise. Ein wichtiges Werkzeug digitaler Kunst.
Abwechslung
Wird euch ständige Malen zu monoton, setzt ihr das Tablet kurzerhand in einem der drei mitgelieferten Minispiele ein. Überraschend ist dieser Einsatz abseits der eigentlichen Funktion des Tabelts nicht. Schon die Wii-Fassung profitierte von einer Handvoll Titel, die zusätzlich zum Malstudio angeboten wurden, darunter Jump 'n Runs oder Action-Adventure. Nun zum Spielinhalt aus Instant Artist: „Zahlenbild“ ist ein recht kurzer Spaß – Flächen entsprechend ihrer Zahlen ausfüllen und gut ist. Malen-nach-Zahlen lässt grüßen. Im „Neigungslabyrinth“ führt ihr einen Farbball mittels Neigen des Tablets durch einen Hindernisparcours. Und in „Alien-Klatschen“ tötet ihr fiese Invasoren aus dem All, indem ihr sie mit dem Stift markiert und durch Drücken der Spitze auf das Tablet mit einer gigantischen Fliegenklatsche zuhaut. Sicher, innovativ ist was anderes, dennoch können die Minispiele ein wenig für Abwechslung sorgen und das ansonsten doch sehr seriöse Programm auflockern.
Lohnt der Kauf?
Als mal- und zeicheninteressierter Redakteur der DemoNews.de-Redaktion kann ich natürlich einen Vergleich zwischen dem klassischen Malen und der digitalen Kunst herstellen. Das Instant Artist-Studio ist eine schöne Anwendungen mit einem umfangreichen Satz toller Funktionen – die Auflösung der Bilder geht für die Preisklasse in Ordnung, die Exportmöglichkeiten sind mit dem Upload-Zwang ärgerlich und verschrecken – auch weil nicht geklärt ist, was THQ mit euren Kunstwerken anfangen möchte. Die Wii-Fassung bot seinerzeit den komfortablen Export auf SD Card, Xbox 360 und PlayStation 3 hätten zumindest den gängigen USB-Stick unterstützen können. Mehr als an der Software habe ich an der Hardware auszusetzen. Während Auflösung der Touchoberfläche und Ergonomie soweit passen, ist mir die postkartengroße Malfläche zu glatt und das Kabel des Stylus viel zu kurz. Oft musste ich umgreifen, ungezwungenes, schwunghaftes Malen war nicht möglich. Wenn eigene Kreativität jedes Videospiel übertrumpfen kann, wird selbige durch die nicht ganz perfekte Hardware und den doofen Export ausgebremst. Für Kinder und Kunsteinsteiger durchaus geeignet, bietet das uDraw-Bundle einen guten Gegenwert für seinen Preis. DS-Besitzern sei dennoch die Art Academy empfohlen, welche einen Tick umfangreicher in die Materie einführt und aufgrund des Touchdisplays schneller zu sichtbaren Ergebnissen führt.
Kleiner Tipp am Rande: Das uDraw GameTablet gibt es vielerorts bereits für 30 bis 50 Euro - inklusive Software!
Kommentare
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Kann man das Tablet der 360 auch am PC nutzen um dann eben die 360 Software zum Üben zu nutzen und dann am PC in einem anderen Programm direkt am PC zu malen ohne den Umweg des Uploads auf einen THQ-Server?