Hat was, oder? Nur was...?
Denn die Grundzutaten klingen nach gepflegtem Grusel: Im Jahr 2034 bricht im Mittleren Westen der USA eine Pandemie aus, die das Örtchen Silver City befällt. Könnte man umfahren, wären Protagonistin Lana und ihre autistische Tochter Amy nicht per Zug auf dem Weg in das ehemals beschauliche Städtchen. Statt Urlaub gibt es nun mächtig viele Infizierte, die den Weg säumen. Die Anwesenheit in Silver Ciity wird zum gandenlosen Überlebenskampf. Unterwegs treffen Lana und Amy nicht nur auf komische Gestalten, die ihnen "helfen" wollen, sondern auch auf grobe Soldaten, die alles noch vorhandene Leben auslöscen sollen. Quarantäne mal anders.
AMY funktioniert dabei wie eine Mischung aus Blood Siren und Ico: Ihr rennt stets als Gespann durch die Botanik, müsst Rätsel im Team lösen und das Protagonisten-Duo verstecken, so wie Gefahr im Verzug ist. Die offene Konfrontation ist gleichbedeutend mit dem schnellen Game Over-Bildschirm - der Versuch, zu schleichen, leider auch. Schon sehr bald merkt ihr AMY an, dass die Spielmechaniken alles andere als ausgereift sind. Einmal beim Schleichen unabsichtlich in die Scherbe getreten: tot. Nicht zur richtigen Zeit den Konterbutton gedrückt: tot. Zu weit von Amy entfernt: tot, da Lana ebenfalls mit dem Virus infiziert wurde und sich fast ausschließlich in der Gegenwart der kleinen Autistin heilen kann. Die morbide Stimmung, die oft auftaucht, wird durch diese spielerischen Unzulänglichkeiten gestört und bringt euch zur Verzweiflung - versprochen. Plumpe Schockmomente sind zudem am Rande der Lächerlichkeit und hätten allenfalls Fünfjährige geschockt.
Interessante Ansätze, konsequent ungenutzt
So siehts bei Amy aus...
Neugierig geht man anfangs durch das Bahnhofsterminal und erkundet die Empfangshalle - hier eine DNA-Spur, da eine Leiche, dort ein paar Monster, an denen ihr vorbeischleichen müsst. Die wohlige Gänsehaut wirkt durch einen regelrechten Kotzkrampf jäh unterbrochen, sobald ihr auf den ersten NPC trefft: Marcello! Marcello klingt nicht nur wie ein Pädophiler aus der Idealtypenbestimmung psychich Kranker, sondern bewegt seinen Kopf komisch und wirkt wenig vertrauenserweckend. Dass Marcello nur ein paar Minuten später erschossen wird, fanden wir gut - denn das war wirklich Grusel, auf den wir uns nicht eingestellt hatten. Myteriös auch: Wie schafft es eine Achtjährige, sich im Bahnhofsklo zu verstecken und den Eingang mit einem zentnerschweren Müllwagen zu blockieren? Wieso werden Türen per DNA-Abgleich geöffnet und woher hat El Perverso Marcello das erforderliche Gerät dafür? Wieso gibt es keine Karte, die mögliche Wege offenbart? Wieso keine Hinweise auf Rätsellösungen? Fragen über Fragen, die heftige Logiklücken offenbaren. Spielerisch wie erzähltechnisch.
In der Konsequenz zerstört das die Atmosphäre und hindert euch daran, interessiert das Spiel weiterzuspielen. Schade eigentlich, denn neben dem spielerischen Ansatz weiß die Grafik größtenteils zu gefallen. Die von Lexis Numérique eigens entwickelte Grafikroutine kommt insbesindere bei Protagonistin Lana zur Entfaltung: Wenn Lana sich nach und nach in einen Zombie verwandelt, ihre Augen glasiger werden, die Haut grau und rissig und dabei keine Übergänge feszustellen sind, weil es so flüssig dargestellt wird, ist das beeindruckend. Die schönen Licht- und Nebeleffekte, gelungenen Arrangements und guten Charakterdesigns steuern ihr Übriges bei.
Auf Xbox 360 ruckelt das Spiel jedoch heftig - unschön und zu vermeiden. Genau wie die maue Kollisionsabfrage. Sound und Steuerung bewegen sich im guten Mittelfeld, wobei insbesondere die Musik Ansätze der Klasse eines Akira Yamaoka (Silent Hill) aufweist, aber nicht halten kann.