Anmerkung: Dieser Test basiert auf der als Download erhältlichen internationalen Version mit englischer Sprachausgabe, die es unter anderem bei Gamersgate.com zum Kauf gibt. Im März erscheint bei uns eine voll lokalisierte deutsche Fassung.
Fallout auf polnisch?
Noch scheint alles ruhig...
Atomarer Holocaust? Bunker? Klingt eigentlich ganz nach der Fallout-Reihe! Stimmt, doch dies war es dann auch größtenteils mit den Gemeinsamkeiten: Das von dem polnischen Indie-Studio Intoxicate stammende Afterfall Insanity ist nämlich kein Open-World-RPG, sondern ein düsterer Third-Person-Shooter, der uns mit geradliniger Action, einer bedrohlichen Atmosphäre und dem einen oder anderen Schockeffekt an den Bildschirm fesseln möchte.
Die eigentliche Geschichte beginnt, als sich Albert im Auftrag des allmächtigen Colonels zwei Soldaten anschließt, die in einem anderen Bereich der unterirdischen Anlage nach dem Rechten sehen sollen. Die dortigen Bewohner verhalten sich angeblich seltsam, weswegen ein Psychologe vonnöten sein könnte. Ein Psychologe? Eine ganze Armee von Elite-Kämpfern wäre angebrachter gewesen! Kaum kommt das Trio an sein Ziel, wird es von einem amoklaufenden Bewohner angegriffen. Diesen können die Soldaten noch überwältigen, doch anschließend kommt es zu einem Streit zwischen Albert und seinen Begleitern, der zur Folge hat, dass unser Psychologe alleine weitergeht. Klasse Idee!
Mein Freund, die Axt
... hier bereits nicht mehr!
Ab hier sind wir voll in dem Gameplay, das sich die gesamte Spielzeit von etwa acht Stunden durchzieht. In der Verfolger-Ansicht wandern wir durch dunkle, absolut lineare Szenarien und müssen uns ständig den Angriffen von Psychopaten, Mutanten und später auch Soldaten erwehren. Praktischerweise liegen überall Stöcke, Rohre, Hämmer oder Feuerwehräxte herum, mit denen man den Aggressoren gepflegt den Schädel einschlagen kann. Dies dürft ihr gerne wörtlich nehmen, denn der Gore-Faktor in Afterfall Insanity fällt nicht gerade niedrig aus. Ob dies so auch in der deutschen Fassung zu sehen sein wird? Nach kurzer Zeit halten wir außerdem Schusswaffen in unseren Händen, von denen wir maximal zwei Stück mitnehmen können.
So gerüstet stellen die tumben, meist hirnlos auf uns losrennenden Gegner kaum eine Bedrohung dar, was sowohl für das Mutantengesocks als auch für die ebenso lebensmüde agierenden Soldaten gilt. Sollte unser armer Albert doch mal ein paar Schrammen abbekommen, dann keine Angst: Innerhalb kürzester Zeit verheilen sämtliche Wunden von ganz allein. Und was, wenn er tatsächlich einmal stirbt? Dann machen wir einfach beim letzten der vielen Speicherpunkte weiter, die regelmäßig automatisch gesetzt werden. Vor allem in den beiden niedrigen Schwierigkeitsgraden müsst ihr euch aber schon sehr ungeschickt anstellen, damit es überhaupt einmal soweit kommt.
Abseits der Action
Kein allzu kopflastiges Abenteuer...
Von der Action, dem Splatter und den sich oft wiederholenden und schon beim ersten Mal abgenutzt wirkenden Schockeinlagen abgesehen hat Afterfall Insanity noch ein wenig mehr zu bieten: Die Storyline ist zwar nicht wirklich oscarreif, doch ich war durchaus neugierig, was es mit dem Irrsinn auf sich hat, was für eine Rolle der Colonel spielt, warum Albert selbst immer wieder unter Wahnvorstellungen leidet und ob ihm ein Happy End mit Karolina vergönnt ist.
Ab und an müssen wir unser Hirn aktivieren, um diverse Schalterrätsel und Minispiele zu lösen: Egal ob wir den Strom in einem finsteren Areal reaktivieren, das Kühlsystem eines Reaktors reparieren oder eine verschlossen Tür mit Alberts PDA hacken: Mit ein wenig logischem Denkvermögen ist jede Aufgabe schnell gemeistert. Um das Spielgeschehen zusätzlich ein wenig zu erweitern, beglückt uns Intoxicate schließlich noch mit einer Handvoll Quick-Time-Events, die in besonders dramatischen Momenten unsere Reflexe testen.
Raus aus dem Untergrund
So sieht es also draußen aus...
Richtig motivierend ist es, dass wir nach etwa der Hälfte der Spielzeit die Unterwelt verlassen und an die Oberfläche gelangen. Die Architektur der Areale verändert sich stark und wir sind nicht mehr ausschließlich in beengten Gängen unterwegs. Außerdem bekommen wir Sonnenlicht zu sehen, was (so viel sei verraten) Alberts Gesundheitszustand aber nicht wirklich zugutekommt.
Insgesamt empfinde ich das Setting sowohl unter als auch über der Erde als recht gelungen. Die düstere Atmosphäre mit vielen Licht- und Schattenspielereien, die teils futuristischen, teils heruntergekommenen Bunkeranlagen und die stark zerstörte Oberwelt lassen die passende Stimmung aufkommen. Allerdings lässt der Detailgrad der Umgebung oft zu wünschen übrig und wirken die Animationen aller Figuren äußerst steif. Man könnte echt meinen, unser armer Albert hat gerade erst eine Hüft-OP hinter sich.
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass kein Interface den Blick auf das Geschehen trübt. Eine Karte wird aufgrund der linearen Umgebungen nicht benötigt, anstatt eines Gesundheitspegels verfärben sich die Bildschirmränder bei Verwundungen rot und alle benötigten Infos sind in Alberts PDA gespeichert.
Düstere Soundkulisse
Wie es sich für ein gepflegtes Horror-Abenteuer gehört, geizt Afterfall Insanity nicht an seltsamen Umgebungsgeräuschen, die für ein permanentes Unwohlsein sorgen (sollen). Dazu passt der orchestrale Soundtrack, der sich aber recht häufig wiederholt und manches Mal an den völlig unpassenden Stellen für Hektik sorgt. Die englische Sprachausgabe ist ganz okay, man hört aber deutlich heraus, dass keine allzu professionellen Sprecher am Werk waren. Es besteht also durchaus die Chance, dass sich in diesem Punkt die kommende deutsche Version als die bessere herausstellt.
Die Steuerung mit Maus und Tastatur funktioniert ganz ordentlich, ich persönlich habe aber sehr schnell zu einem Gamepad gegriffen und war damit deutlich glücklicher. Daher empfehle ich selbst eingefleischten W,A,S,D-Fetischisten, diese Alternative zumindest einmal auszutesten.