Anders als von den Battlefield-Spinoffs „Bad Company“ und „Bad Company 2“ gewöhnt, schlägt die Solokampagne von Battlefield 3 schon von Beginn an in die brachial-gewaltige Kerbe eines „Call of Duty“. Doch kann der Mehrspieler-Prinz auch in der Solo-Mission dem großen Konkurrenten das Wasser reichen?
Die Idylle des bewölkten Nachthimmels wird von sich nähernden Polizeisirenen durchbrochen. Wenige Sekunden später: Der Sprung von der Eisenbahnbrücke ist meine einzige Chance, den Zug anzuhalten. Unbeirrt vom blinden Passagier, rast der Regionalexpress weiter durch das nächtliche New York City. Kurze Orientierung: Das hintere Fenster verschafft mir einen Zugang zum Abteil. Für einen kurzen Moment scheint die Zeit still zu stehen – genug, um mich der ersten Skimaskenträgers zu entledigen. Da der normale Weg blockiert ist, zwingt mich mein Weg über ein Seitenfenster in den nächsten Wagon. Erneut strecke ich weitere Maskenträger zu Boden. Gerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf verblasst das letzte Abteil des Zuges im Feuerball der nahen Explosion. Vorsichtig kämpfe ich mich weiter an die Spitze des Zuges. Nur noch wenige Meter zum Abteil des Schaffners – dann hat der nächtlichen Schrecken ein Ende. Nur noch ein Mann zwischen mir und der Bombe. Vorsichtig betrete ich das Abteil. Dann ein Schlag ins Gesicht, und ich gehe zu Boden. Über mir ein Mann mit Revolver - dann wird alles schwarz...
18 Stunden zuvor: Nach dieser bildgewaltigen Einstiegsmission finden wir uns in einem Verhörraum wieder. Abermals schlüpfen wir in die Haut des US-Marines Henry Blackburn, dem Hauptprotagonisten der Kampagne. Wie sich im Verlauf des Gesprächs herausstellt, behauptet dieser geheime Informationen über einen an diesem Tag geplanten Terroranschlag zu besitzen. Solomon und seine Organisation, die PLR, sollen dahinter stecken. Die weitere Geschichte wird in Rückblicken erzählt, die nach und nach die Zusammenhänge der einzelnen Geschehnisse miteinander verknüpfen.
Bedachtes Buttonmashing
Spätestens nun sollte klar sein: Die Kampagne von Battlefield 3 macht im Vergleich zur Kampagne von Bad Company 2 in vielerlei Hinsicht eine 180-Grad-Drehung. Während Bad Company viel auf die Charaktereigenheiten von Sweetwater und Co. einging, oft unterlegt mit einer kleinen Prise Humor, präsentiert sich Battlefield 3 deutlich düsterer - und ohne Gnade. Dies wird besonders in den eingeschobenen Quicktime-Events deutlich, die des Öfteren den flotten Heldentod bedeuten. Drückt man nicht schnell genug die richtige Taste auf dem Controller ist es vorbei, und es bleibt nur das Laden des letzten Speicherpunktes. Auch die grundlegende Story der Kampagne ist inzwischen derart abgedroschen, dass immer wieder altbekannte Genre-Clichés zum Vorschein kommen: Russland als vermeintlicher Gegenspieler? Check! Bedrohung durch Atombomben? Check! Konflikt im Nahen Osten? Check! Verhör des Protagonisten führt durch die Geschichte? Check! Die Liste könnte noch lange so weiter gehen. Dennoch, oder vielleicht gerade durch diese bekannten Elemente hat Battlefield 3 etwas vertrautes, etwas insgeheim fesselndes, das einen Fan des Genres weiter vor den heimischen Bildschirm fesselt.
„Krieg, Krieg ändert sich nie.“
Vom iranischen Teheran, dem irakischen Sulaimaniyya durch die Dasht-e-Kavir-Wüste nach Paris und New York – in Battlefield 3 reist man weit umher. Zu Fuß verkörpert der Spieler Sergeant Blackburn, schlüpft jedoch in Fahrzeugpassagen in die Körper anderer US-Soldaten. Auf diesem Wege ballert man sich zu Land und in der Luft durch die unterschiedlichen Stationen der Kampagne. Einmal darf der Spieler sogar ins Cockpit einer F/A-18C Hornet steigen. Dabei wird nicht mit Explosionen gespart: An beinahe jeder Ecke fliegen die Gesteinsbrocken, oder schlagen feindliche Geschützsalven ein. Eine bombastische Inszenierung, die die wenigen ruhigen Passagen gekonnt als Stilmittel einsetzt. Dabei liefert die Frostbite-2.0-Engine eine eindrucksvolle Show ab: Selten waren Kriegsschauplätze derart überzeugend in Szene gesetzt, und auch die realistische Soundkulisse trägt ihr Übriges zur beklemmenden Stimmung der Kampagne bei. Momente in denen ganze Häuserblocks in sich zusammen fallen oder man vom Flugzeug aus dem Boden entgegensegelt lassen das Shooter-Herz höher schlagen. Und spätestens wenn sich das Netz aus Halbwahrheiten und Verstrickungen immer weiter zu zieht, ist man gefangen in den Wirren des Krieges. Durch derartige Passagen schafft Battlefield 3 zwar eine packende Illusion des Schreckens, die nach dem Abschalten der Konsole leider schnell wieder im Nichts verpufft.
„Hey, da ist Call of Duty in meinem Battlefield!“ Auch wenn sich die anfängliche Skepsis, lediglich ein weiteres Homefront ins Laufwerk gelegt zu haben schnell lichtet, bleibt während der Kampagne immer ein fader Beigeschmack. Zwar liefert Battlefield 3 einen Action-Bombast, wie er sonst selten derart in Szene gesetzt wird, verliert aber ähnlich wie Homefront auf emotionaler Ebene. Anstatt sich auf einen festen Helden zu einigen, wechselt Battlefield 3 in regelmäßig zwischen mehreren Protagonisten hin- und her. Auch die eher nervigen Quicktime-Events und austauschbaren NPC-Kollegen reißen da das Ruder nicht herum. Die wenigen Atempausen lassen einfach zu wenig Zeit, das erlebte richtig zu reflektieren. Aber doch: Auch wenn die lineare Solokampagne vom erstklassigen Multiplayer-Modus auf die hinteren Ränge verwiesen wird, reicht es auf jeden Fall für einige Stunden knackigen „Hirn-Aus-Action-Bombast“ - wohl bekomm's!
„Battlefield 3 ist die Referenz für all jene, die gemeinsam im Team auf das Schlachtfeld ziehen. Solospieler und Einzelkämpfer sollten hingegen lieber einen Blick auf Modern Warfare 3 wagen.”
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Kommentare
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So, dank Matthias (thx) habe ich jetzt die Wertungskriterien von DN-Tests entdeckt. Hier der entsprechende Text zu Hervorragend =9/10:
"Hervorragend
Alle Spiele, die von uns eine 9 von 10 bekommen, sind automatisch potentielle Kandidaten für die “Game of the Year“-Liste. Sie stellen die derzeitige Spitze des Genres dar und strahlen in irgendeiner Form „Frische“ aus. Im Idealfall wird dies durch extravagante Ideen erzeugt. Aber auch eine besonders einmalige Präsentation oder ein extrem liebevoll ausgearbeitetes Leveldesign helfen, das Spiel von der 8 zur 9 zu stupsen."
Ich Frage mich, wo bei BF3-SP die angesprochene "Frische" ist, wo die "extravaganten Ideen" oder einmalige Präsentation?
Davon mal abgesehen:
Der Testende selbst sagt (im Fazit), dass BF3 etwas für Mehrspieler sei, Solospieler und Einzelkämpfer sollen sich lieber ein anderes Spiel suchen, und vergibt dann eine 9 (= SP-Game of the Year!!!)
Hallo???
Hier soll doch gerade der Singelplayer getestet werden, oder nicht? Und nur der SP!!! Dann ist es auch egal, was der MP-Part taugt (Referenz oder auch nicht)!
Wenn die Thematik Origin bzw. die generelle Problematik, ob evtl. außerhalb eines Spiels liegende Umstände die Test-Wertung sozusagen "überdecken" können, generell auf Interesse stößt, würde ich dazu einen Artikel verfassen, der dann als Diskussionsgrundlage dienen könnte. Was meint ihr?
Wieso thematisiert man im Test nicht die Begleiterscheinungen des Spiels?
Ihr wisst, was ich meine: Origin.
Man kann darüber streiten, ob der Umstand der "freiwilligen" Onlinedurchsuchung, der man zustimmen muss, sofern man das Game überhaupt zum Laufen bringen will, in die Wertung einfließen soll oder nicht, den Fakt jedoch unerwähnt zu lassen, ist fast schon eine fahrlässige (oder gar vorsätzliche?) Täuschung gegenüber einem uninformierten Käufer.
Das Thema Origin (bzw. DRM allgemein) gehört heutzutage in einen Test genauso wie ein paar Worte über die Story, Graphik, Sound, Gameplay und die Spieldauer.
Und last but not least: wenn ich mir den Test jetzt noch einmal durchlese, die positiven gegen die negativen Punkte abwäge... Wie kommt nur jemand auf 9 Punkte???
Hallo?
Bei dem Übergewicht an Contras, dürfte BF3 nicht mal 50% bekommen.
Oder werden bestimmte Punkte anders gewichtet? Ich würde gerne den Bewertungsschlüssel einsehen. Es sei denn, dort steht: "Bauchgefühl der/des Spielenden"?
Dann erübrigen sich natürlich weitere Fragen...
So wie ich das sehe wird der Bewertungsschlüssel "pro Spiel" abgegeben. Wenn BF3 nun einen (sehr) guten Mehrspielermodus aufweist, dafür aber eine eher durchschnittliche Kampagne teilen sich beide Abschnitte die Wertung. Das lese ich auch aus dem Fazit-Text heraus, der bei beiden Artikeln übereinstimmt. Da bei Spielen wie BF3 aber wohl eher der Mehrspieler interessant sein dürfte, wurde die Wertung wohl auf diesen geeicht. So weit meine Theorie.
Seien wir ehrlich: ich habe die Kampagne aus langeweile durchgespielt, weil mein "squad-kumpel" gerade nicht da war - aber eigentlich hätte ich sie vermutlich mal irgendwann gespielt, aber nie ernsthaft
Finde aber doch, dass die Kampagne sehr Callofdutyfiziert ist, aber es ist immerhin eine Kampagne und die kampagne von BF 1942 wollen wir mal nicht ansprechen