
Beat the Beat ist eigenwillig, japanisch, abgedreht - aber es macht wahnsinnig viel Spaß.
Eine Minispielsammlung zum Abschluss? Ach, wie unspektakulär!
Für Nintendo-Jünger ist die aktuelle Saison eine schwierige Zeit. Die Wii U nähert sich zwar mit immer größer werdenden Schritten, bleibt aber immer noch Monate fern, während die alte Wii in der SD-Ecke verstaubt. Gleichzeitig laufen die HD-Konsolen und der PC auf Hochtouren und bekommen einen Videospiel-Kracher nach dem anderen spendiert. Welche Gründe gibt es denn überhaupt noch, die langweilige Wii einzuschalten, wenn alle Exklusiv-Highlights wie Donkey Kong, Zelda und Mario schon durchgespielt sind? Die Antwort: Beat the Beat: Rhythm Paradise! Neben dem guten Remake Project Zero 2: Wii Edition sorgt ausgerechnet eine Minispielsammlung dafür, dass die Wii wieder ins Rampenlicht rückt. Denn dieses Spiel verschwendet keine Zeit mit überflüssiger Gestensteuerung, aufwändiger Grafik-Kulisse oder überlangen Dialogen. Das Werk kommt ab der ersten Minute zum Punkt: der unkomplizierten, aber anspruchvollen Unterhaltung. Das ist Videospiel in Reinkultur.
Schlage den Beat, meistere den Rhythmus. Drücke A und B im Takt!
Über 50 verschiedene Minispiele sind auf der Disc enthalten, und das Spielprinzip könnte einfacher nicht sein. Im Grunde basiert jedes dieser Spiele auf der gleichen Formel. Auf dem Bildschirm geschieht irgendwas im Takt der Musik und eure Aufgabe ist es, im richtigen Rhythmus die korrekten Tasten zu drücken. Allerdings läuft das hier nicht ab wie bei Rock Band & Co., sondern noch wesentlich simpler. Es werden nämlich lediglich zwei Tasten benötigt,genauer A und B, beide auf der Wii-Fernbedienung (das Nunchuk wird nicht unterstützt). Ihr müsst also im richtigen Rhythmus, passend zur Hintergrundmusik des jeweiligen Minispiels, beide Tasten nutzen, wobei A und B unterschiedliche Aktionen ausführen. Am besten erklärt wird euch das Spielprinzip im unten eingebetteten Trailer. Beat the Beat: Rhythm Paradise ist damit alles andere als ein kompliziertes Spiel, aber das bedeutet nicht, dass es einfach wäre. Weit gefehlt! Hier werdet ihr öfter versagen als in 99% aller Videospiele, die es da draußen auf dem Markt gibt. Das liegt daran, dass euch das Spiel kaum Fehltritte verzeiht und ihr bis auf ein kurzes Tutorial keine Hilfestellungen während des Spielens erhaltet. Ihr müsst euch den Rhythmus selbst aneignen und erkennen, wann ihr welche Taste drücken müsst. Das ist anfangs eine große Herausforderung und schon in den ersten fünf Minispielen wird sich hier die Spreu vom Weizen trennen. Das Durchbeißen lohnt sich jedoch ...
Pose for the Fans! ARRRRRRRR!
Federball über den Wolken? Cool!
Einigen von euch könnte das alles, was ich oben beschrieben habe, nun bekannt vorkommen - und das völlig zu Recht. Tatsächlich basiert Beat the Beat: Rhythm Paradise auf einem Spiel, das 2008 für den Nintendo DS erschien. Es handelt sich dabei um Rhythm Heaven. Im direkten Vergleich mit der Originalfassung und des erweiterten Remakes für die Wii fällt vor allem eines auf: Die Steuerung durch Tastendruck wirkt nicht ganz so intuitiv und passend wie die mit dem Stylus auf dem NDS. Auch erreicht das Wii-Spiel nicht diese Kurzweiligkeit, die man auf dem Handheld geboten bekommt - es ist einfach aufwändiger, die Konsole und den Fernseher einzuschalten, die WiiMote auszupacken, die Disc einzulegen und sich durch einige Menüs zu klicken, bevor man mit dem Spielen anfangen kann. Auf dem NDS geht das Ganze einfach schneller und unkomplizierter, weswegen sich das Konzept dort besser anbietet. Das bedeutet freilich nicht, dass Beat the Beat darum ein schlechteres Spiel wäre: Die Qualität ist nach wie vor sehr gut, der Spielspaß unheimlich hoch und das Noch-eine-Runde-Potential im kleinen Kreis ist ziemlich groß. Generell ist die Motivation zum Spielen mehr als vorhanden.
Tennis über den Wolken gefällig? Oder lieber Posen für die Fans?
Dass das Spiel so viel Spaß macht, ist zu großen Teilen natürlich auch der witzigen und kunterbunten Präsentation zu verdanken. Diese zeichnet sich durch einen liebevollen, aber sehr einfachen Grafikstil aus, lebt aber vor allem von ihrem abgedrehten Design. So spielen in einem Minispiel beispielsweise zwei Hunde mit PIlotenbrillen Tennis, während sie in Flugzeugen sitzen und über den Wolken durch die Lüfte flitzen. In einem anderen Minispiel (meinem persönlichen Favoriten) wird ein Wrestling-Star von einer Reporterin interviewt. Doch so ganz alltäglich ist das Interview nicht, da die Fragen der Frau in etwa so klingen: "Wub-a-dub-dub is that true?" und der Wrestler alle paar Sekunden für die Fans posiert und seinen Bizeps zur Schau stellt. Das mag sich auf dem Papier komisch anhören, ist aber im Spiel garantiert für einige Lacher gut und sogar schon so populär, dass ein paar Leute den Wrestler gegen andere Personen ausgetauscht haben - beispielsweise gegen Terry Crews aus der bekannten Old-Spice-Werbung. Dieses Video sollte alles sagen! Einen lokalen Multiplayermodus für zwei Spieler gibt es übrigens auch, dieser ist aber leider nicht allzu aufregend. Man kann nur ausgewählte Minispiele im Duett spielen, aber nicht direkt gegeneinander antreten. Schade, dass es nicht mehr Modi gibt.