Randy Pitchford und Gearbox wollen keine Kompromisse machen.
DN: Borderlands war sehr umfangreich und euer bisher größtes Projekt. Borderlands 2 wird noch größer. Ist das heutzutage nicht ein bisschen verrückt? Ein Spiel zu machen, das nur Hardcoregamer anspricht? Die ganze Welt hängt doch inzwischen am iPad...
Randy Pitchford (lacht): Ja, es ist verrückt! Für die, die es lieben, ist Borderlands aber nicht nur ein Spiel, sondern ein Hobby! Und wir haben die Möglichkeiten und die Leidenschaft so etwas zu machen. Vor allem, wir wollen es auch so als Spieler. Klar, du kannst Borderlands auch so nebenbei spielen, aber Leute wie wir wollen einen entsprechenden Gegenwert für unser Geld. Borderlands 2 liefert genau das, wahrscheinlich mehr als jedes andere Spiel in dieser Saison.
DN: Ihr müsst ja ziemlich spielverrückt sein. Habt ihr ein Motto, das euch antreibt?
Randy Pitchford: Wir sind bei uns alle leidenschaftliche Spieler. Ich persönlich mag es, Leute zu unterhalten. Weißt du, in dieser Welt kann man sich vielen Dingen widmen. Ich will Leute begeistern und glücklich machen, denn diese beiden Dinge machen das Leben lebenswert. Das motiviert mich ungemein, und so denken viele bei Gearbox. Besonders Videospiele bieten eine einzigartige Erfahrung, weil wir durch die Interaktion ständig neue Erfahrungen sammeln können.
DN: Ihr setzt eure Visionen immer in großen Triple-A-Spielen um, obwohl ihr ein unabhängiges Studio seid. Müsst ihr da nicht auch mal auf andere Plattformen wie iOS schielen, um zu überleben? Dein Kollege Cervat Yerli von Crytek behauptet, dass die nächste Konsolengeneration die letzte ist.
Randy Pitchford: Es gibt viele Weg, wie wir Spiele konsumieren können. Wir stellen uns immer die Frage: Wie viele Spieler können wir erreichen und wie können wir sie zufriedenstellen? Klar, wir haben viele große und teure Spiele gemacht, weil wir etwas Bedeutendes hinterlassen wollen. Da haben wir viel Arbeit hineingesteckt. Unsere Reihe Brothers in Arms läuft auch auf iOS sehr erfolgreich. Da haben wir sehr gut mit Gameloft zusammengearbeitet.
DN: Trotzdem kein Vergleich mit euren großen Titeln...
Randy Pitchford: Wir sind erst am Anfang von dem, was wir mit diesem Medium machen können. Eigentlich befinden wir uns noch in der Steinzeit. Denk mal an die Fernsehindustrie seit den 90ern. Da hat es einen Riesenschub gegeben. Serien wie Friends, Seinfeld oder später Reality TV haben plötzlich mehr Zuschauer, als das herkömmliche Fernsehen erreicht. Alle in der Branche wollten dann mit so etwas Geld machen. Aber es gibt Dinge, die wir nicht auf dem kleinen Bildschirm sehen wollen. Nach diesem Fernsehboom gab es Filme wie Jurassic Park, Titanic oder Avatar. Oder jetzt die Marvel-Filme. Herr der Ringe! In jedem Jahr kommen Filme, die einfach nur "groß" sind. Ich will die keine Nummer kleiner sehen, sondern mit dem besten Audio-System der Welt und der größten Leinwand, die es gibt.
Natürlich gibt es auch andere Sachen. Ich mag The Office und für mich ist es vollkommen ok, wenn ich es auf meinem iPhone anschaue. Da geht es mehr um Figuren und Dialoge. Wenn ich aber..
DN: The Avengers...
Wo er Recht hat, hat er Recht. Ob man den Hulk auf einem Smartphone noch erkennen würde?
Randy Pitchford: Richtig! Ich werde mir nie im Leben The Avengers auf meinem mickrigen iPhone ansehen. Screw that! Ich will sagen, dass es so viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt. So lange Menschen existieren, die das alles sehen wollen und die es mit Leidenschaft erschaffen, wird es Spaß machen. Wenn du natürlich Geld verdienen willst, musst du genau überlegen, was du machst.
DN: Das ist das ewige Dilemma. Was ist euer Erfolgsrezept?
Randy Pitchford: Wir wollen etwas erschaffen und unterhalten. Du nennst es Triple-A-Blockbuster, und aus meiner Sicht wird diese Sparte immer besser. Der Videospielmarkt deckt vielleicht gerade mal 70% der Weltbevölkerung ab. Wir sind erst am Anfang des Informationszeitalters. Bald werden wir Spiele machen, die um einiges größer sind, als das, was wir heute machen. Momentan versuchen wir 10 Millionen Spieler zu erreichen. Irgendwann sind es vielleicht 100 Millionen. Diese Aussicht finde ich sehr aufregend.
DN: Da haben wir ja noch viel vor uns. Noch eine letzte Frage: Du warst mal als Magier unter dem Namen "Duval Magic" bekannt und hast auf der Bühne gestanden. Was haben Magie und Videospiele gemeinsam?
Randy Pitchford: Es gibt da diesen unausgesprochenen Deal, denn der Magier mit seinem Publikum macht. Man verhandelt nicht, es passiert einfach und es geht so: Folge mir, vertrau mir, und wenn du den Weg mit mir zu Ende gehst, gibt es am Ende eine Belohnung. Es wird dich überraschen und dich begeistern.
Der beste Actiontrip des Jahres? Wir warten mit angehaltenem Atem.
Genau das Gleiche passiert bei Videospielen. Ein Gamedesigner sagt zu seinem Publikum: Komm in meine Welt. Lerne ihre Regeln und akzeptiere diese. Am Ende wirst du belohnt, weil du durch deinen Sieg etwas geleistet hast. Manchmal spürst du die Anspannung oder das Gefühl der Herausforderung, wenn es hart wird. Wenn wir beide aber einen guten Job machen, wirst du mir vertrauen und zufrieden sein. Du wirst die Gefühle erleben, die wir dir versprochen haben und du wirst am Ende sagen: Wow, das hat Spaß gemacht! Es war spannend und ich habe das bekommen, was ich wollte.
Es ist so wie auf der Bühne. Mit schlechten Tricks wirst du niemanden unterhalten, aber ein großer Magier überrascht bis zum Ende der Show. Genauso wird sich ein Spieler bei einem schlechten Videospiel fragen, warum er seine Zeit damit vergeudet. Ein tolles Spiel macht dich dagegen glücklich und du wirst dich mehr damit beschäftigen wollen.
DN: Hoffen wir mal, dass Borderlands 2 genau diese Erwartungen erfüllt. Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere Details zu Borderlands 2 erhaltet ihr in unserer aktuellen Vorschau.