Komplex!
Schon nicht schlecht: Die Spielewelt gibt sich detailverliebt und realistisch.
Trotz des lahmen Namens richtet sich der Bus-Simulator 2012 ganz klar an erfahrene Genre-Liebhaber, die auch schon den OMSI zu schätzen wussten. Denn hier steht die komplexe und detailgetreue Umsetzung des Busfahrerjobs im Fokus. Ihr beginnt in der fiktiven Großstadt Freyfurt, was wohl dem einen oder anderen nicht ganz schmecken dürfte. Denn authentische Schauplätze besitzen sicher einen größeren Reiz. Sei’s drum, Freyfurt besitzt auch so facettenreiche und ausgesprochen detailreiche Schauplätze. Bis ihr diese zu Gesicht bekommt, müsst ihr erst einmal den eigenen Bus kennenlernen. Für Anfänger integrierten die Entwickler die Einsteiger-Bedienung, Experten wählen zu Beginn am besten den Profi-Modus. Die Unterschiede liegen im Detail: Neulinge erhalten Infotexte und kleinere Vereinfachungen (keine Berücksichtigung der Außentemperaturen oder korrektes Einschalten des Motors). Erstgenanntes empfiehlt sich dringend, denn schaut ihr im Handbuch auf die Keyboardbelegung, dürfte der Schock groß sein. Fast alle Tasten kommen zum Einsatz, zumindest in der Theorie. In der Praxis benötigt ihr glücklicherweise nicht alle ständig.
So oder so: DerBus-Simulator 2012 ist fordernd. Alleine das Starten eines Vehikels setzt etwas Zeit voraus, schließlich müsst ihr noch eure Fahrernummer eingeben und ggf. eure Route auswählen. Zusätzlich dürft ihr sämtliche Türen des Busses kontrollieren, mehrere Bremsen bedienen (Feststellbremse, Haltestellenbremse, Retarder), müsst die Displays des Fahrzeuges im Auge behalten und das Beleuchtungssystem nicht unbeachtet lassen. Zusätzlich stehen diverse Kamera-Perspektiven zur Verfügung. Das ist heftig, möchtet ihr einfach nur losdüsen und Leute von A nach B transportieren. Klar, mit dem Bus-Simulator 2012 ist auch das möglich und nötig, nur bis ihr dies ordnungsgemäß bewerkstelligt, vergehen die Minuten - wenn nicht sogar Stunden.
Wie im echten Leben oder so
Eine komplexe Bedienung erwartet euch hier.
Es sind vor allem die Kleinigkeiten, die verdeutlichen, dass sich die Entwickler viele Gedanken gemacht haben. Unter anderem kassiert ihr Passagiere ab, achtet auf das zeitlich korrekte Anfahren der über 400 vorhandenen Haltestellen und haltet euch an die Gegebenheiten des Arbeitsalltags. Und da sind noch der Fahrtenschreiber, die zwingend einzuhaltenden Ruhezeiten, der Sprit - ihr seht schon, das ist kein Spiel für Grobmotoriker. Fakt ist: Der Bus-Simulator 2012 ist kaum simpler als der OMSI, der ja schon ein technisches Monstrum war und jede noch so kleine Winzigkeit aufgriff, um so für Authentizität zu sorgen.
Aber: Voll zufrieden bin ich mit dem Bus-Simulator 2012 nicht. Wieder einmal fehlt mir der etwas spannenderen Einstieg ins Spiel. Wer sich für das Thema interessiert, muss eine unangenehme Lernkurve überstehen, bis das Spiel endlich unterhält - was ja der eigentliche Sinn sein sollte. Hinzu gesellen sich zig kleinere Bugs: Menschen laufen durch meinen Bus durch und verschwinden plötzlich - Science Fiction meets reality? Die Kollisionsabfrage ist an vielen Stellen ungenau, ebenfalls bleibt ihr mit Pech an Kreuzungen hängen. Das ist dahingehend schlimm, weil ihr dann wieder neu im Depot startet und so im Worst-Case-Fall eine halbe Stunde und länger umsonst herumgefahren seid. Auch ist es mir eins, zwei Mal passiert, dass ich den Gang nicht wechseln konnte und so im Leerlauf mit dem Bus herumrollte. Solche Winzigkeiten sollten dringend mittels eines Patches behoben werden. Ein Tipp übrigens nebenbei: Installiert ihr den Bus-Simulator 2012 in einen anderen als vorgegebenen Ordner, könnt ihr den Titel nicht durch die jeweiligen Icons starten. Wechselt in den Installationsordner und klickt auf die EXE-Dateien - dann klappt’s. Seltsam.
Besitzt ihr einen flotten Quadcore mit aktueller Grafikkarte und Windows 7 (64bit), dann steht der Bus-Simulator 2012 auch in einer High-Version zur Verfügung. Die Unterschiede zur Basic-Variante sind erkennbar, speziell bei Grafikdetails, Lichtdarstellungen und anderen Effekten. Ich will allerdings nicht behaupten, dass das Spiel dadurch mit aktuellen OpenWorld-Blockbustern konkurriert - aber von einer schlechten Optik kann bei maximalen Details wahrlich nicht die Rede sein. Die Stadt hinterlässt einen lebendigen Eindruck, und genau das zählt. Da schaue ich ausnahmsweise darüber hinweg, dass etliche Texturen und Gebiete oder Passanten aus früheren TML-Spielen recycelt wurden.