Drücke jetzt F zum Sieg
Auch im neuen Call of Duty kracht es an allen Ecken und Enden
Anstelle von Call of Duty: Black Ops 2 könnte ich ebensogut versuchen, einen Big Mac als etwas Nagelneues zu beschreiben. Genau wie der triefige Burger ist Call of Duty ebern immer gleich: Nicht perfekt, aber doch irgendwie befriedigend, wenn man gerade Bock drauf hat. Beide erfordern zudem in ihrer Handhabung nicht sonderlich viel Grips und sind fix gegessen. Doch genug der albernen Vergleiche – worum geht’s diesmal eigentlich?
Im Jahr 2025 verlässt sich das US-Militär verstärkt auf computergesteuerte Drohnen, Roboter und allerlei High-Tech. Blöd nur, dass die Dinger vom “gefährlichsten Terroristen seit Bin Laden” gehackt wurden und jetzt für Chaos und Zerstörung sorgen. Ihr seid darum unterwegs, den Schurken dingfest zu machen. Nebenher beschützt ihr noch Leib und Leben der US-Präsidentin, helft bei der Vereinigung von Amerika mit China und bringt Terroristen mit Stromschlägen zum Kotzen. Spieltechnisch eine Mischung aus Schießbude, Edel-Moorhuhn und Quicktime-Events mit übergroßen Onscreen-Hinweisen, was man denn eigentlich gerade drücken soll. Das ist nicht wirklich anspruchsvoll, doch die Inszenierung ist wie immer fantastisch und absolut sehenswert. Wenn ich mit einem gewaltigen Sprung über eine Schlucht hechte, mich noch gerade so mit einem Arm am anderen Ende festklammere und nebenher gekonnt Kugeln und Explosionen ausweiche, schwillt mehr als nur mein Ego. Und dabei habe ich im Grunde nur "F" gedrückt.
Das Ding mit dem Flashback
Zwingend als CoD: Black Ops 2 erkennbar?
Nicht alle Missionen in der Kampagne von Call of Duty: Black Ops 2 spielen im Jahr 2025. Immer wieder schlüpft ihr im Rahmen der Story in die Rolle verschiedener Charaktere und spielt deren Vergangenheit nach, um mehr über die Hintergründe der Protagonisten und des Erzfieslings zu erfahren. So befreit ihr mal einen halbtoten Kumpel aus Vietnam oder widersteht Gehirnwäsche-Aggro beim Verhör eines Terroristen. Wer die Story des ersten Call of Duty: Black Ops nicht (mehr) im Kopf hat, versteht von der Handlung des Spiels wenig bis überhaupt nichts.
Hinzu kommt, dass Missionen abhängig von eurer Leistung und euren Entscheidungen unterschiedlich ausgehen und euer Spielende beeinflussen können. Das ist im Prinzip eine tolle Idee, in der Ausführung aber nicht immer ganz offensichtlich. So entkam mir in einem Level ganz am Schluss um Haaresbreite ein Obermotz und flüchtete in einem scheinbar gescripteten Event. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass man den Bösewicht auch einholen und umlegen kann. Tatsächlich fand ich dies erst heraus, als das Spiel vorbei war, ich das “perfect ending” aufgrund dieses Fehlers nicht bekam und wieder von vorne anfangen durfte. Zu meiner Zeit gab es da was, das nannte sich Savegames. Davon konnte man gleich mehrere anlegen, statt auf einen einzigen Spielstand angewiesen zu sein, der am Ende jeder Mission gnadenlos überschrieben wird. Es ist nicht alles besser im Jahre 2025.
Warum eigentlich Taktik?
Ja, wo laufen sie denn hin?
Zum bewährten Call of Duty-Spielprinzip gehört, dass sich in jeder noch so kleinen Hütte und in jedem Panzer mindestens ein Dutzend Terroristen verstecken, die man auf dem fest vorgegebenen Weg von A nach B umnieten muss. Natürlich mit Ausnahme der Level, in denen man direkt nach B durchrennt, weil es unendlich viele Gegner gibt. Das ist vielen Kritikern seit Jahren zu primitiv. Und was haben sie nun davon? Strike Force! In diesen speziellen Missionen kommandiert man mehrere Einheiten aus der Vogelperspektive wie in einem Echtzeitstrategiespiel und versucht, mehrere über die Karte verteilte Missionsziele einzunehmen oder zu verteidigen. Der Clou: Ihr könnt jederzeit in die Rolle jedes Soldaten und jeder Drohne auf dem Schlachtfeld schlüpfen und in First Person-Perspektive mitmischen. Klingt toll, ist in der Ausführung aber recht unglücklich.
Das liegt in erster Linie an der künstlichen “Intelligenz” der eigenen Einheiten. Die KI-Kameraden als “dumm wie Brot” zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung gegen Backwaren. Tatsächlich sind die computergesteuerten Soldaten derart lahmarschig, kreuzdämlich und unfähig, dass man dem Spieler auch gleich Imperiale Sturmtruppen zur Seite stellen könnte. Also, die doofen Sturmtruppen aus der Original-Trilogie, die gegen Ewoks verlieren. Nicht die Klon-Krieger, die sogar Jedis… äh… wo war ich? Hinzu kommt, dass Strike Force auf den höchsten Schwierigkeitsgraden so frustrierend unfair und schwer ist, dass sich bereits Abdrücke meiner Tastatur tief in meine Stirn graviert haben. Es hilft nicht, dass ihr nur eine begrenzte Anzahl Versuche bekommt, diesen Teil des Spiels zu absolvieren. Und wenn ihr scheitert, gibt’s kein Happy End.
Ich verstehe ja, was Treyarch da versucht hat. Ständig wird über wenig geistreiche Schlauch-Shooter gelästert, also bringt man in Call of Duty: Black Ops 2 eben mal ein Spielelement rein, bei dem man die grauen Zellen anstrengen muss (alle beide!). Und ich motze trotzdem nur rum! Ja, weil die Ausführung unnötig bescheuert ist. Wenn man schon zwanghaft ein neues, “anspruchsvolles” Feature in die bewährte Formel mischen will, warum macht man das dann nicht optional? Oder mit unendlich vielen Versuchen? Klar, wenn mir das Ende egal ist, kann ich diesen Teil des Spiels ignorieren. Aber wozu spiele ich die Kampagne überhaupt, wenn ich den Schluss nicht sehen will?
Spielt nicht immer mit Euch selbst
Ohne Untote geht heutzutage gar nichts mehr.
Der Multiplayer-Modus bietet neben den Spielmodi der Vorgänger auch einen Liga-Modus, der versucht, Spieler via Matchmaking mit ebenbürtigen Hobby-Soldaten zu paaren. Dedizierte Server sucht man allerdings vergebens. Wer also darauf gehofft hat, ein Zuhause für seinen Clan zu mieten und dort Flamer, Cheater und andere Gehirnspender zu verbannen, wird enttäuscht. Und ja, Wallhacks, Aimbots und jede Menge Unterstellungen und Paranoia sind so präsent wie in jedem anderen Spiel der Reihe auch. In aller Fairness sei aber gesagt, dass die meisten Spiele friedlich und ohne Mogelei verlaufen und dass Call of Duty: Black Ops 2 online mindestens genauso spaßig und suchtfördernd ist wie sein Vorgänger. Waffen aufpowern, Upgrades freischalten, Prestige-Level sammeln – wer belohnt wird, hat beim Spielen gleich doppelt Spaß.
Der Zombie-Modus ist auch wieder vorhanden und dieses Mal sogar eine Ecke rasanter als zuvor. So hetzt ihr auch mal einem Bus hinterher, statt euch nur dauernd zu verbarrikadieren, oder tretet mit Kumpels nicht nur gegen die Schunkelgrufties, sondern obendrein gegen ein Team feindlicher Spieler an.
Verpasst auch nicht die "Let's Play"-Videos zu Call of Duty: Black Ops II in unserer LPSG-Videoshow!