Neues Jahr, neues “Call Of Duty“: Nun seit sieben Jahren kann man seine Uhr nach dem Releasetag eines neuen Teils stellen. Der Höhepunkt der Serie liegt mit “Call Of Duty 4: Modern Warfare“ bereits einige Jahre zurück, auch wenn “Modern Warfare 2“ sich mit Abstand am Besten verkauft hat. Diesen Verkaufsrekord wird wohl “Black Ops“ wiederum brechen können – die Anzahl der Vorbesteller lässt stark darauf schließen. Aber inwiefern ist der Erfolg berechtigt?
(Fast) alles beim Alten
Die gute Nachricht vorweg: “Black Ops“ spielt weder in der nahen Zukunft, noch im zweiten Weltkrieg. Stattdessen wählte man als Szenario den kalten Krieg der 60er-Jahre. Als Spezialagent des CIA seid ihr auf geheimer Mission hinter feindlichen Linien unterwegs. Selbstverständlich werdet ihr Serien typisch in die Haut anderer Charaktere schlüpfen, um so zum Beispiel auch dem Vietnam einige Besuche abzustatten - näheres darüber wollte man mir allerdings nicht verraten. Interessant ist, dass nun jeder spielbare Charakter komplett vertont ist – vorbei also die Zeit, in der man nur den stummen Mitläufer spielte. Von diesen Dingen abgesehen hat sich allerdings nur wenig verändert. Die Gegner laufen immer noch wie die Moorhühner in eure Schussbahn, tauchen jedes Mal an den gleichen Orten auf und sind wenig mehr als Kanonenfutter. Aufgelockert wird dies wie in den Vorgängern mittels Skriptsequenzen an jeder Straßenecke.
In jener Mission, die mir präsentiert wurde, stürzt euer Helikopter zu Anfang in einen Fluss ab. Gerade so könnt ihr euch per Hämmern der X-Taste aus dem Wrack befreien. Nachdem euer Charakter an die Oberfläche geschwommen ist, übernehmt ihr das erste Mal dessen Kontrolle und begebt euch zum nächstgelegenen, Kanu-ähnlichen Boot. In einer weiteren geskripteten Sequenz schnappt ihr euch den unachtsamen Wachmann als menschlichen Schild und erschießt alle Feinde um euch herum. Als ihr mit eurer Pistole auf den letzten Gegner feuert, verfolgt die Kamera in Zeitlupe die Kugel, so dass ihr genüsslich mit ansehen könnt, wie sie den Kopf eures Gegenüber langsam in hunderte blutige Stückchen zerspringen lässt.
Blut! Gore! Hurra!
Und damit wären wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt bezüglich “Black Ops“ angelangt: Es ist unausstehlich pubertär. Sowohl “Call Of Duty 4: Modern Warfare“ als auch “Modern Warfare 2“ scheuten sich nicht davor, harte und schockierende Szenen zu zeigen. Diese blieben dabei trotzdem noch einigermaßen realistisch und nachvollziehbar – die berühmte Flughafenszene ausgeklammert. Die entsprechenden Szenen wurden nicht dadurch so eindringlich, dass sie mit Blut nur so um sich sprießten oder möglichst viele Körperteile durch die Gegend flogen. Stattdessen konzentrierte man sich bei Infinity Ward auf die Präsentation und die Atmosphäre. Sie haben verstanden, dass kein übertriebener Gore-Effekt nötig ist, um ein Spiel erwachsener wirken zu lassen.
Doch bereits bei Treyarchs letztem Spiel, “Call Of Duty: World At War“, war es möglich, mit einigen Waffen problemlos Arme, Beine und Köpfe abzutrennen. Dies wird anscheinend hier, etwa mit der bereits erwähnten Zeitlupensequenz, noch viel weiter getrieben. Einerseits betonte Treyarchs Community Director Josh Olin im Interview immer wieder, wie wichtig dem Team Authentizität und Realismus wäre. Andererseits ist der Gore des Spiels aber völlig übertrieben und durch nichts gerechtfertigt. Selbst nach mehrmaligem Nachfragen konnte Olin mit keiner besonderen Begründung antworten, wieso man diese Effekte nun für so wichtig hält. Im Endeffekt behält Kollege Andreas mit seiner Einschätzung wohl Recht: Treyarch scheint schlicht „kriegsgeil“ zu sein und sieht das Schlachtfest in allererster Linie als „cool“ an. Dass man damit das gesamte Spiel ins Lächerliche zieht, wird dabei völlig übersehen.
Daraus folgernd ergibt sich ein ganz anderes Problem für die deutsche Version: Diese wird, wie es schon bei “World At War“ der Fall war, erheblich geschnitten sein. Die Präsentation, welche die Öffentlichkeit gezeigt bekam, war bereits um sämtliche Blut- und Gore-Effekte erleichtert. Das ist deshalb ein Ärgernis, weil die entsprechenden Animationen nicht entfernt wurden. So humpeln auch in der deutschen Version einige Gegner auf einem Bein und schreien durch die Gegend. Während im Original das andere, abgetrennte Glied irgendwo in einer Ecke des Raumes liegt, ist der Soldat in der deutschen Version unversehrt. Das lässt die gesamte Sterbeanimation unfreiwillig komisch wirken.
Ausblick
Man merkt, dass es nicht allzu viel Neues zu berichten gibt. Den Mehrspielermodus gab es auf der GamesCom nicht zu sehen, nähere Infos sollen hierzu erst am 1. September folgen. Der Singleplayer sieht in etwa genauso aus, wie schon seine Vorgänger. Zwar kann man nun Fahr- und Flugzeuge selbst steuern, letztlich fliegt man aber nur durch fest vorgegebene Schlauchlevel. Ansonsten bekommt man genau das geboten, was man von der “Call Of Duty“-Serie gewohnt ist: Spektakuläre Skriptsequenzen, hunderte zu tötende Gegner und viele verschiedene Szenarien. „Call Of Duty: Black Ops“ wird sich großartig verkaufen... trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob sich die Serie langsam aber sicher wortwörtlich ins Abseits schießt. Denn auch im nunmehr siebten Jahr bekommt man im Kern exakt das Gleiche geboten. Wem das Franchise bisher gefallen hat, der wird ohne Frage mit “Black Ops“ seine Freude haben. Alle anderen dürften sich einen Kauf am 09. November wahrscheinlich zwei Mal überlegen.