Wie aus Simon Riley Ghost wurde

Simon Riley alias Ghost sitzt an einen Stuhl gebunden, mitten in einem ukrainischen Klassenzimmer voller Kinder, die von Terroristen als Geiseln genommen wurden. Riley, der wie üblich mit seiner Totenkopfmaske bekleidet im Zimmer sitzt, beginnt von seiner Vergangenheit zu erzählen. Der Grund für seine Gesprächigkeit ist nicht klar und wirkt zunächst etwas verwirrend, was sich aber am Ende des Bandes aufklärt. Seine Geschichte beginnt mit einem Einsatz in Mexiko, für den er zu einer amerikanischen Sondereinheit gestoßen ist. Ziel ist es einen Drogenbaron namens Roba auszuschalten, der sich zu einer Bedrohung für die USA entwickelt hat. Zunächst läuft der Einsatz nach Plan, doch dann verschwinden zwei seiner Teamkollegen und die Situation gerät schnell außer Kontrolle. Das eigentliche Problem ist, dass die Operation von einem Spitzel verraten wurde. Riley fällt in die Hände von Roba, der sein Leben in den nächsten Monaten prägen wird wie kein anderer. Die Story beschränkt sich aber nicht nur auf Rileys Vergangenheit, sondern zeigt auch Ausschnitte aus seinem Privatleben. Man erfährt als Leser viel über seine familiären Verhältnisse und Probleme in seinem Elternhaus.
Zeichnungen ohne Spielreien
Autor und Zeichner David Lapham ist nicht ohne Grund Gewinner des Will Eisner Awards, eine der wichtigsten Auszeichnung für Comic Künstler. Die Bewegungen, ebenso wie die Charaktere sind realistisch gezeichnet. In seiner Arbeit liegt der Fokus immer auf den Kernelementen des jeweiligen Panels oder der Sequenz und verzichtet zum Beispiel auf detaillierte Hintergründe. Das hat zur Folge, dass der Leser seinen Blick immer auf die vom Zeichner gewünschten Elemente konzentriert und nicht von Spielereien abgelenkt wird. David Lapham wurde von Kevin West unterstützt. West hat neben seinen Arbeiten für Wildstorm und Marvel auch schon Erfahrungen in der Videospielbranche gesammelt. Interessant ist, dass im Gegensatz zur Zeit seines Einsatzes in Mexiko oder der Gegenwart die Rückblicke in Rileys Kindheit einen ganz anderen Stil haben, wodurch der Effekt eines Rückblicks viel deutlicher zum Tragen kommt.
Die Story in Call of Duty Modern Warfare 2 Ghost, ist zwischendurch etwas verwirrend, was aber vom Autor gewollt ist. Lapham spielt mit dem Leser gekonnt, nur um ein paar Seiten später die Auflösung zu bringen. Generell ist die Geschichte ein guter Mix aus Action und Drama. Da man aus den Spielen keinerlei Informationen zu Ghost entnehmen kann, konnte sich Lapham auch dementsprechend Ausleben, ohne einen Konflikt mit der Handlung des Spieles zu riskieren.
Fazit
Call of Duty Modern Warfare 2 Ghost ist eine klassische Origins Geschichte, die einem viel Informationen zu Rileys Leben gibt und unter anderem klärt, wie er schließlich zur Taskforce 141 kam. Der Band enthält zum Teil recht krasse Szenen und das Maß an Gewalt ist sicherlich nicht gering. Es wird aber durchgehend korrekt platziert und artet nicht in ein Gemetzel aus. Die Story bietet von Familiendrama über Verschwörungen sowie Action eine gute Mischung und unterhält somit den Leser. Man muss auch das Spiel nicht kennen, um mit der Story was anfangen zu können. Andererseits bietet sie für Fans von Modern Warfare auch keinen wirklichen Mehrwert, da keine weiteren Personen aus den Call of Duty-Universen auftauchen. Wer sich aber für den Mann mit der Totenmaske interessiert, der kann beruhigt zugreifen. Auf den letzten Seiten gibt es noch eine Galerie mit allen Covern der US-Ausgaben.
Cal of Duty Modern Warfare 2 Ghost von David Lapham und Kevin West 148 Seiten im Softcover ist bei Panini Comics erhältlich für 16,95 Euro erhältlich.