The same procedure...
Neues Setting, neuer Müll: Deponia ist ein Planet wie er lebt und stinkt.
Erinnert euch: Da sind auf der einen Seite die Elysianer, Bewohner einer elitären Himmelsstadt, denen der stinkende Müllplanet Deponia ein Dorn im Auge ist. Man schickt ein Team herunter, um zu sehen, ob es dort überhaupt Leben gibt – und falls dem nicht so ist, dann soll das ganze Ding in die Luft gesprengt werden. Auf der andern Seite ist Deponia in der Tat voll bewohnt und sich keiner echten Gefahr bewusst – mit Ausnahme von Rufus, der mehr oder weniger zum Helden wider Willen wird. Vordergründig will er eigentlich nur das schaffen, was keiner zuvor geschafft hat: nach Elysium abhauen. Bei einem seiner Versuche landet Rufus immerhin für ein paar Minuten auf einem Kreuzer der Organon-Wächter. Doch wird er nicht nur entdeckt sowie zurück auf den Planeten geworfen: Versehentlich fliegt die hübsche Goal ebenfalls mit nach unten. Sie fällt in Ohnmacht, weshalb Rufus seine Chance als Retter sieht… in der Hoffnung, die Gute könne ihm bei seinem Vorhaben helfen.
Das Ende von Deponia glich einem krassen Cliffhanger: Rufus deckte ein Komplott gegen Deponia auf, rettete mutmaßlich seinen Planeten, indem er Goal zurück zur Himmelsstadt schickte und musste gleichwohl selbst auf seine Reise nach Elysium verzichten. Genau an diesem Punkt setzt Chaos auf Deponia an: Unser etwas einfältiger Freund wagt gleich einen neuen Versuch gen Himmel zu fliegen und kracht dabei ausgerechnet in die Rückkehrkapsel von Goal. Diese stürzt ab, das Mädchen fällt wieder zurück auf den Planeten und wird letztlich erneut ohnmächtig. Rufus Aufgabe? Ein zweites Mal für Schadensbegrenzung sorgen und Goal auf den rechten Weg bringen, ganz grob formuliert.
Die Zeichen stehen auf: Es wird besser
Diesem offiziellen Screenshot nach müssen sich Rufus und Goal nicht nur der Rettung des Planeten widmen.
Natürlich spielen auch solch Charaktere wie der niederträchtige Cletus oder der genial-verrückte Doc eine sehr gewichtige Rolle, doch ich möchte euch lieber nicht mehr verraten. Fakt ist: Chaos auf Deponia fängt so an wie Deponia und stellt euch in den ersten Spielstunden vor eine vergleichbare Problemstellung. Dies ist auch der einzige Aspekt, der mir bislang an der Fortsetzung nicht gefällt: Die Geschichte wiederholt sich ein Stück weit und wirkt damit gekünstelt in die Länge gezogen.
Doch von diesem Lapsus abgesehen kann ich nur eure Vorfreude schüren. Die ersten Szenen mögen noch ein klein wenig holprig in Szene gesetzt sein, sind aber vielleicht bis zur Release-Version optimiert. Selbst wenn dem nicht so wäre, so sehe ich dies nicht als Beinbruch: Kurz darauf streift ihr durch eine recht große Stadt, besser bekannt als der Schwimmende Schwarzmarkt, und habt ein sattes Rätselkontingent vor Augen. Der Schwierigkeitsgrad fühlt sich eine Nuance niedriger an als der im ersten Deponia-Kapitel - was gut so ist, denn dieses war für meine Begriffe zu hart. Sehr auffällig sind die vielen subtilen Hinweise, die Rufus beim Betrachten der Gegenstände von sich gibt. Beispielsweise könnt ihr gezielt einem Barmann euer gesamtes Inventar zeigen, woraufhin dieser euch einen Rat gibt, welche Bewohner des Schwarzmarktes etwas damit anfangen könne.
Die Komplexität der Preview-Rätsel ist bereits jetzt nahe am Rande der Perfektion. Euch stehen wirklich viele Aufgaben bevor, ihr müsst diese nicht stocklinear abarbeiten und fühlt euch trotz der relativen Größe im Vergleich zu anderen neumodischen Adventures keineswegs verloren. Die Lösung der einen oder anderen Kopfnuss ist richtig clever und gefällt mir bisweilen von allen Daedalic-Adventures mit am besten. Ebenfalls gefühlt optimiert ist die Grafik, bei der mir einige verspielte Animationen aufgefallen sind (Stichwort “Schnabeltiere“).
Die altbekannten Stärken, speziell der vortreffliche Humor, die herausragende Sprachausgabe sowie die ausgefeilten Dialoge, stehen mutmaßlich in nichts nach und sollten den Anforderungen des hohen Daedalic-Niveaus den nötigen Tribut zollen.