Was für ein Rotzlöffel!?
Können coole Posen Sünde sein?
Der Einstieg in das neue Abenteuer beginnt grell, laut und schrill: Wir lernen Dante als jungen Partyhengst kennen, der nach einer durchzechten Nacht inklusive One-Night-Stand mit zwei sehr beweglichen Damen verkatert in seinem Wohnwagen erwacht. Das soll unser neuer Held sein? In den ersten Spielminuten, in denen ich erstmals zu treibenden Beats sein Schwert „Rebellion“ schwinge und damit hässliche Dämonen zerstückle, kann ich mich noch nicht wirklich für den neuen Dante erwärmen. Er wirkt rotzig, unreif, übercool und erinnert mich irgendwie an die unsympathischen Ochsenknecht-Sprösslinge (Wilson Jimi? Blue Gonzalez? Egal!). Anderseits dreht der neue Entwickler Ninja Theory (Heavenly Sword, Enslaved) gleich derart voll auf, dass einem vor lauter Action, rasanter Kamerafahrten und heftigen Grafikeffekten erst einmal der Atem stockt und ich gar nicht anders kann, als mich sofort von dem stylishen Geschnetzel gefangen nehmen zu lassen. Gut so!
Familientreffen
Kat unterstüzt Dante bei seiner Aufgabe
Nach diesem fulminanten Einstieg senkt DmC - Devil May Cry erst einmal den Lautstärke-Pegel ein wenig und wir steigen in die Storyline ein: Diese erzählt von Dante und seinem Bruder Vergil, die Kinder eines Dämons und eines Engels sind und daher über einzigartige Kräfte verfügen. Zusammen mit dem magiebegabten Mädel Kat kämpfen sie um nicht weniger als die Rettung der Menschheit vor der heimlichen Übernahme durch die dämonische Höllen-Brut.
Im Grunde handelt es sich dabei um die übliche „Vom Saulus zum Paulus“-Geschichte, die uns in gut inszenierten Zwischensequenzen nähergebracht wird. Nachdem Dante zunächst die Zusammenarbeit mit Vergil und Kat ablehnt, wird er nach und nach offener, tiefgründiger, sympathischer. Ich erfahre vom tragischen Schicksal seiner Familie, die von den Dämonen gejagt und auseinandergerissen wurde, und ich freue mich, dass ich die Rettung der Welt passenderweise mit Dantes persönlichem Rachefeldzug verknüpfen kann.
Geschnetzeltes in vielen Variatonen
Der Dämonenaxt kann kaum einer widerstehen
DmC - Devil May Cry umfasst insgesamt 20 lineare Missionen, die meistens eine Mischung aus Hack&Slay-Einlagen und Sprungpassagen darstellen. Fast immer befinden wir uns dabei im Limbus, einer bizarren Paralleldimension zu unserer Realität, von der aus die Dämonen Einfluss auf die Menschen nehmen. Kat kann Dante mit ihren Fähigkeiten in diese Zwischenwelt transportieren, damit er vor Ort ordentlich unter den Feindesscharen aufräumt. Und diesen Job erledigt er dank seiner Kräfte und Waffen äußerst effektiv.
Zu Beginn verfügt Dante über das bereits benannte Schwert „Rebellion“ und über seine beiden Pistolen „Ebony & Ivory“. Damit lassen sich schon einmal sehr ansehnliche und effektive Combos ausführen, zumal sich Dante in regelmäßigen Abständen Verbesserungspunkte verdient, mit denen wir neue Moves freischalten. Braucht es da eigentlich noch mehr Waffen? Aber ganz eindeutig!
Insgesamt erhaltet ihr im Verlauf von DmC - Devil May Cry acht unterschiedliche Tötungswerkzeuge, von denen jeweils drei mit Dämonen- bzw. Engelskräften ausgestattet sind. Dazu gehören beispielsweise die Engelssichel „Osiris“, mit der wir dem Mob im direkten Umkreis Saures geben, oder die Dämonenaxt „Arbiter“, die den armen Teufeln schwerste Verwundungen zufügt. Außerdem lassen sich manche dieser Waffen in Enterhaken verwandeln, um weit entfernte Plattformen heranzuziehen, sich in Indiana Jones-Manier über Abgründe zu schwingen oder fliegenden Angreifern schnell näherzukommen.
Das Kampfsystem von DmC - Devil May Cry bietet damit eine große Auswahl an Angriffsmöglichkeiten, auf die ihr auch zurückgreifen müsst. Zu Beginn des Games kommt ihr vielleicht noch mit blindem Button-Smashing voran, doch sobald ihr es mit Gegnern zu tun bekommt, die eure Schläge gekonnt blocken oder gar grundsätzlich nur durch Dämonen- oder Engelskräften verwundbar sind, ist taktisches Vorgehen und ein ständiger Wechsel des Handwerkszeugs vonnöten. Gleiches gilt bei den Endbossen, dies sich grundsätzlich nur mit der richtigen Vorgehensweise ins Jenseits (oder wo Dämonen nach ihrem Ableben eben landen) befördern lassen.
Der schnelle Waffenwechsel funktioniert dank der beiden Trigger-Tasten des Gamepads (zu dem auch eingefleischte Maus & Tastatur-Fetischisten unbedingt greifen sollten) ganz wunderbar und zumindest mir erging es so, dass ich mich sehr schnell in einem wahren Flow metzelte und meine wahre Freude daran hatte, unterschiedliche Moves zu coolen Combos aneinanderzureihen. Dass das Kampfsystem abwechslungsreiche Manöver belohnt und Wertungen von D (Langweiler) bis SSS (Hammerschnetzler) für eure Vorgehensweise vergeben werden, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.
Abwechslung in geheimen Missionen
Damit das Gameplay nicht zu einem einzigen Blutrausch verkommt, sorgen herausfordernde Sprungpassagen, bei denen wir sehr viel auf die Enterhaken zurückgreifen, für Abwechslung. Außerdem stehen wir ständig vor versiegelten Durchgängen, die sich nur mit der richtigen Waffe öffnen lassen. Ein Siegel will einfach nicht nachgeben? Dann besitzt ihr vielleicht einfach noch gar nicht den richtigen „Dietrich“ und müsst die Mission später nochmals besuchen, um dann hinter das Geheimnis der zunächst verborgenen Passage zu gelangen.
Der Jäger: Dantes erster großer Herausforderer
Weiterhin stolpert ihr immer wieder über Kupfer-, Silber oder Goldschlüssel, mit denen sich die Türen zu Geheimmissionen öffnen lassen. In denen geht es etwa darum, unter Zeitdruck einen Hindernis-Parcours zu meistern oder einen vorgegebenen Zeitraum gegen eine nicht endende Gegnerwelle zu bestehen. Meistert ihr diese Aufgabe, erhält Dante als Belohnung eine vergrößerte Gesundheitsleiste, was tatsächlich sehr viel wert ist, da der Nephilim (Engels-/Dämonen-Hybrid) über keine Regenerationsfähigkeiten verfügt und sich dessen Lebenskraft nur durch käufliche bzw. sammelbare Items wieder aufbauen lässt.
Das Gameplay von DmC - Devil May Cry bietet also einiges an Abwechslung, grundsätzlich wird aber vor allem eure Reaktionsfähigkeit und euer Können am Gamepad gefordert. Rätselkost bietet uns der Höllentrip hingegen kaum, was ich etwas Schade finde, da dies in den bisherigen vier Teilen noch ein wenig anders war. Aber Gehirn-Jogging scheint eben nicht zu den Stärken bzw. bevorzugten Features von Ninja Theory zu gehören.
Einstürzende Neubauten
Ja, hier führt der Weg entlang
Die Präsentation von DmC - Devil May Cry ist größtenteils über jeden Zweifel erhaben. Der Limbus bietet uns äußert surreale Landschaften, die mich (nicht nur im übertragenen Sinne) kopfstehen ließen. Psychedelische Farben, in Sekundenschnelle in sich zusammenfallende Riesenbauten, Spielereien mit der Schwerkraft und haufenweise unterschiedliche Umgebungen, bei denen sich ständig enge Gänge mit endlosen Räume abwechseln, lassen vergessen, wie schlauchartige sämtliche Levels im Grunde angelegt sind.
Ähnlich kreativ zeigt sich Ninja Theory beim Design der Gegner. Dies beginnt beim 08/15-Fußvolk und zieht sich bis zu den Endgegnern durch. Jeder Bosskampf ist eine kleine Besonderheit, wobei mir vor allem der Fight in einem TV-Studio noch lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Das Szenario wechselte ständig zwischen einem knalligen Cyberspace und der typischen Berichterstattung eines beliebigen Nachrichtensenders, dazu beleidigen sich Dante und der Endboss mit übelsten Ausdrücken. Hammer! Überhaupt herrscht in DmC - Devil May Cry ein sehr flätiger Umgangston, „Fick Dich!“ ist fast noch die harmloseste Beschimpfung. Derb, aber passend! Dies lässt sich auch über den Soundtrack sagen, der uns mit harten Beats und noch härteren Gitarrenriffs von Noisia und Combichrist die Ohren wegbläst. Zur Synchronisation lässt sich sagen: Die deutschen Sprecher sind okay, ihre englischen Kollegen aber einen Tick besser.
Schade, dass sich die wunderbare Inszenierung nicht bis zum Ende durchzieht. Für die zwanzig Missionen von DmC - Devil May Cry werdet ihr etwa acht oder neun Stunden benötigen und dabei sicherlich selbst feststellen, dass den Leveln-Designern in den letzten Spielabschnitten ein wenig die Kreativität flöten ging. Die Umgebungen wiederholen sich ebenso wie die immer gleichen Gegnerscharen. Immerhin werden wir am Ende nochmals mit einem hervorragenden Finale belohnt, was diese kurze Hängeparty insgesamt verzeihlich macht.
PC-Details
Auch dieser Dämon wird irgendwann brechen
Ein paar kurze Worte zur Technik: Ich kenne die Konsolenfassungen nur aus der Demo, doch wenn ich diese als Vergleichsvorlage hernehme, dann kann ich alle PC-Spieler beruhigen: DmC - Devil May Cry sieht bereits auf einem etwas älteren Rechner mit Dualcore-Prozessor und zwei bis drei Jahre alter Grafikkarte ebenso gut aus. Und mit einem aktuellen Highend-Gerät besticht das Game durch knackscharfe Konturen, einer hohen Framerate und äußert kurzen Ladezeiten. Da können Xbox 360 und PS3 nicht mehr mithalten.
Mein Test basiert auf der Steam-Fassung von DmC – Devil May Cry. Leider gibt es von Capcom keine Aussagen über den Kopierschutz der Einzelhandels-Version, weswegen ich dazu momentan auch keine Aussage treffen kann. Daher im Zweifelsfall vor dem Kauf die Verpackung genauer unter die Lupe nehmen.