Starke Geschichte
Freilich erlebt ihr in Die Abenteuer von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn die Geschichte der Kinofilm-Vorlage, welche sich an den kultigen Comics orientiert. Der 17-jährige Tim ist ein rasender Reporter, wie er im Lehrbuch steht. Mit seinem Vierbeiner-Kumpel Struppi ist er immer auf der Suche nach einer tollen Story für irgendein Käseblatt. Diese findet er schnell, als er auf dem Flohmarkt ein Schiffsmodell erwirbt. Das enthält den Teil einer vermeintlichen Schatzkarte. Und eh er sich versieht, befindet er sich inmitten eines actiongeladenen Abenteuers. Bei diesem trifft er auf allerlei Schurken, die ihm die Karte abluchsen wollen. Auch macht er Bekanntschaft mit Kapitän Haddock, welcher eng mit der Vergangenheit der Karte verwoben ist. In diesem Zusammenhang sei die namensgebende Einhorn erwähnt. Es handelt sich um ein legendäres Schiff, das ein Vorfahre von Haddock versenkte.
Was genau hinter den ganzen Mysterien steckt, das erfahrt ihr im Verlauf der rund sechsstündigen Solokampagne. Was mich am meisten an Die Abenteuer von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn überrascht, das ist die wunderbare Erzählweise. Dezent cineastisch erklärt euch das Spiel jede Kleinigkeit, genauso ist die Reise um die ganze Welt nachvollziehbar und angenehm spannend. Zwar sind die zahlreich vorhandenen Zwischensequenzen visuell nicht besonders hochwertig, zerstören aber glücklicherweise nicht die aufkommende Atmosphäre. Ja, das Folgen der Geschichte ist spaßig und ganz klar das Highlight des Titels.
Tim of Persia trifft auf Struppi Complex?
Vorweg muss ich die schlechten Elemente erwähnen: Gelegentlich, nein regelmäßig, fliegt ihr auf simple Art und Weise mit einem Flugzeug umher, übersteht Schwertkämpfe in Rückblenden und düst mit einem Motorrad durch die Botanik. Sowohl technisch als auch spielerisch ist das billig, lästig und eintönig. Dazu kommt, dass sich die Gebiete zwar optisch ändern, spielerisch bleibt es bei diesen „Minispielen“ aber einfältig und langweilig. Das passt gar nicht so recht zum eigentlichen Hauptbestandteil von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn. Dieses ist deutlich aufregender in schicker inszeniert.
Vorrangig betrachtet ihr das Geschehen nämlich aus einer seitlichen 2D-Perspektive. Ähnlich wie beim guten alten Prince of Persia oder besser Shadow Complex lauft ihr von links nach rechts, um vorgegebene Ziele zu erreichen. In den Abschnitten, die übrigens gerne mal kurzzeitig in die dritte Dimension wechseln, springt ihr über Hindernisse, vermöbelt Gegner, löst Rätsel oder zerstört Hindernisse. Das ist in den ersten eins, zwei Stunden nicht sonderlich herausfordernd, später aber legt der Schwierigkeitsgrad angenehm zu. Dann werden die Feinde intelligenter und führen gewisse Taktiken aus. Hinzu kommen die knackigeren Puzzles, die von Sokoban-Aufgaben bis hin zu komplexeren Schalter-Aktivierungen reichen. Hier gesellen sich Haddock und Wauwau Struppi dazu, die KI-kontrollierten Figuren agieren recht gut und bieten ihre Dienste gerne an - zum Beispiel beim Erreichen höher gelegener Objekte.
Kindgerecht gibt sich das Spiel auch: Bei Tim & Struppi stirbt niemand. Ihr bekämpft Fieslinge mit den Fäusten oder mit Brandbomben, die sie nur in einen KO-Zustand versetzen. Die schlimmste aller Waffen ist die Steinschleuder. Die Bösewichte dagegen greifen gerne zu Schusswaffen, diesen müsst ihr hauptsächlich ausweichen.

Alles hätte so prima sein können, wären den Entwicklern nicht nach knapp der Hälfte die Ideen ausgegangen. Plötzlich servieren sie euch ständig die gleichen Inhalte - in gering veränderter Form. Ob ihr nun mit dem Enterhaken die Fassade eines Schiffes oder Hauses erklimmt, macht spielerisch keinen Unterschied. Die Gegner legen zwar in ihrer Gemeinheit zu, aber im Kern ändert sich die Vorgehensweise beim Vorankommen nicht. Diese Redundanz sorgt für eine Ernüchterung - gefolgt von Langeweile. Echt schade. Wären da nicht die Geschichte und die gelegentlich aufblitzenden neuen Einfälle - nach drei Stunden würde euch die Lust gänzlich vergehen. Und wieder einmal heißt es: verschenktes Potential! Dabei ist zum Beispiel die Flucht aus einem sinkenden Schiff großartig! Seufz.
Die Kinect-Unterstützung könnt ihr getrost ignorieren. Nur an ein paar Stellen macht ihr Gebrauch von den Bewegungssensoren, eine wirkliche Bereicherung ist das nicht. Beiläufig erwähnt: Manche Spielfunktionen hätten sich die Entwickler auch sparen können: Das Befragen von Zivilisten ist total überflüssig und gaukelt nur so etwas wie Freiraum vor. Letztlich ist Tim & Struppi extrem linear.
Für etwas Abwechslung sorgt immerhin der Koop-Modus, bei dem ihr eine abgeänderte Handlung erhaltet. Tim und Haddock erledigen ein paar neue Missionen, seid ihr gut, schaltet ihr noch ein paar Kostüme frei. Wie aufregend. Besagte Fahrten mit den Vehikeln könnt ihr auch abseits der Story hinter euch bringen. Aber wer sollte so etwas tun? Ich frage mich ernsthaft, wie Ubisoft auf eine Gesamtspielzeit von 20 Stunden kommt. Die gibt der Publisher in offiziellen Beschreibungen an. Die Hälfte erreicht ihr mit viel Geduld. Mehr nicht. Das ist dennoch okay.
Technik?
Noch ein paar Worte zur technischen Seite der Kinofilm-Umsetzung. Die deutsche Sprachausgabe gefällt mir sehr gut, vor allem Tim gibt sich Mühe, nicht wie ein Laie zu klingen. Haddock nervt zwar mit seinen infantilen Flüchen, aber das geht schon in Ordnung. Die Grafik selbst ist vor allem in den 3D-Sequenzen unästhetisch, in den eh überwiegenden 2D-Levels gefallen viele kleine Details, schöne Lichteffekte und hochwertige Physik-Spielereien. Alles in allem ist das Werk solide. Nicht sensationell, aber absolut zufriedenstellend. Das genügt! Kritisieren muss ich noch die Kamera: In den 3D-Schauplätzen ist ein Anpassen nicht vorgesehen. Kein Wunder, dass ihr euch so auch in den noch so kleinen Ortschaften verlauft. Blöd.